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Wiesbaden: Hessisches Finanzministerium hat ungewollt Riesenspringbrunnen

Droht dem Museum Wiesbaden der Einsturz? Es befindet sich in der Nähe einer Wasserfontäne, die bei Erdwärme-Bohrungen neben dem hessischen Finanzministerium in Wiesbaden entstanden ist. Auch das Gebäude des Finanzministeriums könnte gefährdet sein. Wird Wiesbaden nun – wie die Stadt Köln nach dem Einsturz des Stadtarchivs – vom Medienrummel beherrscht werden?

Gila Akkers - Wer bohrt, sollte es vorsichtig tun. Jeder gewissenhafte Heimwerker weiß es. Und trotzdem kommt es immer wieder einmal vor, dass jemand ein Wasserrohr anbohrt.

In Wiesbaden aber ist es kein Wasserrohr das angebohrt wurde, sondern eine in circa 100 Meter Tiefe unter Druck stehende Wasserblase, die bei sogenannten Geothermie-Tiefenbohrungen direkt neben dem Ministerium gemacht wurden, damit sich die Finanzbeamten an der Erdwärme erfreuen können. Das Wasser schießt ungehindert aus dem Bohrloch. Wie es verschlossen werden könnte, weiß angeblich auch die alarmierte Feuerwehr nicht so recht. Man wolle versuchen das Loch mit Beton zu verschließen, sagte der städtische Pressesprecher Siggi Schneider. Doch die Mächte der Unterwelt Wiesbadens sind entfesselt. Es scheinen sich zusätzliche unterirdische Quellen gebildet zu haben. Die Feuerwehr pumpt das Wasser derweilen in die Kanalisation.


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In Bildmitte die Position des Bohrloches. Nördlich hiervon: das Gebäude des Finanzministeriums und des Wiesbadener Museums. Das Gelände fällt höhenmäßig nach Süden hin ab. Dort befindet sich der Haupbahnhof.
© Google Maps

Schneider sagte, die Bebauung sei „hier zum Glück“ nicht so dicht. Deutet er damit die Befürchtung der hinzugezogenen Geologen an, das in der Tiefe existierende Loch der „Wasserblase“ könnte nach der Entleerung implodieren und an der Erdoberfläche stehende Gebäude einstürzen lassen? Wie gesagt, in der Nähe des Hessischen Finanzministeriums steht das Wiesbadener Museum, wo die Fotografin Barbara Klemm ihre Fotos zum Mauerfall (!) in einer Sonderausstellung bis zum 13. Dezember zeigt – wenn das Museum nicht evakuiert wird, weil dessen Mauern möglicherweise zu fallen drohen.

Geothermie-Tiefenbohrungen haben spätestens seit den Baseler Erdbeben, die sie ausgelöst haben sollen, keinen guten Ruf mehr. Offensichtlich wird zu sorglos mit der Erdkruste umgegangen. Immerhin stehen dahinter massive wirtschaftliche Interessen.

Wie es der Name Wiesbadens schon sagt, „auf der Wiese baden“, existieren unter der Stadt etliche Quellen. Wer dort nach Wasser sucht, braucht nur irgendwo entsprechend tief genug zu bohren. Es scheint somit keine Glanzleistung gewesen zu sein, auf das Wasserresorvoir gestoßen zu sein. Es wird jedoch ein Kunststück werden, das mit geschätzten 6000 Liter pro Minute aus dem Boden sprudelnde Wasser zu stoppen. Das Austrittloch konnte zwar mit Beton verfüllt werden, doch das Wasser aus der Tiefe „will die Welt hier oben sehen“. Es sucht sich seinen Weg und kommt nun durch rasch sich bildende Nebenlöcher.

Das Problem ist eben nicht das Austrittsloch, sondern die gesamte Bohrstrecke. Wurde erst von oben nach unten gebohrt, „bohrt“ nun das unter Druck stehende Wasser von unten nach oben. Und wird oben ein Betonpfropfen drauf gesteckt, kann sich die Bohrstrecke zu einem Aneurysma erweiterten und kollabieren. Eine Frage ist es sicherlich auch, was den Druck des Wasser verursachte und was nach dem Wasser kommt, das kalt sein soll – es wäre ja auch zu schön gewesen eine heiße Heilwasserquelle ausgerechnet neben dem Finanzministerium angestochen zu haben.

Hinweis:

Dieser Artikel wurde am 6. Nov. 2009 um 10.30 Uhr aktualisiert.

Effizienteres Drehbuchschreiben mit Adobe Story

Der Zoff, den sich eine festangestellte Mitarbeiterin des NDR leistete, betrifft nicht nur sie selbst und ihren Arbeitgeber, sondern die gesamte Drehbuchautorenszene in Deutschland. In wie weit der dadurch ausgelöste Rummel das bestehende Geflecht von Korruption, geistigem Diebstahl und Vetternwirtschaft in der deutschen Film- und Fernsehwirtschaft zerreissen wird, wird sich noch zeigen müssen.

Sean McMillan (unter Verwendung von Adobe-Material) — Nachdem das Drehbuchschreiben allgemein kriminalisiert wurde, bleibt zu hoffen, dass die Branche sich erneuert und Zuschauer künftig mehr cineastische Qualität seitens deutscher Produktionen erleben dürfen. Unabhängig von dieser notwendigen Veränderung stellt der US-amerikanische Software-Gigant Adobe jetzt ein innovatives Werkzeug zur Skript-Entwicklung vor, dass „bessere Nutzererlebnisse und Produktionskosten reduzieren“ soll. Besonderes Augenmerk legten die Softwareentwickler auf die Teamarbeit. Aber: Die Gefahr ist groß, dass Unterhaltung künftig noch seichter wird.

Adobe Systems hat heute auf der IBC 2009 in Amsterdam eine Public Preview-Version von Adobe Story angekündigt, die ab sofort in den Adobe Labs unter http://labs.adobe.com/technologies/story/ als Download zur Verfügung steht. Adobe Story ist ein neues Online- und Offline-Werkzeug für die Zusammenarbeit bei der Skript-Entwicklung. Die Software setzt in der Planungs- und Vorproduktionsphase von Video-Workflows an und kann mit anderen Adobe-Produkten integriert werden, darunter auch künftige Versionen der Adobe Creative Suite. Ziel ist es, effizientere Arbeitsabläufe in der Videoproduktion zu ermöglichen und gleichzeitig Produktionskosten zu reduzieren. Adobe Story wandelt Skript-Inhalte in relevante Metadaten um, die anschließend während des gesamten digitalen Video-Workflows mit Adobe-Produkten zur Verfügung stehen und entsprechend genutzt werden können. Adobe zeigt die Story-Technologie auf der IBC 2009 in Amsterdam im RAI Convention Center, Halle 7, Stand H.23.

„Broadcast- und Medienunternehmen sind bereits heute auf der Suche nach der nächsten Generation von Video-Workflows zur Erstellung und Nutzung bewegter Inhalte“, so Jim Guerard, Vice President und General Manager Dynamic Media bei Adobe. „Für das Erfassen wichtiger Skriptinformationen während der Vorproduktionsphase bietet Adobe Story ein innovatives Werkzeug, welches dazu beitragen kann, Produktionsabläufe spürbar zu optimieren, die Kosten zu senken und Unterhaltungsangebote ansprechender und interaktiver zu gestalten.“

Von der Skript-Erstellung bis zur Wiedergabe auf dem Bildschirm
Adobe Story bietet vielfältige Möglichkeiten, um Kameraleuten, Redakteuren, Produzenten sowie weiteren an der Projektentwicklung Beteiligten zu mehr Produktivität zu verhelfen. Sobald Informationen wie Drehort oder die Biographie eines Darstellers in Adobe Story erfasst oder eingegeben werden, fließen diese wertvollen Metadaten automatisch in andere Produkte der Creative Suite Production Premium ein und verbessern die Effizienz beim Erfassen von Clips sowie der Bearbeitung von gedrehtem Material. Ist die Videoproduktion fertig und bereit für die Online-Verbreitung, können die Metadaten Nutzern dabei helfen, Inhalte online zu durchsuchen, um beispielsweise ihre Lieblingsdarsteller, -episoden oder -szenen zu finden.

Zusammenarbeit beim Schreiben des Skripts
Beim Verfassen von Skripten werden typischerweise mehrere Phasen durchlaufen: Der erste Abriss, verschiedene Entwürfe, Skripte für den Dreh und die Erstellung einer Produktions- oder Drehplans, der das finale Skript ergänzt. Adobe Story ist darauf ausgerichtet, quasi jedem kreativen Unternehmen dabei zu helfen, diesen Prozess zu vereinfachen und zu beschleunigen. Mit Adobe Story steht Projektmitarbeitern eine optisch ansprechende Umgebung zur Verfügung, über die sie jederzeit ihre Ideen austauschen können. Anwender können ein Skript auf Basis von Notizen erstellen, indem sie auf die branchenweit standardisierte Formatierung der Anwendung zurückgreifen. Sie können auch Skripte aus einer Vielzahl von Anwendungen importieren, darunter Microsoft Word und Final Draft, oder diese in Formate wie Adobe PDF, Text, XML, Movie Magic und CSV exportieren. Mitarbeiter eines Projekts können Adobe Story nutzen, um sowohl online als auch offline zu arbeiten und ihren Input sowie Kommentare zu synchronisieren, sobald sie mit dem Internet verbunden sind. Während dieser Phase erfasst die Software automatisch Metadaten wie Drehorte für einzelne Szenen und andere einschlägige Informationen und trägt zu einem effizienteren durchgängigen Arbeitsablauf bei.

Preise und Verfügbarkeit
The Preview-Version von Adobe Story steht ab sofort kostenfrei in den Adobe Labs unter http://labs.adobe.com/technologies/story als Download zur Verfügung.

Deutsche Atomkraft am Abgrund

Während ein ordinärer Haufen von fanatischen Atomkraftbefürwortern unter CDU-Anhängern in Kommentaren noch versucht, das AKW Krümmel dahingehend darzustellen, die neuerliche Panne mache deutlich wie gut die Sicherheitsmechanismen funktionierten, streiten sich nicht nur in Hamburg Koalisation und Opposition über die Option des Entzugs der Betriebsgenehmigung für den Betreiber. Das Thema „AKW Krümmel“ wurde zum bundesweiten Wahlkampfthema.

Gila Akkers - Drei dunkelblaue Buchstaben sind am Haupteingang des Atomkraftwerks Krümmel zu lesen: KKK. Das erinnert unwillkürlich an den rassistischen Geheimbund in den Südstaaten der USA, den Klu-Klux-Klan, doch Vattenfall meint damit „Kern Kraftwerk Krümmel“.


© Fotos: Harald Haack

Schließlich geht’s in der Atomindustrie kernig zu. Mit der Erzeugung von Energie soll Geld gemacht werden, viel Geld, noch mehr Geld, und da Energie eine Kraft ist, darf innerhalb der Atomindustrie nicht schwächlich von der kleinsten Einheit der Materie gesprochen werden, dem Atom nämlich, sondern markig vom Kern – wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zum Beispiel, für dem das AKW Krümmel ein Kraftwerk mit Zukunft ist.

Recht hat er, auch wenn sich an seiner platten Aussage Außenminister Steinmeier erregt und sagt, der Oettinger scheide als ernst zu nehmender Politiker aus. Ja, wurde denn der Oettinger jemals ernst genommen, wenn nicht von Steinmeier?

Was jetzt den Deutschen seitens der Politiker geboten wird, ist ein Biegen und Brechen. Für Wähler schlichtweg zum Kotzen!

Da wird einerseits behauptet, das AKW Krümmel sei unsicher. Gemessen wird dies an den Pannen, die in letzter Zeit öffentlich wurden. Dass es aber noch in jenen Zeiten, als dieses Kraftwerk zu den Hamburgischen Elektrizitätswerken gehörte, wohl weitaus schlimmere Pannen gegeben haben muss, die dann aber geheim gehalten wurden, weil sie zu gesundheitlichen Schäden unter der Bevölkerung führten, darüber erregt sich keiner unter den derzeitigen Eiferern beider Lager, der Koalisation von CDU und SPD. Wo waren sie denn, als das passierte? In Urlaub oder gerade unpässlich?

Andereseits wird seitens der CDU der letzte Vorfall herunter gespielt und das Sicherheitssystem des Kraftwerks gelobt, es habe doch alles prächtig funktioniert. Doch weshalb wurde nicht wie vorgeschrieben zuerst die Atomaufsicht – die hätte entscheiden können, ob es wieder was geheim zu halten gibt – sondern die Polizei von einem Mitarbeiter des Betriebsschutzes alarmiert? Drohte eine Katastrophe, die eine Evakuierung der Bevölkerung notwendig gemacht hätte?

Eigenartigerweise jammert Vattenfall jetzt darüber, es müsse einen Brennstab im Reaktor gegeben haben, der während der Panne beschädigt wurde. Und: So‘n bisschen Radioaktivität habe es dort gegeben, wo man es nicht wünsche.

Hätte es ausgehend von einem beschädigten Brennstab zu einer Kettenreaktion kommen können? Nun ja, Atomkraft hat doch was mit Kettenreaktion zu tun. Oder trifft das nur auf Atombomben zu?

Wie dem auch sei, dies zeigt aber: Der Reaktor hat wirklich Zukunft: Vattenfall muss jetzt nämlich alle Brennstäbe überprüfen. Und für die lange Zeit des Prüfens und Reparierens gibt es keine Atomkraft in Krümmel. Wenn das keine Zukunft ist!

Damit ist der Reaktor ein überaus unsicherer Stromerzeuger geworden. Er ist so unzuverlässig wie ein vernachlässigtes Auto, bei dem man sich fragen muss, ob der Motor beim nächsten Mal noch anspringt. Auch wenn die CDU-Banausen wiederholt von der gut funktionierenden Sicherheit des AKW Krümmel sprechen, so sollte man ihnen vorhalten, dass die von ihnen gelobte Sicherheit eine zuverlässige Stromerzeugung gefährdet. Atomkraft bleibt damit so und so unsicher: Einerseits drohen gesundheitliche Schäden, anderseits droht ein Zusammenbruch des Stromnetzes wegen des notwendigerweise hohen Sicherheitsstandards in deutschen Atomkraftwerken, englisch: „nuclear power plants“, was für deutschen Ohren so viel wie „verstrahlte Knallbuden“ klingt.

Atomkraft ist wie Radfahren – wenn man anstelle des bequemen Sattels einen heftig rotierenden Schleifstein unter dem Po hat. Der Betrieb ist schmerzhaft und die nachfolgenden Krankenhauskosten machen arm. Aber davon reden die Herren Steinmeier und Gabriel, beide SPD, nicht. Auch gibt es von ihnen keine Kritik an der unzuverlässigen Atomkraft. Sie erregen sich nur dramatisch über das angebliche Versagen der Sicherheitmechnismen von Krümmel und machen damit deutlich, dass sie genau so behämmert denken wie die Klotzköpfe der CDU.

Helgolands „Lange Anna“ durch Aufspülungs-Projekt in Gefahr?

Ein Hamburger Bauunternehmer träumte von Bauland zwischen der Insel Helgoland und der vorgelagerten Badedüne. Sein Vorhaben, den dortigen Gezeitenkanal mit Sand aufzufüllen, um die damit entstehende Fläche als (teuren) Baugrund zu gewinnen, werde unterstützt von der schleswig-holsteinischen Landesregierung, behauptet er. Doch auf der Insel selbst scheinen die Sanduhren derweilen immer noch auf solider Basis zu rieseln.

Hein Hering – Die Ankündigung seines Projektes schien sogar „die Toten“ unter den bislang gemütlich vor sich hin dösenden Lokalredakteuren der norddeutschen Landeszeitungen ins Leben zurück gerufen zu haben. Es klang auch ziemlich aufgebördelt, was er ihnen auftischte: Er will einen Gezeitenkanal der Nordsee, der berüchtigt ist wegen seiner heftigen Strömung, plattmachen. Mit Sand soll dies geschehen. Mal eben so aus der Elbe- und Wesermündung geholt. Und darauf will er dann Häuser bauen. Als wenn dies so einfach wäre!

Doch sein Vorhaben, mit dem er die Presse-Industrie noch begeistern konnte, scheint bei den Insulanern auf verhaltene Begeisterung zu treffen. Es ist, als hätte jemand unter ihnen in der Bibel gelesen, das angebliche Buch der Bücher.

Wer die Insel Helgoland besuchte und sich den teuflischen Verlockungen des zollfreien Einkaufs von Spirituosen und Tabakwaren ausgesetzt sah, wird wohl kaum glauben können, dass es auf der Insel Bibelkundige gibt. Aber offensichtlich gibt es sie. Vielleicht ist es auch nur Allgemeinwissen, denn schlau sind die Helgoländer zweifellos, und wer sagt denn, es gäbe keine christliche Kirche auf Helgoland, dass sie sich nicht an den Bibelspruch von Matthäus (7,26-27) erinnern: „Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heran fluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.“

Wer auf der Insel geboren wurde, auf ihr aufwuchs und nicht von ihr fortging, darf wirklich stolz auf sich sein. Er hat es geschafft, nicht nur der mörderischen Nordsee zu trotzen, sondern auch sozialen und wirtschaftlichen Zwängen. Wer jedoch die Insel verließ, weil er auf ihr nichts wurde, genießt unter den Insulanern nur Ansehen, wenn er es geschickt verstand seinen beruflichen Erfolg auf dem Festland mit seiner insularen Herkunft zu begründen. Wer sich jedoch nur nebulös auf familiäre Wurzeln beruft, die auf Helgoland liegen, der wird allgemein auf Helgoland müde belächelt.

Letzteres tat der Hamburger Bauunternehmer. Seine Beteuerung: „Ich kämpfe für die gesamte Insel – und für mich“, mag vielleicht wie Piratengeschwätz klingen – frühere Ahnen der Helgoländer sollen Seeräuber gewesen sein – doch einen echten Helgoländer Insulaner vermag er damit heutzutage nicht wirklich zu beeindrucken.

So verlockend wie das Projekt für einige Insulaner denn auch klingen mag, viele Fragen wurden noch nicht beantwortet. Schließlich geht es nicht allein darum, wer den finanziellen Nutzen von der Neuvermählung der Insel mit der Düne hat. Unverhohlen spricht der Hamburger Bauunternehmer von dem Gewinn, den er damit zu machen hofft. Doch auf der Insel geht es mehr denn je um Naturschutz und um Sicherheit, es geht es um die Beantwortung von tausend Fragen – laut Helgolands Bürgermeister Frank Botter, wie er kürzlich einem Reporter von shz.de sagte.

Darüber ärgert sich der Bauunternehmer. Er lamentiert, die Nachricht über sein gigantisches Projekt habe in jeder Zeitung gestanden, davon habe Helgoland profitiert, von überall gab es positive Signale, nur von den Helgoländern nicht. Die wollten sich das in Ruhe überlegen. Doch wenn er es realisieren sollte, dann müssten alle Insulaner „Feuer und Flamme“ sein. Schließlich würde kein Investor sich rühren, wenn es auf der Inseln niemand will; schon gar nicht in diesen „Zeiten der Finanzkrise“. Er habe schon genug Geld reingesteckt. Mehr aber sei gegenwärtig nicht mehr drin. Seine Firma mache in dieser Hinsicht nichts mehr. Nun ja, immerhin hatte er genügend Publicity.

Als wenn Helgoland Investoren wie ihn bräuchte!
Und seine Idee betrachten viele Insulaner inzwischen mit gemischten Gefühlen. Denn Helgoland befindet sich nicht inmitten der Nordsee, wie etliche Journalisten fabulierten die über die Idee schrieben, sondern an deren Rand mitten im Gezeitenstrom vor den Mündungen von Elbe und Weser. Wie heftig die Strömungen um Insel und Düne sind, beweisen Landverluste an der Düne. Die hatte 1950 noch an ihrem östlichen Ende einen Dünenkamm. Die Alten unter den Helgoländer Fischern erinnern sich noch daran. Von beiden Seiten, von Nord und Süd, brandeten die Wellen und türmten sich am Dünenkamm zu enormen Fontänen auf. Inzwischen gibt es diesen Kamm nicht mehr. Die Nordsee riss ihn weg. Ähnliches beträfe auch die Lange Anna, eine freistehende Felsnadel an der Nordspitze der Insel, dem Wahrzeichen Helgolands, wenn man die Klippen nicht mit meterhohen Schutzwänden umbaut hätte.

Forschungstaucher der Hamburger Universität berichteten Newsbattery, bei ihren gelegentlichen Tauchgängen zwischen Insel und Düne sei die Strömung so stark, dass sie stets an gestrafften Sicherungsleinen hingen. Nur mit Mühe könnten sie sich unter Wasser über Grund tasten. Wasserskifahren sei nicht viel anders. Das fände aber noch an der Wasseroberfläche statt.

Kritiker des Bauvorhabens, den Gezeitenkanal zuzuschütten, führen an, es werde negative Auswirkungen geben. Durch den Eingriff in die Strömungsverhältnisse müsse es zu einem Verlust der Strände kommen – ähnlich wie dies an Sylts südlichstem Strand geschieht. Ausgelöst durch das Tetrapoden-Querwerk, mit dem der Weststrand von Hörnum eigentlich geschützt werden sollte, führten die Veränderungen der Meeresströmumg dazu, dass seither über die Hälfte der Hörnum-Odde verloren ging.

Die Helgoländer haben also trifftige Gründe, sich das Projekt noch einmal gründlich zu überlegen. Der Kreis Pinneberg, zu dem Helgoland gehört, gab deshalb ein Regionalentwicklungskonzept in Auftrag. Finanziert wird es aber nicht von dem Bauunternehmer, sondern vom Kreis und der Gemeinde. Darin soll vor allem geklärt werden, ob die Insel denn wirklich zusätzliches Land brauche.


Passend zum Thema:

SPIEGE-Online: BAUBRANCHE IN DER KRISE

Pannen-Polonaise im AKW Krümmel?

Fliegen bald im AKW Krümmel die Löcher aus dem Käse? Heute am Samstag um 12.02 Uhr kam es dort, im schleswig-holsteinischen Geesthacht, nach einer erneuten Panne zu einer Reaktorschnellabschaltung. Die Atomaufsicht wurde vom Betreiber Vattenfall über den Vorfall informiert. *

Gila Akkers – Es ist, als reihten sich die Pannen im AKW Krümmel zur Polonaise. Lustig aber findet das niemand, schon gar nicht die Menschen, die in der Nähe von Vattenfalls berüchtigtsten deutschem Atomkraftwerk wohnen. Laut Vattenfalls bisheriger Erkenntnis habe es eine Störung in einer der beiden Maschinentransformatoren des Kraftwerks gegeben. Dies führte dann zur Reaktorschnellabschaltung. Etwa zeitgleich gab es im Hamburger Stadtgebiet eine kurzzeitige Stromunterbrechung, die mutmaßlich zu Ampelausfällen u.a. in Rahlstedt führte. Auch die Internetverbindung brach für Kunden des Providers Hansenet (ALICE) zusammen, wurde aber schnellstens wieder hergestellt.


Pannen-Reaktor Krümmel des Betreibers Vattenfall


Greenpeace-Aktivisten verriegelten die Kraftwerkseinfahrt mit Ketten. Sie fordern von der Atomaufsicht, Vattenfall die Lizenz zum Betreiben von Atomkraftwerken in Deutschland sofort zu entziehen. Das AKW Krümmel müsse endgültig stillgelegt werden.
© Fotos (6.7.2009) : Harald Haack

Nach einem Transformatorbrand war es im AKW Krümmel vor knapp zwei Jahren, am 28. Juni 2007, zu einem Störfall gekommen. Zu einem Skandal wuchs sich der Vorfall wegen der ungenügenden Informationspolitik Vattenfalls aus.

Nun, am 19. Juni 2009, hatte die Atomaufsicht die Wiederinbetriebnahme des Reaktor genehmigt. Doch schon am Mittwoch, den 1. Juli 2009 wurde er wieder heruntergefahren, weil ein Mitarbeiter von Hand ein Notventil an einem Eigenbedarfstransformator fälschlicherweise geschlossen hatte. Weil der Transformator ausfiel, wurde nach Angaben von Vattenfall eine Turbinenschnellabschaltung ausgelöst. Deshalb lief der Reaktor dann nur mit halber Leistung. Gestern, am Freitag, den 3. Juli 2009, hatte Vattenfall die Leistung des Reaktor wieder gesteigert. Und heute nun, am 4. Juli 2009 gab es eine erneute Reaktorschnellabschaltung.

Ein Sprecher des für die Atomaufsicht zuständigen Sozialministeriums in Kiel sagte, die Atomaufsicht habe unverzüglich mit der Klärung der Ursache begonnen. Der Reaktor sollte noch im Verlauf des Wochenendes wieder mit „maximal möglicher Leistung“ laufen, soll dagegen eine Sprecherin Vattenfalls behauptet haben.

Aktuelle Ergänzung vom 5. Juli 2009:


* „Die Atomaufsicht wurde vom Betreiber Vattenfall über den Vorfall informiert.“

Dies hatte Vattenfall zunächst behauptet. Doch wie nun SPIEGEL Online schreibt, war die Atomaufsicht von der Polizei informiert worden:

„Die Objektsicherung des Kraftwerks hat die Landespolizei in Geesthacht informiert, und die Polizei hat die Information an das Innenministerium weitergegeben“, sagte Züfle. Von dort sei das Sozialministerium benachrichtigt worden.

Züfle ist der Geschäftsführer der VENE (Vattenfall Europe Nuclear Energy).

Laut SPIEGEL Online sei die Panne vom Samstag „schlimmer als zunächst bekannt“. Es gab mehrere Komplikationen, darunter eine Erhöhung der Radioaktivität im Reaktorwasser und Probleme bei der Kühlung des Reaktorwasser-Reinigungssystems. Die von der Atomaufsicht vorgeschriebene Audio-Überwachung im AKW Krümmel sei am Samstag angeblich ausgeschaltet gewesen.




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