Archiv der Kategorie 'Satire'

Die Qual der Wahl

Wessen Konterfei auf eine Briefmarke kommt, hat es wahrlich schwer mit der Auswahl des passenden Bildes. Denn schließlich wird ihn das Volk dann von hinten belecken, und gerade das sei das doch Wichtigste (was hinten heraus kommt), hatte mal einer gesagt, der es hätte wissen müssen. Doch er, der mit blenden Wahlkampffotos einst den Sieg errungen hatte, hat nun die Qual der Wahl.

Harald Haack – Eine Briefmarke zu seinen Ehren soll es sein. Aber welches Bild eignet sich dafür? Da helfe nun die ganze Familie mit, was zum gewöhnlichen Gestaltungsprozess bei Briefmarken ungewöhnlich sei, schreibt das Nachrichtenmagazin SPIEGEL. Sie fänden kein Bild, soll eine mit dem Projekt „Kanzlermarke“ „direkt befasste Person“ gesagt haben.

Werden Briefmarken mit dem Bildnis eines deutschen Politikers nicht erst nach dessen Tod produziert?

Man warte auf Vorschläge aus dem Büro des Ex-Kanzlers, soll ein Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) gesagt haben. Doch der zu ehrende Ex fühle sich offensichtlich verkohlt mitten in der Euro-Krise auf einer Jubelbriefmarke abgedruckt zu werden. CSU-Bundestagsabgeordnete Ernst Hinsken, der seit Jahren für die Marke des Ex kämpft, kann es mutmaßlich nicht erwarten, dass die Kanzlermarke bald auf aller Zunge sein wird. Er hoffe, dass die Marke bald geklebt werden könne.


Briefmarken-Vorschlag von Newsbattery: Werden wir ihn so in Erinnerung behalten – müssen?
© Newsbattery.eu

Autobahn bald bis Helgoland?

Wegen ausfallender Schiffsverbindungen gerät Deutschlands Hochseeinsel Helgoland laut Bürgermeister Jörg Singer in Schwierigkeiten. Im November solle es deswegen „Gespräche mit der Landesregierung“ in Kiel geben. Ist ein Ausbau der A23 über St. Peter-Ording bis nach Helgoland vorgesehen?

Harald Haack – Das Projekt wäre, wenn es denn existieren sollte, weitaus gigantischer als die geplante Fehmarn-Belt-Querung mittels „Supertunnel“, der voraussichtlich mehr als 5 Milliarden Euro kosten soll. Die Helgoland-St.Peter-Ording-Querung, egal, ob als Tunnel oder Brücke, wäre, von der L 33, der Eiderstedter-Straße in St. Peter-Ording, bis zur Helgoländer Düne gut 48 Kilometer lang. Voraussichtliche Kosten, gemessen am Bauvorhaben der Fehmarn-Belt-Querung: 13 Milliarden Euro.

Schon einmal hatte es Gespräche mit der Landeregierung gegeben. Heraus gekommen waren der Windpark Helgoland und das Vorhaben den Südhafen von Deutschlands einziger Hochseeinsel zu einer Service- und Betriebsstation für den Windpark auszubauen, wie Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Jost de Jager nach einem Spitzengespräch mit Vertretern der Energiekonzerne von RWE, Eon und WindMW am 12. 9. 2011 angekündigt hatte.

Helgolands Hotelier Detlev Rickmers sagt, auf Helgoland sei inzwischen eine Notlage entstanden, weil für Urlauber keine verlässliche An- und Abreise möglich sei, die Insel sei an 17 Tagen vom Festland abgeschnitten gewesen und seit Juli seien 127 Schiffsverbindungen ausgefallen. Birte Dettmers, Sprecherin der Reederei Helgoline, verwies auf eine Saison mit sehr schlechtem Wetter und viel Sturm.

Ins Gespräch gebracht hatten sich die Insulaner zuletzt mit dem Vorhaben der „Insel-Verdopplung“ mittels Aufschüttung, womit zwischen Felseninsel und Düne zusätzlich bis zu 100 Hektar Fläche entstehen sollen.

Im Sommer 2010 hatte es noch so ausgesehen, als habe man sich auf Helgoland gegen das Vorhaben eines Hoteliers und Bauunternehmers entschieden. Doch dann votierten die Insulaner mit großer Mehrheit für das spektakuläre Vorhaben, wie „DIE Welt“ schreibt.

Soll die durch Aufschüttung gewonnene Fläche künftig als Parkplatz der bisher Auto-freien Insel genutzt werden, zulässig aber nur für so genannte „Stromer“, die mit dem Strom aus dem Windpark aufgeladen werden könnten? Soll es in St.Peter-Ording dann einen Verleih solcher Fahrzeuge geben, in deren Mietpreis gleich Maut- und Aufladekosten enthalten wären?


Helgoland ist Deutschlands einzige Hochseeinsel. Im Bild: Das Wahrzeichen der Insel, ein einzeln stehender Felsen namens „Lange Anna“.


Bald Vergangenheit? Ausgebootete Touristen.

© alle Fotos: Harald Haack

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Kuh oder König?

Sehr geehrter Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, Herr Helmut Schmidt,

überrascht hat mich das Wort „Coworking“ in
http://www.zeit.de/campus/2011/02/reportage
„Kollegen zur Miete“.

Auf dem ersten Blick erkenne ich darin die englische Silbe „Cow“, also „Kuh“, gefolgt von den beiden Silben „or king“, soll folglich wohl heißen: Kuh oder König. Doch der Sinn will sich mir nicht erschließen. Also versuche ich es mit einer Übersetzungshilfe. Wenn ich „coworking“ in den Google Translator Englisch/Deutsch einfüge, kriege ich keine Übersetzung, nur wieder dasselbe Wort angezeigt und ein Klick auf „Anhören“ bringt mich auch nicht weiter. Es klingt ziemlich deppenhaft.

Kann es sein, dass die Autorin sich an eine Neuschöpfung der Sprache versucht hat? Fragt sich nur, welcher Sprache.

Mit einem exzellenten brathering nach guter, alter britischer Art,
empfehle ich mich
Ihr Hamburger Nachbar
Hein Hering

Hamburgs Atomkraftwerk muss zurückgebaut werden

Mit dem Rücktritt von Kanzlerin Merkel verschwindet nun ein uns altbekanntes Symbol, das schon zum Logo der deutschen Atomkraft geworden ist: Das schwarze Flügelrad auf gelben Grund. Aus mit Schwarz-Gelb. Aber eine Katastrophe kommt selten allein. Aus Hamburg sickerte durch, dass die noch in Bau befindliche Elbphilharmie noch teurer wird als bereits zum wiederholten Mal angekündigt: Wegen dem Umbau vom geheimen Atomkraftwerk zum Konzerthaus.


Aus für Schwarz-Gelb?

Hein Hering – Es hätte so schön sein können: Hamburgs erstes und eigenes Atomkraftwerk, getarnt als Konzerthaus und Hotel. Nun, nach Merkels Rücktritt von der Atomkraft, wurde fast zeitlich die erneute Verteuerung des Bauwerks bekannt. Der Grund: Das geheime Atomkraftwerk mit seiner schwingungsfrei aufgehängten Stahlbeton-Blase, die für den Atommeiler vorgesehen war, muss zurück gebaut werden. Um nicht alles noch schlimmer zu machen, entschied sich Hamburgs neue Senatsriege wohl der ursprünglichen Intention zu folgen. Die Elbphilharmonie soll tatsächlich Konzerthaus werden, aber erst in einigen Jahren. Schließlich dauert solch Umbau seine Zeit.


Noch vor der Fertigstellung der Außenfassade wurde das Atomkraftwerk getestet, was allerdings als „Licht-Kunstwerk“ der Öffentlichkeit verkauft wurde. Unterstützt wurde dieses PR-Fake mit blauen Neonröhren, die an den Baukränen installiert waren. Im Innern des Bauwerks aber war das Atomlicht gezündet.
© Foto: Harald Haack, Hamburg

Besuchern der Baustelle war vieles schon recht merkwürdig aufgefallen. Warum wurde die Stahlbeton-Blase schwingungsfrei aufgehängt? Seit den tragischen Ereignissen in Japan wissen wir es. Das Hamburger Atomkraftwerk sollte auch ein schweres Erdbeben widerstehen, und keine Flut sollte es unter Wasser setzen. Denn die Stahlbeton-Blase wurde sehr hoch über dem bisher höchsten bekannten Wasserstand der Elbe installiert. Und warum mussten die Baustellen- Besucher gelbe Strahlenschutzanzüge tragen und sich in gelben Gummistiefeln bei Führungen durch die Hafen-City die Hacken wundlaufen? Weil auf der Baustelle ein Fluch lastet? Der Fluch von Claas Störtebeker, bekannt als „Seeräuber“, den der Hamburger Senat vor einigen hundert Jahren hier auf dem Grasbrook enthaupten ließ?


Opfer von Vandalismus: Störtebeker-Denkmal in Hamburgs Hafen-City © Foto: Harald Haack, Hamburg

In Hamburg wird noch vieles ans Licht kommen müssen. Positiv: Hamburgs SPD-Fraktion will das noch von der CDU-Alleinregierung abgeschaffte Korruptionsregister für öffentliche Aufträge wieder einführen. „In Anlehnung an die Bestimmungen in Berlin sollen in diesem Register Korruptionsdelikte und andere wirtschaftskriminelle Handlungen, wie etwa wettbewerbswidrige Absprachen oder illegale Beschäftigung, erfasst werden, um sicherzustellen, dass öffentliche Aufträge nur an gewissenhafte Geschäftsleute vergeben werden“, soll laut dpa der SPD-Fraktionschef Andreas Dressel am Dienstag gesagt und einen entsprechenden Gesetzentwurf angekündigt haben. Es solle sichergestellt werden, dass schwarze Schafe keine Aufträge der öffentlichen Hand erhielten und langfristiges Ziel sei ein bundesweit geführtes Korruptionsregister.

Warum aber das Störtebeker-Denkmal mehrere Male in Hamburg seinen Standort wechseln musste, scheint wohl kein Geheimnis zu sein.

Doch was Unbekannte damit bezweckten, der Störtebeker-Statue, die mutmaßlich einen nackten Mann zeigt der lediglich bekleidet mit Stiefeln ist, die Stiefel knallgelb anzumalen, werden wohl nur jene wissen, die mit der verfluchten Baustelle zu tun haben. Schon einmal war das Denkmal Opfer von Vandalismus geworden. Reste davon sind noch auf der Brust der Statue zu erkennen.

Jasper Botters 1944-2010

Nachruf von Harald Haack

Jasper Botters ist tot. Er starb am 4. November 2010 in Hamburg unter bisher ungeklärten Umständen.

Geboren wurde er (angeblich) auf Sylt. Seine Eltern: Die Pellwormerin Grete Harmsen und der Hörnumer Fischer Hinnerk Paul Botters.

Ein Jahr nach seiner Geburt wussten sie noch keinen Namen für ihn. Kurz vor dem Ende des Kriegs aber passierte es: Auf einem Ausflug zur Vollversammlung der Nordsee-Fischer auf Helgoland gerieten sie in einen Bombenangriff. Während sie im Bunker hockten, wurde ihr Fischkutter im Bombenhagel getroffen und versank im Hafen.

Zuerst fanden sie inmitten der schrecklichen Trümmer eine Notunterkunft. Doch bald wurden sie bei Kriegsende wie alle Anderen zum Festland vertrieben.


Aus dem Fotoalbum von Jasper Botters: Klein Jasper.
© Foto: Collection Harald Haack


Im alten Helgoländer Bunker.
© Foto: Collection Harald Haack


Aus dem Fotoalbum von Jasper Botters: Hier will er mit seinen Eltern auf Helgoland gehaust haben. Historiker halten die Behauptung für falsch.
© Foto: Collection Harald Haack

Dort, in einer kleinen Cuxhavener Bücherei, fand seine Mutter eines Tages den Helgoland-Roman von Meta Schoeps, in dem die Autorin einen Helgoländer namens Jasper Botters erwähnt. So hatte der nun Verstorbene seinen Vornamen erhalten, so war er ohne sein Zutun in diese Rolle gesteckt worden.

Als Helgoland wieder frei war, folgten die Botters den Heimat-vertriebenen Insulanern zurück auf die Insel.

Der kleine Jasper half beim Wiederaufbau und markierte fleißig jeden angelandeten Baustein mit seinem Namen. So wissen viele Touristen, die Helgoland heutzutage besuchen und in den Häusern nächtigen, nicht, in welchen Schätzen sie vorübergehend wohnen. Doch jene Helgoländer, die den kleinen Jasper bei seinem Tun haben beobachten können, wissen es. Dies soll einer der Gründe mit sein, weshalb keine neuen Häuser auf der Insel gebaut werden. Obwohl die Häuser deutlich von dem bieder-langweiligen Stil der frühen Sechziger Jahre geprägt sind, will keiner sein Haus abreißen, um neu und schöner zu bauen. Schließlich verlöre jeder mit einem Abriss seinen Schatz, den Jasper Botters im Gemäuer, den vermeintlich guten Hausgeist. Und mit dem Bewusstsein alles sei seins, auch wenn es ihm nicht wirklich gehörte, wuchs er auf. Während die Kinder der Festlandsbewohner, sofern sie auf dem Land wohnten, Trecker fahren lernten, zählte Jasper Botters bald zu den geschicktesten Börteboot-Skippern Helgolands. Und eines Tages packte er sein Boot voll mit mehreren Kanistern Treibstoff. Er tuckerte nach Osten, dann nach Südosten und entdeckte die Elbe und Hamburg, wo er in St. Pauli an Land ging. Aber nun, nach seinem Tod, wächst sein Ruhm in historische Dimensionen. Eine ganze Stadt scheint voll mit seinen Spuren.


Aus dem Fotoalbum von Jasper Botters: Klein Jasper mit einem von ihm signierten Mauerstein. Historiker halten dieses Bild für eine Fälschung, weil er in jener Zeit nichts zu lachen hatte.
© Foto: Collection Harald Haack

Hinterlassen hat er uns Hinterbliebene eine Vielzahl von Farbfotografien, die aber allesamt Fälschungen sein sollen, weshalb er sie mit dem dafür empfohlenen Zeichen [M] markierte. Doch die Fälschungen sind kein Makel, zeigen sie doch – zeigt er uns – wie reich man sich fühlen kann, wenn man kreativ genug ist und seine Umwelt zu seinen Gunsten zu nutzen versteht, ohne dafür stehlen zu müssen oder ohne Geld dafür zu bezahlen. Jasper Botters macht damit Fälschungen, wie sie unter Journalisten verachtet werden, zur Kunst und seine Fotos zu Kunstobjekten. Er geht sogar weiter und breitet seinen noch nicht stattgefundenen Erfolg als Künstler als Fälschung vor unseren Augen aus. Und selbst das Ehrlichkeitszeichen [M] könnte gefälscht sein. Sicher kann man bei seinen Fotos nicht sein, denn einige scheinen gar nicht gefälscht bzw. verfälscht zu sein. Und schließlich beginnt jeder Bildtitel mit einem „Mein“. Alles seins!

Zuletzt lebte er in Hamburg-St.Pauli, wo er als Schläger bekannt war – als Schaumschläger. Er selbst aber hielt sich für einen berüchtigten Schuten-Schiffer, weil er nach Kneipenbesuchen häufig noch am Hafen vorbei wankte, um in eine leere Schute zu pinkeln. Jasper Botters war vielleicht eine maritime Legende, vielleicht aber auch nur eine Fälschung. Wer will das schon so genau wissen wollen? Immerhin halten viele ihn selbst für eine Fälschung.

In den Jahren vor seiner Geburt schreibt Meta Schoeps:
„Jasper Botters ging ins Pottchen*. Man konnte erschrecken, wenn man ihm jetzt in die Augen sah! Man konnte denken; was für ein gefährlicher Mensch das sein muss. Die über dem Nasenrücken zusammengewachsenen Brauen mochten dem Gesicht den finsteren Ausdruck verleihen. Aber es gab eine Zeit, dass die Mädchen glücklich waren, wenn seine Augen ihnen folgten, als diese Augen so froh und zärtlich blickten. Über ihrem zärtlichen Ausdruck vergaß man die drohende Wölbung. Blond waren Haar und Schnurbart und braun der Nacken, braun die starke Bruste, braun das Gesicht. Stark wie Taue waren seine Arme, und der Bestmann war er im Boot. Aber Pay Klaasen sagte, das nimmt kein gutes Ende mit ihm! „

*Im Roman „Schiff auf Strand. Ein Helgoländer Roman“ (© Husum Druck- und Verlagsgesellschaft mbH u. Co.KG, Husum – ISBN 978-3-89876-431-5) ist das eine Kneipe, in der Rum ausgeschenkt wird.

[M] Jasper Botters
Eine kleine Auswahl von manipulierten [M] Botters-Fotos, die auch als Poster verfügbar sein könnten.




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