Archiv der Kategorie 'Politik'

Pellworm neues Atommüll-Endlager?

Deutschland streitet seit fast 50 Jahren um mittlerweile mehr als 12.000 Tonnen radioaktives Material. Es soll natürlich sicher untergebracht werden. Wegen dem Standort Gorleben gab es viele Proteste, und es gab dort kaum jemanden, der für Atomkraftwerke ist, während Pellwormer frotzelten, sie seien nicht gegen Atomkraftwerke – wenn diese ein Reetdach hätten. Ihr Bekenntnis wurde erhört.

Roland von Bremen
– Umweltminister Altmaier will die Alternativen zu Gorleben ausloten. Das geht aber nur an Standorten, wo wenig Protest seitens der Bürger zu erwarten ist; beispielsweise auf der Nordsee-Insel Pellworm, wo man loten kann – wie Krabbenfischer dies in früheren Jahrhunderten taten, was heutzutage jedoch einem esotherischen Auspendeln gleich kommt.

Auf ihre Endlagertauglichkeit sollen fünf neue Standorte geprüft werden. Im Gespräch sind Alternativen in Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg und Hessen. Möglich machen solle dies das Endlagersuchgesetzes, das Altmaier am Dienstag mit den Ministerpräsidenten beschließen wolle, berichtete das Nachrichtenmagazin Der Spiegel. Etwa 100 Millionen Euro habe man für die Prüfung je Standort kalkuliert.


© Foto: Newsbattery.de

An zwei Orten sollen Erkundungsbergwerke eingerichtet werden, die je eine halbe Milliarde Euro kosten sollen. Zusätzlich 300 Millionen kämen für die Beteiligung der Öffentlichkeit an dem Verfahren und die Arbeit einer neuzuschaffenden Behörde hinzu. Gut möglich, dass die neue Behörde auf Pellworm stationiert wird, denn die Insel liegt schon jetzt unter Normal Null, nur geschützt von einem umlaufenden Deich. Und ein Erkundungsbergwerk auf der Nordsee-Insel wäre denn auch mal etwas ganz Neues auf der flachen Marscheninsel. Möglicher Standort: Am Klostermitteldeich nahe der Alten Kirche, wo ein Schatz des Seeräubers Claas Störtebeker vergraben sein könnte.


Erkundungsbergwerk auf Pellworm?
© Foto: Newsbattery.de

Seitens des Umweltministeriums gab es noch keine Bestätigung für Erkundungsbergwerk, Endlagertauglichkeit und Seeräuber-Schatz. Immerhin aber wurde zur Überwachung der Umweltradioaktivität schon mal vom Bundesamt für Strahlenschutz eine ODL-Sonde auf dem Gelände des Pellwormer Hybridkraftwerks installiert. Sie dient dort der radioaktiven Frühwarnung.

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Hickhack Integrationspolitik und schwarz-gelb-grüner Hirnkleister

Es gibt in Deutschland etliche Politiker, die Integration von Muslimen fordern und die gleichzeitig Religionsfreiheit heucheln. Als sich Ex-Bundespräsident Wulff für den Islam als Bestandteil Deutschlands aussprach, schockte er damit vor allem Christen. Als er wenig später in der Türkei ergänzte, Christen gehörten zur Türkei, entrüsteten türkische Abgeordnete. Nach Wulff wurde Joachim Gauck Bundespräsident. Er, der evangelischer Theologe ist, distanzierte sich von der Äußerung seines Vorgängers: Er könne auch jene verstehen, die den Einfluss des Islam auf Europa und Deutschland nicht erkennen könnten. Und jetzt wettert Unions-Fraktionsvize Günter Krings gegen eine Äußerung von Peer Steinbrück (SPD), der sich damit für eine Geschlechtertrennung unter Muslimen stark macht, denn die ist nun mal Bestandteil des Islam.

Katja Marie Schneewinkel - Man könnte meinen, CDU-Mann Günter Krings wolle die Zeit zurückdrehen. Eine Zeit herbeireden, als es unter Migranten nicht viele Muslime gab. Als Schwarz-Gelb noch über Integration von Muslimen in Deutschland theorisierte und deren Bereitwilligkeit dazu forderte. Als Geschlechtertrennung kein Thema war, vielleicht weil man davon ausging Muslime wollten sich den Erwartungen der christlichen Politiker unterwerfen.

Rechter Kleister schäumt in der CDU wieder auf: Getrennter Sportunterricht fördere nicht, sondern behindere die Integration muslimischer Kinder, soll laut Spiegel-Online Günter Krings gesagt haben.

Eine grundgesetzwidrige Erwartung? Wo bleibt die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreit?

Der „Bild“-Zeitung wusste dann auch die Integrationsbeauftragte der Regierung, Maria Böhme, mitzuteilen, Peer Steinbrück irre. Gemeinsames Lernen und gemeinsamer Sportunterricht förderten die Integration. Und FDP-Generalsekretär Patrick Döring heuchelte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Wir wollen Integration auf der Basis unserer Grundrechte – dazu gehört die Gleichberechtigung von Mann und Frau.“ Ja klar, und die Geschlechtertrennung ist fester und wichtiger Bestandteil des Islam.

Auch in Reihen der Grünen wird geheuchelt. Memet Kilic, Sprecher für Migrationspolitik, sagte, Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle sei Teil des Grundgesetzes. „Dies darf aber nicht auf Kosten universell gültiger Menschenrechte geschehen.“ Zu diesen gehöre die Gleichberechtigung der Geschlechter. Im Klartext: Der Islam sei in Deutschland unerwünscht – es sei denn, Muslime seien bereit ihre Religion zu verleugnen, in dem sie künftig auf die Geschlechtertrennung verzichteten.

Das Thema „Islam in Deutschland“ ist zu einer Waffe verkommen, die gegen politische Gegner eingesetzt wird. Dieser Mißbrauch behindert jede Integration.

Der neue japanische Leichtsinn

Erdbeben sind in Japan keine Seltenheit. Tsunami auch nicht. Aber offensichtlich möchte man in dem „Land der aufgehenden Sonne“ nicht darauf verzichten und schafft sich welche. Japanische Forscher haben nun eine Methode entwickelt, um Methanhydrat aus dem Meeresboden zu fördern. Mit diesen Gasvorräten könnte sich das Land aber wahrscheinlich nicht nur mit Energie versorgen, sondern auch mit neuen Katastrophen.

Harald Haack
– Japans Industrieminister Toshimitsu Motegi äußert sich zur Aussicht eine lukrative Energiequelle der Zukunft gefunden zu haben, nicht weniger euphorisch wie es seine Vorgänger taten, als sie Atomkraftwerke genehmigten. Wozu das geführt hat, weiß die Welt seit der Katastrophe von Fukushima. Inzwischen wurden fast alle Atomkraftwerke in Japan abgeschaltet – bis auf zwei.

Die Förderung von Methanhydrat-Gas aus der Tiefsee sei die erste Produktion auf experimenteller Basis in der Welt, sagt Toshimitsu Motegi. Er hoffe, dass „unser Land schnell diese Bodenschätze nutzbar machen kann“. Japan strebt die kommerzielle Nutzung für 2018 an.

Wissenschaftlicher Förderer des Projektes ist Professor Yoshido Masuda vom Forschungszentrum für Energie der Universität Tokio. Unter dem Druck neue Energiequellen zu erschließen, redet er die damit verbundenen Umweltgefahren klein.

Man führe ein „sehr strenges Monitoring“ durch, aus dem sich ablesen lässt ob es Belastungen für die Umwelt geben könnte: Man habe bereits alle Daten erhoben, wie vor der Testbohrung die Umweltbedingungen die Wasserqualität und die Artenvielfalt sind. „Wir werden diese Messungen während des Projekts fortsetzen, um zu zeigen, dass es keine Auswirkungen auf das ökologische System gibt. Mit solch konkreten Vergleichs-Daten wollen wir die Bewohner überzeugen, dass sie sich keine Sorgen machen müssen“, so Masuda.

Doch gebohrt wird im Erdbeben-gefährdeten Seegebiet des östlichen Nankai-Grabens. Dort kommt das Methanhydrat reichlich vor. Gerechnet wird mit einer Menge von 1,1 Billionen Kubikmeter Methangas. Aber eine Gefahr für Erdbeben sieht Yoshihiro Masuda nicht, der letzte Tsunami scheint aus seinem Gedächtnis gewichen zu sein, und Hideo Narita, der Chef des Methanhydrat-Forschungszentrums, sieht offensichtlich nur den Profit und freut sich über die Methode den Druck am Meeresboden für die Förderung zu nutzen. Professor Masuda, nicht minder gierig, sagt, das Thema Erdbeben sei deshalb bedeutungslos, weil man die Bohrung mit Zement stabilisieren könne.

Wozu eine solche Methode geführt hat, zeigt jedoch die Ölkatastrophe im Golf von Mexico. Es habe sich um eine komplexe Verkettung von Umständen, die „technisches Versagen, menschliche Urteile, die Konstruktion“ sowie ein Versagen der Kommunikation beträfen, hatte BP später zugeben müssen. Die vielkritisierte Ölbohrung von der Bohrinsel ‚Deepwater Horizon‘ selbst habe wahrscheinlich nicht zu dem Unfall, bei dem es zur Explosion gekommen war, beigetragen. Die anschließende Ölpest konnte mittels Einsatz von Zement nicht verhindert werden.

Offensichtlich hat Professor Masuda auch nichts von den Erdbeben im Norden Deutschlands gehört, deren Ursache inzwischen auf Erdgas-Förderung zurückgeführt wird. Dabei hatten „Experten“ der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR in Hannover zuvor noch von „uralten Schwächezonen im Gestein“ in mehr als acht Kilometer tiefe gesprochen, die aufgerissen waren und die Erdbeben verursacht hätten. Mal eben so, von ganz allein?

Ob Professor Masuda sein Gesicht verliert oder nicht, wird sich noch zeigen, denn er baut auf Sand. Die Test-Bohrungen gingen nur 200 Meter tief in den Meeresboden, der wegen seines Sandgehalts nachgiebig sei, sagt er. Aber Sand kann rutschen und hat in der Tiefsee schon etliche Tsunami ausgelöst. Doch davon will man angesichts des zu erwartenden Profits nichts wissen und vertraut auf Zement – vielleicht in der Hoffnung, dass auch unter Wasser in der Tiefsee sich der Sand mit Zement zu Beton verfestigt.

Hitler am Arsch

ZDF-Historiker Guido Knopp kann offenbar nicht ohne ihn, was die vielen unterhaltsamen, Faschismus-lastigen Sendebeiträge beweisen: Hitler und seine Helfer. Hitler in Zeitlupe, unterlegt mit Gruselmusik; Hitler als Monster. Und nicht nur von Guido Knopp produziert: Hitler und immer wieder Hitler. In den Medien, auch hier in Newsbattery und auch im Kino, in Büchern und als Hörbücher. Sogar Hitlers „Mein Kampf“ gibt es als Hörbuch inzwischen. Gibt es in Deutschland kein Entkommen vor Hitler? Die Stadt Nortorf in Schleswig-Holstein hätte jetzt endlich die Möglichkeit dazu, Hitler als Ehrenbürger zum Teufel zu schicken.

Harald Haack
– Die Stadt Nortorf mag vermutlich auch nicht ohne Hitler sein. Dort wurde ihm die Ehrenwürde noch nicht entzogen. Was andere Städte längst konnten, nämlich per Beschluss zu bestimmen, dass man den deutschen Diktator nicht mehr als Ehrenbürger will, scheint in Nortorf nicht zu funktionieren.

Seit 80 Jahren ist der Kerl dort nun schon Ehrenbürger. Bürgermeister Horst Krebs (CDU) zaudert: Muss man denn überhaupt was tun, um Hitler die Ehrenwürde zu entziehen? Genügte nicht allein dessen Tod? Bedrängt von Erich Mory, einem engagierten Nortorfer, der in der Einwohnerfragestunde den Anstoß gegeben hatte, will der Bürgermeister nun endlich prüfen lassen. Zuvor hatte Bürgermeister Krebs verkündet, es gebe keine Notwenigkeit, sich mit der Angelegenheit auseinander zu setzen, woraufhin der Bürger Mory die provokante Frage stellte, ob die Stadt statt der Aberkennung eine Feier zum 80. Jahrestag der Verleihung plane.

Ist Hitler immer noch Ehrenbürger? Krebs mahnte zur Besonnenheit. Natürlich wolle man keinen Ehrenbürger Adolf Hitler in Nortorf, verkündete er. Unterdessen fragt Erich Mory, warum es bis zu dieser Einsicht so lange gedauert hat. Schon einmal hatte die Stadt über das Thema beraten. Das war 1993. Dann wurde es vergessen. Als dann 2009 die Gemeinde Albersdorf die Ehrenbürgerwürde durch einen einstimmigen Beschluss der Gemeindevertretung entzog, hatte Krebs angekündet, die Dithmarscher über die Vorgehensweise zu befragen.

Erich Mory befürchtet jedoch, dass die Stadt erneut untätig bleiben wird: „Es gibt eine rechtliche Seite in dieser Angelegenheit und eine moralische. Hunderte von deutschen Kommunen haben es vorgemacht. Man stellt einen Antrag in der Stadtvertretung und beschließt, dass man Adolf Hitler nicht als Ehrenbürger will. Das ist ganz einfach. Man muss es nur wollen.“

Bayerische Justiz – ein Irrenhaus?

Was waren das noch für Zeiten, als das Königlich Bayerische Amtsgericht als Kultserie im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF) tagte und den Zuschauern stets noch eine „kleine Moral von der Geschicht“ mit auf den Weg gab. Etliche bayerische Volksschauspieler wirkten darin mit und schufen eine komödiantisch-skurrile und menschliche Atmosphäre. Im Januar 1972 wurde diese TV-Serie aber endgültig eingestellt. Inzwischen, so könnte man meinen, sind Politik und Justiz in Bayern von allen Guten Geistern verlassen zu einem Irrenhaus verkommen – eine vielleicht spezifisch bayerische Situation, die teilweise schon in den kurios anmutenden Geschichten der Fernsehserie des Bayerischen Rundfunks angedeutet wurde. Aus Fiktion mutierte eine schreckliche Realität.

Hans Woestler
– Vor 6 Jahren – am 8. August 2006 – stand der Ingenieur Gustl Mollath nicht vorm Amtsgericht, sondern vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Ihm wurde vorgeworfen, er habe seine Frau verprügelt und die Reifen an den Fahrzeugen verschiedener Personen, die gegen ihn tätig wurden, durchstochen zu haben. Die Reifen des Liebhabers seiner Ehefrau wurden jedoch nicht durchstochen.

Mollath hat in der Gerichtverhandlung diese Taten abgestritten – bis heute; und einen eindeutigen Beweis für die Reifenstecherei wurde in der Gerichtsverhandlung nicht erbracht. Die Frau von Gustl Mollath sagte als Zeugin, es sei möglich, dass der auf einer Videoaufzeichnung der Polizei gefilmte Reifenzerstecher ihr Mann sei. Weitere Zeugen gab es nicht.1

Was hatte Mollath wirklich getan?

Mit detaillierten Angaben hatte er 2003 die HypoVereinsbank und eine Reihe ihrer Kunden wegen über Jahre hinweg in riesigem Umfang betriebener Steuerhinterziehung durch Verschiebung von Schwarzgeld in die Schweiz angezeigt. Zugleich zeigte er seine von ihm getrennt lebende Ehefrau, die als Mitarbeiterin der HypoVereinsbank tätig war, in wiederholten Fahrten als Kurierin Schwarzgeld zur AKB-Bank, eine Tochter der HypoVereinsbank, verbracht zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth lehnte es jedoch mehrmals ab, insoweit Ermittlungen aufzunehmen. Es folgte eine Strafanzeige seiner Ex, wonach Mollath Waffen in seinem Haus gelagert habe. Ein Großaufgebot der Polizei durchsuchte Mollaths Haus, fand jedoch keine Waffen. Die Dame drohte sogar: Wenn Mollath nicht mit den Schwarzgeld-Beschuldigungen aufhöre, werde sie ihn auf seinen Geisteszustand überprüfen lassen. Und mit Urteil vom 8. August 2006 erklärte das Landgericht Nürnberg-Fürth die Angaben Mollaths (hinsichtlich der Geldverschiebungen!) als Wahnvorstellungen ab und ordnete seine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus an, weil er „gemeingefährlich“ sei, wie „verschiedene Straftaten beweisen würden“. Dabei stützte sich das Gericht auf ein psychiatrisches Gutachten des Leiters des Bezirkskrankenhauses Bayreuth. Dieses Gutachten wurde nach Aktenlage erstellt, denn Mollath verweigerte eine Untersuchung. Der ursprünglich mit dem Gutachten beauftrage Psychiater lehnte wegen Befangenheit den Auftrag ab, denn er sei Nachbar eines in der Schwarzgeldgeschichte von Mollath Beschuldigten. Ein weiterer Psychiater, zu einem Vortrag in das Bezirkskrankenhaus Bayreuth angereist, nutzte die Gelegenheit und erstellte nach der Verurteilung ein Gutachten über Mollath. Er kam erstaunlicherweise zum gleichen Ergebnis, wie auch der Leiter der Bezirksklinik.

Bittschreiben, Strafanzeigen, Sprechverbot

Vergeblich wandte sich Mollath vor dem August 2006 mit Bittschreiben und weiteren Strafanzeigen an Politiker, den Generalsstaatsanwalt und den Leiter der Staatsanwaltschaft. Aber mit Bescheid vom 1. März 2005 lehnte das bayerische Justizministerium ab, die Staatsanwaltschaft anzuweisen, der Strafanzeige von Mollath nachzugehen. Eine spätere Landtagseingabe blieb wegen der Stellungnahme des Justizministeriums erfolglos.

Seltsam war in der Hauptverhandlung, dass nicht geprüft wurde, ob die Beschuldigungen des Gustl Mollaths wegen der Schwarzgeldverschiebungen zutreffend sind; und obwohl sie ganz besonders von ihrem Ex-Mann in der Strafanzeige belastet wurde, wurde darauf verzichtet sie hierzu zu verhören. So schreibt Gustl Mollath schreibt 2006 in einem Brief: „Der Vorsitzende Richter … des Landgerichts Nürnberg-Fürth hat getobt, sobald ich auf die Schwarzgeldverschiebungen der HypoVereinsbank zu sprechen kommen wollte… – Er verbot mir das Wort und wenn ich nicht still wäre, würde er mich des Saales verweisen“. Diese Aussage wurde auch von einem am Verfahren beteiligten Schöffen bestätigt.

Zwischenzeitlich gab es psychiatrische Gutachten, die Gustl Mollath bescheinigen, er sei „völlig normal“. Psychiater des Krankenhauses, in dem Mollath seit nunmehr über 6 Jahren untergebracht ist, sagen hingegen, Mollath könne nicht entlassen werden. Er verweigere sich jeder Behandlung.

Bei einem Maßregelvollzug – also der Unterbringung in der stationären Psychiatrie – muss jährlich vom örtlichen Gericht geprüft werden, ob die Voraussetzungen für die Unterbringung noch vorliegen.

Die HypoVereinsbank allerdings wurde im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft tätig. Sie hat die Ex-Ehefrau von Mollath und andere Mitarbeiter auf Grund der zitierten Strafanzeige längst entlassen.

Blonde Behauptungen

Nach einer Sendung von Report Mainz im Dezember letzten Jahres und der darauf folgenden Berichtserstattung in Print-Medien und im Hörfunk, kam neuer Schwung in die Sache. Auch der Bayerische Landtag befasste sich mit dem Fall Mollath. In der Sitzung des Rechtsausschusses hätte geklärt werden sollen, warum die Staatsanwaltschaft seinerzeit keine Ermittlungen wegen der angezeigten Geldverschiebungen aufgenommen habe. Justizministerin Dr. Beate Merk (CSU) sagte, es sei alles in Ordnung und „in einem Rechtsstatt wird keiner willkürlich untergebracht.“ Nicht Anzeigen von Schwarzgeldverschiebungen, sondern „massive Gewalt(anwendungen) gegen seine Frau“ und Gefährdung „unbeteiligter Dritter“ hätten, weil seiner Wahnkrankheit entsprungen … zur Unterbringung Mollaths im Maßregelvollzug geführt.

Der Vorsitzende des Ausschusses – Franz Schindler (SPD), Mitglied der Richterwahlkommission und in der Fraktion verfassungs- und rechtspolitischer Sprecher – glaubte den Beteuerungen der Justizministerin Dr. Beate Merk (CSU) zur Sache und stimmte gegen seine eigene Fraktion. Dass der Gutachter und dann die Justiz primär Mollaths Reaktionen auf die Geldverschiebungen seiner Frau als Indiz seiner Krankheit werteten, verwischte die Justizministerin. Verschwiegen wurde von dieser Ministerin, dass zwei Gutachter (einer bereits 2007 – einer im Jahr 2011) das wahnhafte Geprägt sein von Mollaths Übergriffen, vor allem aber seine fortdauernde Allgemeingefährlichkeit entschieden verneinten. Die beiden psychiatrische Gutachter bescheinigen, Gustl Mollath sei „völlig normal“. Das Urteil des Landgerichts selbst kann von Landtagen weder korrigiert noch geprüft werden. Das ist auch gut so, denn die Gerichte sollen unabhängig sein.

Aber nun plötzlich ermittelte die Steuerfahndung gegen einige von Mollath in der damaligen Strafanzeige genannten Personen. Für die Steuerfahndung sind die Hinweise von Mollath offensichtlich konkret genug.

Im bayerischen Landtag wurde die Justizministerin nunmehr von einer Initiative – bestehend aus den Abgeordneten Inge Auraus (SPD), Christine Stahl (Grüne) und Florian Streibl (Freie Wähler) heftig angegriffen. Vorwurf: Sie habe im Fall Mollath dem Landtag nicht die Wahrheit gesagt. Und laut Nürnberger Nachrichten vom 31.10.2012 wird der Justizministerin Dr. Beate Merk (CSU) vorgeworfen, sie habe noch im Frühjahr von einem „Sammelsurium ohne Beweiswert gesprochen“, das Mollath vorgelegt habe, die konkreten Hinweise in diesen Unterlagen habe sie in ihrer Aufzählung „offensichtlich geflissentlich unter den Tisch fallen lassen“. Die Abgeordneten der drei Fraktionen forderten Ministerin Merk auf, „schleunigst für eine wahrheitsgemäße Aufklärung im Fall Mollath zu sorgen“. „An so viel Unfähigkeit möchte man hier kaum glauben“, so die drei Abgeordneten. „Ministerin Merk hat nichts besseres zu tun, als die Vorwürfe als „durchsichtige parteipolitische Motive“ gegen sie abzutun.

So erkennt denn Michael Kasperowitsch, Redakteur der Nürnberger Nachrichten, in seinem Kommentar vom 31.10.2012: „ Der Fall … ist eine menschliche Tragödie und offenbarte eine unerklärliche Untätigkeit der Staatsanwaltschaft …“

Auch die Menschenrechtsbeauftragte der bayerischen Landesärztekammer, Dr. med. Maria Fick, hat sich laut der Nürnberger Nachrichten zu Wort gemeldet: Man gewinne den Eindruck, hier solle jemand aus der Öffentlichkeit auf unbestimmte Zeit verschwinden, schreibt sie und stellt fest, die Würde des Nürnbergers wurde „in all den Jahren mit Aufenthalten in der Forensik mit teils Schwerverbrechern, primitiven und real psychisch kranken Menschen mit Füßen getreten“. Sein Leben sei mehr oder weniger zerstört, weil „mögliche Gefälligkeitsgutachten“ den Vorzug bekamen. „Gutachten dieser Art sind nach unserer ärztlichen Berufsordnung strafbar“.

Das einzige „Glück“ von Gustl Mollath ist, dass sich eine Unterstützergruppe seiner Sache annimmt und ihn auch betreut. Mitglieder dieser Unterstützergruppe sind unter anderem der frühere Chef der Bayerischen Steuerfahnder, ein ehemaliger Richter und ein bekannter und anerkannter Psychiater (Träger des Bundesverdienstkreuzes).

Mit dem Fall Mollath beschäftigt sich auch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Der Anwalt des 55-jährigen sieht das Grundrecht auf rechtliches Gehör und den elementaren Maßstab der Verhältnismäßigkeit grob verletzt.

Gustl Mollath hat eine eigene Webseite: http://www.gustl-for-help.de/

1. Korrektur: In der früheren Version des Artikels hatte es geheissen: „Die Frau … sagte als Zeugin, sie erkenne auf einem Video der Polizei ihren Mann…“ Newsbattery bittet um Entschuldigung für diese etwas falsche Darstellung. Richtig ist, sie hat gesagt, es sei möglich, dass es ihr Mann war, denn sie erkannt habe.

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