Archiv der Kategorie 'Nachruf'

Bombig: Steuerfahnder „klopfen“ an Türen mutmaßlicher Steuersünder

Die Presseagenturen berichten, die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ermittele im Zusammenhang mit der Schweizer Steuer-CD gegen rund 1.100 Steuerhinterzieher. Dies soll heute ein Sprecher der Behörde bestätigt haben: „Die Verdächtigen sollen Medienberichten zufolge 1,2 Milliarden Euro Steuern hinterzogen haben. Ein Informant hatte der Bundesregierung im Februar für 2,5 Millionen Euro eine CD mit den Daten von 1.500 Steuersündern angeboten.“

Harald Haack – Ich argwöhne, dass die Daten auf der ominösen CD nicht unbedingt den Tatsachen entsprechen und die Steuerfahnder demnächst auch an meine armselige Tür klopfen könnten – obwohl ich garantiert nicht zu den angeblichen Steuersündern zähle, also kein pralles Schweizer Konto besitze. Aber wenn die Steuerfahnder zu mir kämen, das wäre für mich wie ein Sechser im Lotto, wenn die mir Reichtum nachwiesen, von dem ich bisher nichts wusste und nichts hatte. Das Beste wäre, sie brächten gleich das viele Geld aus der Schweiz mit. Dann müsste ich mir nicht den Kopf zerbrechen, wie ich daran käme, so ohne Kontozugangsdaten. Und noch besser: Sie bescheinigten mir, dass es mein Geld sei. Schließlich will ich mich nicht unrechtmäßig bereichern. Also den Notar dafür auch gleich mitbringen…

Was für eine Bombe! Himmel, Arsch und Zwirn!

Lese-Empfehlung

suedeutsche.de
Steuerfahndung
Wo sind die Steuer-CDs?

Leser-Kommentar von H.W. aus dem Dorf
Und wenn diese Leute von der Steuerfahndung zu mir kommen (wissen Sie, dass ein Mensch oder eine Menschin von der Gemeinde und ein unabhängiger Zeuge dabei sein müssen?) sieht dies hoffentlich das ganze Dorf. Uhiiii – der Mann ist reich, werden dann die Dörfler sagen!
Freitag, 19. März 2010 19:36

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BLÖD: Buddel Dir Deine Meinung

Was macht ein B-Mann, wenn das Thema „Winter“ erschöpft ist? Schlag(löcher)zeilen.

Rolf Fischer - Heute in Hamburg-Wilhelmsburg: Er setzte sich eine gelbe Warnleuchte aufs Auto, griff zur Schaufel und grub auf einer Straße offensichtlich nach neuen Geschichten.

Mutmaßliche Überschrift: „Vom Winter gerissen“. Oder: „Unser schönstes Schlagloch“.

Newsbattery argwöhnt: Der Mann war fleißiger Ein-Euro-Jobber, von der B-Zeitung gesponsert, der half, ein Hamburger Winter(schlag)loch bildhaft aufzupeppen. Dazu noch in „schicker“ Sponsorenjacke. Wenn schon, denn schon!

Doch wozu benötigte er dabei ein Metermaß, eine verdreckte Radkappe, eine Farbdose und einen Fotografen, der alles so manipulierend „von ganz unten“ in Szene setzte?

Ein B-Mann von ganz unten?


© Fotos: Rolf Fischer

Deutsche Atomkraft am Abgrund

Während ein ordinärer Haufen von fanatischen Atomkraftbefürwortern unter CDU-Anhängern in Kommentaren noch versucht, das AKW Krümmel dahingehend darzustellen, die neuerliche Panne mache deutlich wie gut die Sicherheitsmechanismen funktionierten, streiten sich nicht nur in Hamburg Koalisation und Opposition über die Option des Entzugs der Betriebsgenehmigung für den Betreiber. Das Thema „AKW Krümmel“ wurde zum bundesweiten Wahlkampfthema.

Gila Akkers - Drei dunkelblaue Buchstaben sind am Haupteingang des Atomkraftwerks Krümmel zu lesen: KKK. Das erinnert unwillkürlich an den rassistischen Geheimbund in den Südstaaten der USA, den Klu-Klux-Klan, doch Vattenfall meint damit „Kern Kraftwerk Krümmel“.


© Fotos: Harald Haack

Schließlich geht’s in der Atomindustrie kernig zu. Mit der Erzeugung von Energie soll Geld gemacht werden, viel Geld, noch mehr Geld, und da Energie eine Kraft ist, darf innerhalb der Atomindustrie nicht schwächlich von der kleinsten Einheit der Materie gesprochen werden, dem Atom nämlich, sondern markig vom Kern – wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) zum Beispiel, für dem das AKW Krümmel ein Kraftwerk mit Zukunft ist.

Recht hat er, auch wenn sich an seiner platten Aussage Außenminister Steinmeier erregt und sagt, der Oettinger scheide als ernst zu nehmender Politiker aus. Ja, wurde denn der Oettinger jemals ernst genommen, wenn nicht von Steinmeier?

Was jetzt den Deutschen seitens der Politiker geboten wird, ist ein Biegen und Brechen. Für Wähler schlichtweg zum Kotzen!

Da wird einerseits behauptet, das AKW Krümmel sei unsicher. Gemessen wird dies an den Pannen, die in letzter Zeit öffentlich wurden. Dass es aber noch in jenen Zeiten, als dieses Kraftwerk zu den Hamburgischen Elektrizitätswerken gehörte, wohl weitaus schlimmere Pannen gegeben haben muss, die dann aber geheim gehalten wurden, weil sie zu gesundheitlichen Schäden unter der Bevölkerung führten, darüber erregt sich keiner unter den derzeitigen Eiferern beider Lager, der Koalisation von CDU und SPD. Wo waren sie denn, als das passierte? In Urlaub oder gerade unpässlich?

Andereseits wird seitens der CDU der letzte Vorfall herunter gespielt und das Sicherheitssystem des Kraftwerks gelobt, es habe doch alles prächtig funktioniert. Doch weshalb wurde nicht wie vorgeschrieben zuerst die Atomaufsicht – die hätte entscheiden können, ob es wieder was geheim zu halten gibt – sondern die Polizei von einem Mitarbeiter des Betriebsschutzes alarmiert? Drohte eine Katastrophe, die eine Evakuierung der Bevölkerung notwendig gemacht hätte?

Eigenartigerweise jammert Vattenfall jetzt darüber, es müsse einen Brennstab im Reaktor gegeben haben, der während der Panne beschädigt wurde. Und: So‘n bisschen Radioaktivität habe es dort gegeben, wo man es nicht wünsche.

Hätte es ausgehend von einem beschädigten Brennstab zu einer Kettenreaktion kommen können? Nun ja, Atomkraft hat doch was mit Kettenreaktion zu tun. Oder trifft das nur auf Atombomben zu?

Wie dem auch sei, dies zeigt aber: Der Reaktor hat wirklich Zukunft: Vattenfall muss jetzt nämlich alle Brennstäbe überprüfen. Und für die lange Zeit des Prüfens und Reparierens gibt es keine Atomkraft in Krümmel. Wenn das keine Zukunft ist!

Damit ist der Reaktor ein überaus unsicherer Stromerzeuger geworden. Er ist so unzuverlässig wie ein vernachlässigtes Auto, bei dem man sich fragen muss, ob der Motor beim nächsten Mal noch anspringt. Auch wenn die CDU-Banausen wiederholt von der gut funktionierenden Sicherheit des AKW Krümmel sprechen, so sollte man ihnen vorhalten, dass die von ihnen gelobte Sicherheit eine zuverlässige Stromerzeugung gefährdet. Atomkraft bleibt damit so und so unsicher: Einerseits drohen gesundheitliche Schäden, anderseits droht ein Zusammenbruch des Stromnetzes wegen des notwendigerweise hohen Sicherheitsstandards in deutschen Atomkraftwerken, englisch: „nuclear power plants“, was für deutschen Ohren so viel wie „verstrahlte Knallbuden“ klingt.

Atomkraft ist wie Radfahren – wenn man anstelle des bequemen Sattels einen heftig rotierenden Schleifstein unter dem Po hat. Der Betrieb ist schmerzhaft und die nachfolgenden Krankenhauskosten machen arm. Aber davon reden die Herren Steinmeier und Gabriel, beide SPD, nicht. Auch gibt es von ihnen keine Kritik an der unzuverlässigen Atomkraft. Sie erregen sich nur dramatisch über das angebliche Versagen der Sicherheitmechnismen von Krümmel und machen damit deutlich, dass sie genau so behämmert denken wie die Klotzköpfe der CDU.

Abwrackprämie fürs AKW Krümmel?

Die Abwrackprämien für Pkw laufen vorzeitig aus. Angeblich reiche das Geld dafür nicht mehr, behauptet BILD unter Berufung auf Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Doch nach dem verwaltungsrechtlichen Super-GAU des Energiekonzerns Vattenfall, dem Betreiber vom AKW Krümmel, scheint es als käme nun die Abwrackprämie für die Atomindustrie.

Gila Akkers – Der Atomindustrie geht es eigentlich nur ums Geld und kaum um eine für Menschen und Umwelt sichere Energieerzeugung. Dafür verschwendet sie jede Menge an Energien. Zum Beispiel den Kanzlerin-Flüsterer, Prof. Lars Göran Josefsson, Vorsitzender, Präsident und Chief Executive Officer (CEO) von Vattenfall AB, der 2006 zum Klimaschutzbeauftragten der Bundesregierung ernannt wurde und auch als „Energieberater“ von Angela Merkel gilt. Offensichtlich lässt Vattenfall ihn bei Merkel ausbrennen wie einen überhitzten und in Brand geratenen Lockenstab; und ausgerechnet Vattenfall, einer der größten Klimakiller Europas, erlaubt ihm diese schlüpfrige Nebentätigkeit. Wie kürzlich wieder bewiesen wurde, zählt Vattenfall auch zu den größten Täuschern der europäischen Energiewirtschaft.


Die „Abwrackprämie fürs AKW Krümmel“, momentan noch außerirdisch unwirklich. Doch die Merkel-Koalisation hat schon weitaus mehr Geld „notleidenden“ Reichen zugeschoben. Beim Finanzministerrat in Brüssel sagte Peer Steinbrück heute, die Bundesregierung prüfe die Möglichkeit einer direkten Unterstützung notleidender Konzerne.
© Foto [M]: Harald Haack

Der Name „Vattenfall“ ist das schwedische Wort für „Wasserfall“. Das klingt wie frisch gewaschen, doch auf ehemaligem DDR-Gebiet hat Vattenfall fünf relativ neue Braunkohlekraftwerksblöcke mit 4.340 Megawatt und 4.000 Megawatt ertüchtigte DDR-Blocks. Diese sollen mit weit über 50 Millionen Tonnen „Klimaschadgas“ CO2 im Jahr zu den katastrophalen Klimaänderungen beitragen, so der Verband „Grüne Liga“. Vattenfall wolle nicht etwa aussteigen, sondern suche weiter nach Vorräten und Standorten für neue Braunkohlekraftwerke, schimpfte der Verband 2006, was mit dem Bau des Kohlekraftwerks Moorburg in Hamburg seine Bestätigung fand. Auch dort gab es seitens Vattenfall massive Einflussnahme in die Politik. Die Grünen, die dort zusammen mit der CDU derzeit regieren, gaben den massiven Klageandrohungen nach, wichen von ihren Versprechen ab, die sie vor der Wahl gegeben hatten (sie kämpften mit Plakatsprüchen wie etwa „Kohle von Beust“) und genehmigten das Kraftwerk unter hohen Umweltauflagen, die aber inzwischen (typisch Vattenfall?) verwässert wurden.

Die Bundestagswahlen stehen wieder einmal an. Auch wenn CDU-nahe Meinungsforschungsinstitute und die Springer-Presse Kanzlerin Merkel immer noch als Beliebteste im ganzen Land preisen, der Zauberspiegel von Angela Merkel hat ihr mutmaßlich die ganze niederschlagende Wahrheit gesagt. Und dies weiß offensichtlich auch Vattenfall und versucht noch vor der Wahl als Gewinner aus dem Sumpf von Negativ-Schlagzeilen hervorzugehen.

Und dafür scheint der Konzern seinen besten Mann vorzuschicken. Doch wo so verbissen um Macht und Pfründe gekämpft wird, gibt es aufgrund des selbst geschaffenen Leistungsdrucks immer häufiger Ausrutscher. Das Schicksal verpasste dem Konzern kurz nach Josefssons Ausruf, in dem er die „Renaissance der Atomenergie“ fälschlicherweise behauptete – als übereilte Antwort auf das Vorhaben der Konkurrenten Solarkraftwerke in der Sahara zu fördern – mit dem Vorfall im AKW Krümmel eine Abfuhr.

Umweltminister Gabriel, der 2006 Vattenfalls Josefsson noch gemeinsam mit Kanzlerin Merkel lobte und behauptete, man müsse ihn und die „Interessen der Wirtschaft“ mit „ins Boot holen“, lehnt angesichts des erneuten Pannen-Komplexes vom AKW Krümmel längere Laufzeiten für schrottige Atomkraftwerke ab. Er forderte die Stromkonzerne auf, „die ältesten und problematischsten Reaktoren abzuschalten und deren Stromkontingente auf die jüngeren Anlagen zu übertragen“. Sichere AKW könnten dann länger am Netz bleiben. Er halte den Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) „für längere Laufzeiten der alten Atomreaktoren für unverantwortlich“.

Als hätte er die Debatte verschlafen, reagierte Unionsfraktionschef Volker Kauder konfus verschreckt und wies die Forderung Gabriels zurück: „So lange Kernkraftwerke sicher sind, sollen sie auch laufen können“, teilte der CDU-Politiker der Springer-Postille „Hamburger Abendblatt“ pauschal mit.

Der Fraktionschef der schleswig-holsteinischen FDP, Wolfgang Kubicki, wurde dagegen schon deutlicher. Im Gegensatz zur Bundes-FDP, die so kurz vor der Wahl schon nach der Macht geifert und sich dem Atomkurs von Kanzlerin Merkel genähert hat, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“: „Krümmel soll nicht wieder ans Netz.“

Aber wie soll man das Vattenfall schmackhaft machen? Mit einer Abwrackprämie? Ist es das, wohin der Konzern strebt? Ist damit die unglaubliche Häufung von Pannen in den Atomkraftwerken Vattenfalls zu erklären? Soll dafür das Image von Vattenfalls „bestem Mann“ befleckt werden?

Wie Vattenfall jetzt bekannt gab, werde sein AKW in Krümmel für mehere Monate ausfallen und rechnete vor, dass die Gesamtkosten für die Erneuerung der Transformatoren rund 20 Millionen Euro betragen. Unternehmenssprecherin Barbara Meyer-Bukow sagte, die Transformatoren kosteten jeweils rund acht Millionen Euro. Dazu kämen Kosten für ein neues Trafo-Haus und der Ausfall der beiden schleswig-holsteinischen Reaktoren Brunsbüttel und Krümmel koste das Unternehmen täglich rund eine Million Euro.

Ob es die Abwrackprämie für die Atomindustrie nun geben wird oder auch nicht: Bundesfinanzminister Peer Steinbrück denkt schon mal laut über die Kreditvergabe an Konzerne nach. Beim Finanzministerrat in Brüssel sagte er heute, die Bundesregierung prüfe die Möglichkeit einer direkten Unterstützung notleidender Konzerne.

Eigenartig ist, dass Vattenfall kürzlich für seine deutschen Atomkraftwerke einen neuen Personalreferenten suchte. Der scheint nach einer skandalträchtig anmutenden Suche nun gefunden. Und auf eigenen Wunsch wurde der Krümmeler Kraftwerksleiter Hans-Dieter Lucht angeblich von seinen Aufgaben entbunden. Die Anlagenleitung übernehme sein bisheriger Stellvertreter Walther Stubbe, gab Vattenfall heute bekannt.


Wie unsicher Vattenfall sogar in der deutschen Sprache ist, also nicht nur Atomkraft nicht sicher beherrscht, sondern auch das falsche Geschlechtswort (Artikel) gebraucht, demonstriert diese Google-Werbung.
Screenshot von dieser Webseite. Newsbattery hat keinen Einfluß auf den Inhalt der von Google eingeblendeten Werbung. Aber wir können veranlassen, dass hier keine Werbung mehr angezeigt wird. Das wird voraussichtlich in den nächsten Tagen realisiert werden. Doch dieser von Vattenfall erbrachte Teilbeweis der Unfähigkeit wird als Zitat weiter hier zu sehen sein. Danke Vattenfall!

Helgolands „Lange Anna“ durch Aufspülungs-Projekt in Gefahr?

Ein Hamburger Bauunternehmer träumte von Bauland zwischen der Insel Helgoland und der vorgelagerten Badedüne. Sein Vorhaben, den dortigen Gezeitenkanal mit Sand aufzufüllen, um die damit entstehende Fläche als (teuren) Baugrund zu gewinnen, werde unterstützt von der schleswig-holsteinischen Landesregierung, behauptet er. Doch auf der Insel selbst scheinen die Sanduhren derweilen immer noch auf solider Basis zu rieseln.

Hein Hering – Die Ankündigung seines Projektes schien sogar „die Toten“ unter den bislang gemütlich vor sich hin dösenden Lokalredakteuren der norddeutschen Landeszeitungen ins Leben zurück gerufen zu haben. Es klang auch ziemlich aufgebördelt, was er ihnen auftischte: Er will einen Gezeitenkanal der Nordsee, der berüchtigt ist wegen seiner heftigen Strömung, plattmachen. Mit Sand soll dies geschehen. Mal eben so aus der Elbe- und Wesermündung geholt. Und darauf will er dann Häuser bauen. Als wenn dies so einfach wäre!

Doch sein Vorhaben, mit dem er die Presse-Industrie noch begeistern konnte, scheint bei den Insulanern auf verhaltene Begeisterung zu treffen. Es ist, als hätte jemand unter ihnen in der Bibel gelesen, das angebliche Buch der Bücher.

Wer die Insel Helgoland besuchte und sich den teuflischen Verlockungen des zollfreien Einkaufs von Spirituosen und Tabakwaren ausgesetzt sah, wird wohl kaum glauben können, dass es auf der Insel Bibelkundige gibt. Aber offensichtlich gibt es sie. Vielleicht ist es auch nur Allgemeinwissen, denn schlau sind die Helgoländer zweifellos, und wer sagt denn, es gäbe keine christliche Kirche auf Helgoland, dass sie sich nicht an den Bibelspruch von Matthäus (7,26-27) erinnern: „Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heran fluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.“

Wer auf der Insel geboren wurde, auf ihr aufwuchs und nicht von ihr fortging, darf wirklich stolz auf sich sein. Er hat es geschafft, nicht nur der mörderischen Nordsee zu trotzen, sondern auch sozialen und wirtschaftlichen Zwängen. Wer jedoch die Insel verließ, weil er auf ihr nichts wurde, genießt unter den Insulanern nur Ansehen, wenn er es geschickt verstand seinen beruflichen Erfolg auf dem Festland mit seiner insularen Herkunft zu begründen. Wer sich jedoch nur nebulös auf familiäre Wurzeln beruft, die auf Helgoland liegen, der wird allgemein auf Helgoland müde belächelt.

Letzteres tat der Hamburger Bauunternehmer. Seine Beteuerung: „Ich kämpfe für die gesamte Insel – und für mich“, mag vielleicht wie Piratengeschwätz klingen – frühere Ahnen der Helgoländer sollen Seeräuber gewesen sein – doch einen echten Helgoländer Insulaner vermag er damit heutzutage nicht wirklich zu beeindrucken.

So verlockend wie das Projekt für einige Insulaner denn auch klingen mag, viele Fragen wurden noch nicht beantwortet. Schließlich geht es nicht allein darum, wer den finanziellen Nutzen von der Neuvermählung der Insel mit der Düne hat. Unverhohlen spricht der Hamburger Bauunternehmer von dem Gewinn, den er damit zu machen hofft. Doch auf der Insel geht es mehr denn je um Naturschutz und um Sicherheit, es geht es um die Beantwortung von tausend Fragen – laut Helgolands Bürgermeister Frank Botter, wie er kürzlich einem Reporter von shz.de sagte.

Darüber ärgert sich der Bauunternehmer. Er lamentiert, die Nachricht über sein gigantisches Projekt habe in jeder Zeitung gestanden, davon habe Helgoland profitiert, von überall gab es positive Signale, nur von den Helgoländern nicht. Die wollten sich das in Ruhe überlegen. Doch wenn er es realisieren sollte, dann müssten alle Insulaner „Feuer und Flamme“ sein. Schließlich würde kein Investor sich rühren, wenn es auf der Inseln niemand will; schon gar nicht in diesen „Zeiten der Finanzkrise“. Er habe schon genug Geld reingesteckt. Mehr aber sei gegenwärtig nicht mehr drin. Seine Firma mache in dieser Hinsicht nichts mehr. Nun ja, immerhin hatte er genügend Publicity.

Als wenn Helgoland Investoren wie ihn bräuchte!
Und seine Idee betrachten viele Insulaner inzwischen mit gemischten Gefühlen. Denn Helgoland befindet sich nicht inmitten der Nordsee, wie etliche Journalisten fabulierten die über die Idee schrieben, sondern an deren Rand mitten im Gezeitenstrom vor den Mündungen von Elbe und Weser. Wie heftig die Strömungen um Insel und Düne sind, beweisen Landverluste an der Düne. Die hatte 1950 noch an ihrem östlichen Ende einen Dünenkamm. Die Alten unter den Helgoländer Fischern erinnern sich noch daran. Von beiden Seiten, von Nord und Süd, brandeten die Wellen und türmten sich am Dünenkamm zu enormen Fontänen auf. Inzwischen gibt es diesen Kamm nicht mehr. Die Nordsee riss ihn weg. Ähnliches beträfe auch die Lange Anna, eine freistehende Felsnadel an der Nordspitze der Insel, dem Wahrzeichen Helgolands, wenn man die Klippen nicht mit meterhohen Schutzwänden umbaut hätte.

Forschungstaucher der Hamburger Universität berichteten Newsbattery, bei ihren gelegentlichen Tauchgängen zwischen Insel und Düne sei die Strömung so stark, dass sie stets an gestrafften Sicherungsleinen hingen. Nur mit Mühe könnten sie sich unter Wasser über Grund tasten. Wasserskifahren sei nicht viel anders. Das fände aber noch an der Wasseroberfläche statt.

Kritiker des Bauvorhabens, den Gezeitenkanal zuzuschütten, führen an, es werde negative Auswirkungen geben. Durch den Eingriff in die Strömungsverhältnisse müsse es zu einem Verlust der Strände kommen – ähnlich wie dies an Sylts südlichstem Strand geschieht. Ausgelöst durch das Tetrapoden-Querwerk, mit dem der Weststrand von Hörnum eigentlich geschützt werden sollte, führten die Veränderungen der Meeresströmumg dazu, dass seither über die Hälfte der Hörnum-Odde verloren ging.

Die Helgoländer haben also trifftige Gründe, sich das Projekt noch einmal gründlich zu überlegen. Der Kreis Pinneberg, zu dem Helgoland gehört, gab deshalb ein Regionalentwicklungskonzept in Auftrag. Finanziert wird es aber nicht von dem Bauunternehmer, sondern vom Kreis und der Gemeinde. Darin soll vor allem geklärt werden, ob die Insel denn wirklich zusätzliches Land brauche.


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SPIEGE-Online: BAUBRANCHE IN DER KRISE




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