Äppelt der Gaul durch die Medien

Keiner der Medienkollegen fragt, ob in Grillhähnchen Pferdefleisch nachgewiesen wurde und niemand scheint ein schlechtes Gewissen angesichts der notwendig gewordenen Lebensmittelvernichtungen zu haben.

Harald Haack – Es ist nicht das erste Mal, dass Lebensmittel mit Medikamenten, Chemikalien oder Krankheitskeimen vergiftet werden, womit eine illegale Entsorgung industriell hergestellter Substanzen stattzufinden scheint. Und keiner macht sich darüber Gedanken, angesichts dem Hunger in der Welt, wie und wo er dieses Thema moralisch einordnen sollte.

Kein europäischer Konsument will freiwillig Phenylbutazon, das Gift, das kürzlich in britischem Pferdefleisch ermittelt wurde, verzerren. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) spricht von einem „krassen und schlimmen Fall von Verbrauchertäuschung“ und von „hoher krimineller Energie“, als ginge es lediglich um die Erfüllung der Kennzeichnungspflicht, als müsste auf der Verpackung so was wie „Kann Pferdefleisch enthalten“ stehen und keinesfalls „Kann chemisch und biologisch“ verseucht sein. Nicht die Entdeckung des Pferdefleisches selbst ist der Skandal, obwohl gerade diese Fleischsorte besonders in Großbritannien dazu geeignet ist bei pferdeliebenden Verbrauchern Ekel zu verursachen, es ist die Ignoranz gegenüber der kriminellen Energie der Industrie Lebensmittel zu vergiften – auf dass keiner dahinter kommt. Und oftmals wollen Verbraucher wohl auch nichts davon wissen, wenn sie in Supermärkten wie doof zu Gemüse greifen, in denen Organisationen wie Greenpeace hohe Schadstoffmengen nachgewiesen hatten. Schadstoffverzehr schädigt die Gesundheit und verblödet, und verblödete Verbraucher scheinen allen Dreck zu kaufen.

Es geht schließlich nur ums Geld: Verbraucher wollen es besonders billig und Produzenten wollen möglichst viel raffen. Am häufigsten wurde Pferde-DNA jetzt in Dosen-Ravioli nachgewiesen – womit die Ravioli als „Raffioli“ eine neue Bedeutung erhalten.

Ob es irgendwo in der Welt ein hungerndes Kind gibt, das sich über eine Mahlzeit freuen würde, und keineswegs über eine 5-Euro-Spende, die im Bürokratiegestrüpp einer Hilfsorganisation versickern könnte, das interessiert niemanden angesichts der gegenwärtigen Lebensmittelvernichtungen. Aber wer mag denn hungernden Kindern in der Dritten Welt den Dreck unserer fetten europäischen Wohlstandgesellschaft anbieten? Oder geschieht dies wohlmöglich schon? Werden zur Vernichtung bestimmte Lebensmittel, in denen Pferde-DNA steckt, heimlich wie Elektroschrott, nach Afrika verschifft, wo dessen toxische Komponenten auf Müllkippen Menschen, die nach Rohstoffen suchen, krank machen? Rindfleischravioli und -tortellini zur „Vernichtung“ in Länder wie Indien, in denen das Rind heilig ist? Entwicklungshilfe à la carte? Aber keine Bange: Es ist kein Rindfleisch, sondern Pferdefleisch, und dies wurde, so dürfen wir beruhigt sein, noch nicht in Grillhähnchen nachgewiesen.

Und ich freue mich schon auf jenen Tag, an dem ich mir in Bern beim Metzger wieder leckeres, chemisch reines Pferdefleisch kaufen oder an dem ich an lauen Sommerabenden am Eichholz-Restaurant Pferdesteaks genießen kann und mit Lebensmitteln nicht mehr spekuliert wird.

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