Heiliger Stuhl wieder in aller Munde

Papst Benedikt XVI. nahm seinen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen das Satireblatt TITANIC zurück. Die jüngste Pressemitteilung vom Hanseatischen Oberlandesgericht zum Prozess Papst Benedikt XVI. gegen TITANIC-Verlag GmbH & Co. KG an die Medien war knapper als noch zwei Tage zuvor die Ankündigung zum ersten Verhandlungstermin.

Guido Bock - Von Poolbildung war da noch die Rede gewesen, d.h. ein Kamerateam, ein Fotograf, etc., die ihre Zappelbilder und Fotos den Medien zur Verfügung stellen, womit die Hamburger Justiz einen Massenauflauf der Berichterstatter hatte vermeiden wollen. Ein übliches Verfahren bei Prozessen, die auf ein reges öffentliches Interesse stoßen. Dieses Mal aber fiel mir ein Satz besonders auf: Die erste „Stuhlreihe“ sei für Journalisten reserviert, die über einen Presseausweis verfügen. Wer, bitteschön, wollte sich als Journalist im Gerichtssaal ausgeben ohne den dafür notwenigen Legitimationsnachweis? Und: Was soll man sich unter einer Stuhlreihe vorstellen? Eine Reihe von Sitzmöbeln oder eher etwas – die unappetitliche Rückseite des umstrittene TITANIC-Heftes mit dem braunen Fleck auf dem weißen Papstgewand in Erinnerung – worüber sich nicht nur der Heilige Stuhl hätte entrüsten wollen?

Jedenfalls hat die katholische Kirche nun einen Tag vor dem Prozess um das Verbot eines Papst-Titelbild die einstweilige Verfügung gegen das Satiremagazin „Titanic“ zurückgezogen. Nach eingehenden Beratungen sei der Heilige Stuhl zur Entscheidung gelangt, eine Rücknahme des Antrags auf einstweilige Verfügung gegen den Titanic Verlag zu veranlassen, hatte die Deutsche Bischofskonferenz am Donnerstag in Bonn verkündet. Zugleich werde man weitere rechtliche Maßnahmen prüfen, um Angriffen auf die Würde des Papstes und der katholischen Kirche wirksam zu begegnen.

Hatte der Heilige Stuhl eine göttliche Eingebung? Wie dem auch sei: Er ist spätestens jetzt wieder einmal mehr in aller Munde und es darf darüber diskutiert werden, ob die Entscheidung göttlich oder weise oder vielleicht sogar feige war.

Und nun was ganz anderes:
In Kummerfeld bei Pinneberg (Schleswig-Holstein) haben Unbekannte das Auto eines Rentners rundherum mit Stuhl beschmiert. Auch Türgriffe, Kühlergrill und die Außenspiegel seien mit Fäkalien besudelt worden, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Sein Fahrzeug hatte der 72-Jährige am Dienstagabend auf seinem Grundstück abgestellt. Als er am Mittwochmorgen zu seinem Auto kam, fand er die Verschmutzung. Unklar ist das Motiv für die Attacke. Der Rentner habe gegenüber der Polizei ausgesagt, sein Auto sei schon häufiger Ziel von Sachbeschädigungen gewesen.





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