Explosion im A7-Elbtunnel

Die schlechte Nachricht vorweg: Autofahrer müssen am Wochenende mit Behinderungen im Elbtunnel rechnen. Die gute Nachricht: Am vergangenen Donnerstag explodierte eine Benzin-Bombe in der 3. Röhre des Tunnels unter der Elbe.

Harald Haack – Von 20 Uhr am Samstag bis zum Nachmittag des Sonntags sollen zwei der vier Tunnelröhren gesperrt werden. Laut Tunnelbetriebsleiter Andree Poggendorf könne es am Sonntag zwischen 10 und 14 Uhr zu „leichten Verzögerungen“ kommen. Er rechne aber nicht mit langen Staus. Die Ausfahrt Othmarschen werde dann bis Herbst 2012 zeitweise gesperrt werden, sei jedoch in der Zeit zwischen 5 und 12 Uhr befahrbar. Als Grund für die Sperrungen nannte Poggendorf Nachrüstarbeiten im Sicherheitssystem des Elbtunnels der BAB 7.

Und nun die gute Nachricht: Am vergangenen Donnerstag gab es eine Explosion im Elbtunnel. Nicht erschrecken: Es handelte sich um eine Benzinbombe, aber gezündet hatte sie in Röhre drei ein Pyrotechniker, um damit eine Großübung der Feuerwehr und der Tunnelleitzentrale einzuleiten.


Eine Puppe in Stellvertreterposition für einen verletzten Autofahrer.


Viel „Rauch“ zum Üben. Ein Kameramann und sein Assistent, von dem man hier nur den „Tonpuschel“ sieht, drehte im Auftrag für die Feuerwehr und musste nicht im „Presse-Käfig“ verharren.

Andree Poggendorf hatte auf der vorausgegangenen Pressekonferenz zwar die Explosion erwähnt, aber nach der Ansage über die neuen Lautsprecher im Tunnel: „Achtung! Es beginnt jetzt die Übung!“ ging der Pyrotechniker auf die Fahrbahn, hob einen Arm und ging wieder von der Fahrbahn und drückte auf den Auslöseknopf für die Benzinbombe, die einen wunderschönen, spektakulären aussehenden Feuerball erzeugte, der zur Tunneldecke hochwuchs, und kaum einer der eingeladen und überraschten Journalisten hatte ihn fotografieren oder filmen können.

Vielleicht hatte ein NDR-Kameramann das Ereignis auf Video dokumentieren können.


Tote Hand. Tot, weil aus Holz. Hand der Übungspuppe der Feuerwehr.


Hinweistafel in Röhre 3 des A7-Elbtunnels.


Tunnelbetriebsleiter Andree Poggendorf im Gespräch mit Feuerwehrchef Klaus Maurer und Staatsrat Dr. Volker Schiek.

So wurde die Pressemeute gefrustet. Als dann Power-Hazer gestartet wurden und laut zischend Nebel in den Übungsbereich bliesen, wurde der Frust noch schlimmer. Man sah nämlich nichts mehr. Es änderte sich nicht viel, als zwei Feuerwehrmänner auf einer Trage eine Puppe aus dem Nebel trugen und den Journalisten, die hinter einer Absperrung stehen mussten, vor die Füße legten. Auch drei Darsteller, die Verletzte spielten, wirkten dann, als sie nebeneinander an der Tunnelwand saßen, wie drei hilflose Affen, die ins Blitzlichtgewitter geraten waren.

So geschah dann wieder einmal das Übliche: Aus Mangel an visuellen Sensation fotografierte und filmte man sich gegenseitig. Gut, dass dann Feuerwehr-Pressesprecher Manfred Stahl sich den anwesenden Fernsehleuten für Interviews zur Verfügung stellte.


„Star“ des Abends: Feuerwehr-Pressesprecher Manfred Stahl im Licht von Sat1 und Consorten.

Die eigentlich gute Nachricht aber ist, dass die Feuerwehr im Elbtunnel übt, wie sie Katastrophen erfolgreich bekämpfen kann. Denn was nützt die ganze neue Sicherheitstechnik im Tunnel, wenn Feuerwehrleute mit quasi zwei linken Händen in den Tunnel fahren müssen und im Ernstfall kostbare Zeit für die Rettung Verunglückter vergeudet wird! Dann ist es doch besser, wenn regelmäßig im Elbtunnel der Ernstfall simuliert wird. Auch wenn dafür wieder einmal Autofahrer damit rechnen müssen zeitweise im Stau zu geraten, schließlich geht es um deren Sicherheit.

Wenn es im Tunnel brennt, dann führen keine Ärzte oder Sanitäter in den Tunnel, sagte Pressesprecher Manfred Stahl. Das sei zu gefährlich. Feuerwehrleute übernähmen deshalb zunächst deren Aufgaben, kümmerten sich um die Erstversorgung, um die Verletzten dann zu einem der mobilen Behandlungsplätze an den Tunneleinfahrten zu bringen.

Rund 130 Feuerwehrleute haben an diesem Donnerstag im Elbtunnel wieder einmal den Ernstfall geprobt und ihre Orientierung im verqualmten Tunnel und den Umgang mit schweren Atemschutz- und Löschgeräten trainiert. Es war die Generalprobe für die dritte Tunnelröhre, die sich jetzt noch mit hellem Weiß der Wände präsentierte. Wie lange noch werden die Wände so schön strahlend weiss sein?

Trotz kleinerer Probleme seien aber die geforderten Sicherheitsstandards gut erfüllt worden, versicherte Tunnelbetriebsleiter Andree Poggendorf.

Es ist auch beachtlich, was alles in den vergangenen Monaten an neuen Sicherheitseinrichtungen investiert wurde: Neue zusätzliche Fluchttüren, Notrufnischen und Kameras. Und am Ende der Übung zeigte sich aber wie hervorragend die Belüftung der dritten Röhre funktioniert. Im Nu war der Fluid-Nebel, der Rauch simulierte, abgesaugt und fortgeblasen und die Sicht war wieder frei. Der Luftstrom war enorm. Und weil damit auch kalte Luft in den Tunnel schoss, waren wir Journalisten doch froh, dass der Shuttle-Bus, der uns in den Tunnel gebracht hatte, für die Abreise bereitstand.


Frei von Rauch: Die neue Röhre 3 vom A7-Elbtunnel.


Und das hatte man den Journalisten vorenthalten müssen, das Öffnen eines Fahrzeugs im dicht verqualmten Tunnel. Immerhin sahen wir das Wrack nach der Übung noch vom Bus aus.

© Copyright 2011-11-10 alle Fotos: Harald Haack, Newsbattery.eu





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