Archiv für November 2011

Mordsnacht und Führer bei NSU

Wer hätte das gedacht? Lachen, Häppchen und Sekt in Neckarsulm. Und ein Scheich wird ermordet, während sich „die Fachwelt mit Lobenshymnen überschlägt“ und über die „Neuerungen zum Wohle der Menschheit“ freut.

Schlimm ist nun: Jahrelang geisterte ein rechtsradikales Trio durch Deutschland und Journalisten vom Presse-Mainstream klauten rücksichtslos das Kürzel NSU, um damit dem Namen einer Mörderbande – „Nationalsozialistischer Untergrund“ – ein prägendes Kürzel zu geben. Dabei stand NSU zuvor noch als Kürzel für Neckarsulm und wurde von einem Fahrrad-, Motorrad-, Automobil- und Motorroller-Hersteller verwendet. Doch das NSU-Museum in Neckarsulm ist gewiss kein Hort rechtsradikaler Terroristen, auch wenn es dort Führer gibt und Mordsnächte geben wird.

Die NSU-Museumsführer veranstalten individuelle Führungen durch das Deutsche Zweirad- und NSU-Museum Neckarsulm. Und die Neckarsulmer bieten am 25. und 26. November 2011 jeweils um 19.30 Uhr (Einlass: 19 Uhr, Eintritt: 15 Euro im Vorverkauf) einen Wüsten-Krimi-Abend in ihrem Stadtmuseum Neckarsulm.

Anfahrt

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Explosion im A7-Elbtunnel

Die schlechte Nachricht vorweg: Autofahrer müssen am Wochenende mit Behinderungen im Elbtunnel rechnen. Die gute Nachricht: Am vergangenen Donnerstag explodierte eine Benzin-Bombe in der 3. Röhre des Tunnels unter der Elbe.

Harald Haack – Von 20 Uhr am Samstag bis zum Nachmittag des Sonntags sollen zwei der vier Tunnelröhren gesperrt werden. Laut Tunnelbetriebsleiter Andree Poggendorf könne es am Sonntag zwischen 10 und 14 Uhr zu „leichten Verzögerungen“ kommen. Er rechne aber nicht mit langen Staus. Die Ausfahrt Othmarschen werde dann bis Herbst 2012 zeitweise gesperrt werden, sei jedoch in der Zeit zwischen 5 und 12 Uhr befahrbar. Als Grund für die Sperrungen nannte Poggendorf Nachrüstarbeiten im Sicherheitssystem des Elbtunnels der BAB 7.

Und nun die gute Nachricht: Am vergangenen Donnerstag gab es eine Explosion im Elbtunnel. Nicht erschrecken: Es handelte sich um eine Benzinbombe, aber gezündet hatte sie in Röhre drei ein Pyrotechniker, um damit eine Großübung der Feuerwehr und der Tunnelleitzentrale einzuleiten.


Eine Puppe in Stellvertreterposition für einen verletzten Autofahrer.


Viel „Rauch“ zum Üben. Ein Kameramann und sein Assistent, von dem man hier nur den „Tonpuschel“ sieht, drehte im Auftrag für die Feuerwehr und musste nicht im „Presse-Käfig“ verharren.

Andree Poggendorf hatte auf der vorausgegangenen Pressekonferenz zwar die Explosion erwähnt, aber nach der Ansage über die neuen Lautsprecher im Tunnel: „Achtung! Es beginnt jetzt die Übung!“ ging der Pyrotechniker auf die Fahrbahn, hob einen Arm und ging wieder von der Fahrbahn und drückte auf den Auslöseknopf für die Benzinbombe, die einen wunderschönen, spektakulären aussehenden Feuerball erzeugte, der zur Tunneldecke hochwuchs, und kaum einer der eingeladen und überraschten Journalisten hatte ihn fotografieren oder filmen können.

Vielleicht hatte ein NDR-Kameramann das Ereignis auf Video dokumentieren können.


Tote Hand. Tot, weil aus Holz. Hand der Übungspuppe der Feuerwehr.


Hinweistafel in Röhre 3 des A7-Elbtunnels.


Tunnelbetriebsleiter Andree Poggendorf im Gespräch mit Feuerwehrchef Klaus Maurer und Staatsrat Dr. Volker Schiek.

So wurde die Pressemeute gefrustet. Als dann Power-Hazer gestartet wurden und laut zischend Nebel in den Übungsbereich bliesen, wurde der Frust noch schlimmer. Man sah nämlich nichts mehr. Es änderte sich nicht viel, als zwei Feuerwehrmänner auf einer Trage eine Puppe aus dem Nebel trugen und den Journalisten, die hinter einer Absperrung stehen mussten, vor die Füße legten. Auch drei Darsteller, die Verletzte spielten, wirkten dann, als sie nebeneinander an der Tunnelwand saßen, wie drei hilflose Affen, die ins Blitzlichtgewitter geraten waren.

So geschah dann wieder einmal das Übliche: Aus Mangel an visuellen Sensation fotografierte und filmte man sich gegenseitig. Gut, dass dann Feuerwehr-Pressesprecher Manfred Stahl sich den anwesenden Fernsehleuten für Interviews zur Verfügung stellte.


„Star“ des Abends: Feuerwehr-Pressesprecher Manfred Stahl im Licht von Sat1 und Consorten.

Die eigentlich gute Nachricht aber ist, dass die Feuerwehr im Elbtunnel übt, wie sie Katastrophen erfolgreich bekämpfen kann. Denn was nützt die ganze neue Sicherheitstechnik im Tunnel, wenn Feuerwehrleute mit quasi zwei linken Händen in den Tunnel fahren müssen und im Ernstfall kostbare Zeit für die Rettung Verunglückter vergeudet wird! Dann ist es doch besser, wenn regelmäßig im Elbtunnel der Ernstfall simuliert wird. Auch wenn dafür wieder einmal Autofahrer damit rechnen müssen zeitweise im Stau zu geraten, schließlich geht es um deren Sicherheit.

Wenn es im Tunnel brennt, dann führen keine Ärzte oder Sanitäter in den Tunnel, sagte Pressesprecher Manfred Stahl. Das sei zu gefährlich. Feuerwehrleute übernähmen deshalb zunächst deren Aufgaben, kümmerten sich um die Erstversorgung, um die Verletzten dann zu einem der mobilen Behandlungsplätze an den Tunneleinfahrten zu bringen.

Rund 130 Feuerwehrleute haben an diesem Donnerstag im Elbtunnel wieder einmal den Ernstfall geprobt und ihre Orientierung im verqualmten Tunnel und den Umgang mit schweren Atemschutz- und Löschgeräten trainiert. Es war die Generalprobe für die dritte Tunnelröhre, die sich jetzt noch mit hellem Weiß der Wände präsentierte. Wie lange noch werden die Wände so schön strahlend weiss sein?

Trotz kleinerer Probleme seien aber die geforderten Sicherheitsstandards gut erfüllt worden, versicherte Tunnelbetriebsleiter Andree Poggendorf.

Es ist auch beachtlich, was alles in den vergangenen Monaten an neuen Sicherheitseinrichtungen investiert wurde: Neue zusätzliche Fluchttüren, Notrufnischen und Kameras. Und am Ende der Übung zeigte sich aber wie hervorragend die Belüftung der dritten Röhre funktioniert. Im Nu war der Fluid-Nebel, der Rauch simulierte, abgesaugt und fortgeblasen und die Sicht war wieder frei. Der Luftstrom war enorm. Und weil damit auch kalte Luft in den Tunnel schoss, waren wir Journalisten doch froh, dass der Shuttle-Bus, der uns in den Tunnel gebracht hatte, für die Abreise bereitstand.


Frei von Rauch: Die neue Röhre 3 vom A7-Elbtunnel.


Und das hatte man den Journalisten vorenthalten müssen, das Öffnen eines Fahrzeugs im dicht verqualmten Tunnel. Immerhin sahen wir das Wrack nach der Übung noch vom Bus aus.

© Copyright 2011-11-10 alle Fotos: Harald Haack, Newsbattery.eu

Die nackte Kanone G20: Sarkozimatie ersetzt Diplomatie

Nicolas Sarkozy war schon immer ein Freund feuriger Worte, was einst in Frankreich Brandstifter unter jugendlichen Migranten mobilisiert hatte. Das Abfackeln von Autos wurde zur bitterbösen Mode und fand auch in anderen Ländern Nachahmer. Nun aber erleben wir erneut das Entfachen eines alten Flächenbrandes. Auf dem G20-Gipfel schimpfte Nicolas Sarkosy gegenüber US-Präsident Barack Obama über seinen israelischen Kollegen Benjamin Netanjahu und bekannte, er könne ihn nicht ausstehen, er sei ein Lügner.

Harald Haack - Es sei „nur eine kleine technische Panne“ gewesen, schreibt SPIEGEL-Online und beruft sich auf die Nachrichtenagentur Reuters, die sich auf die französische Zeitung „Le Parisien“ bezieht und die wiederum auf die Website „Arrêt sur images“. Und die beschriebene Szene hätten Jim Abrahams und Jerry Zucker in ihren Kino-Komödien „Die nackte Kanone“ nicht peinlicher darstellen können: US-Präsident Barack Obama und Frankreichs Premier Nicolas Sarkozy gingen aber nicht wie der tollpatschige Lieutenant Frank Drebin, gespielt in den Filmen von Leslie Nielsen, zum Pissoir und vergaßen ihr Funkmikrofon, was Pinkelgeräusch und Gesang mitten in die Rede der Bürgermeisterin Los Angeles übertrug, sondern sie unterhielten sich in einem „Nebenraum“ und nutzten die drahtlose Technik zur Verständigung. Dienstbeflissen übersetzten die in Kabinen hockenden Dolmetscher ihre Worte – und die in der Nähe auf eine Pressekonferenz wartenden Journalisten, schon ausgestattet mit verteilten Übersetzungskopfhörern, konnten angeblich alles mithören.


Kommunikation in einem Nebenraum
© cartoon: IKKANOOR

Es sei nicht bekannt, schreibt SPIEGEL-Online, „in welchem Punkt Sarkozy Netanjahu genau der Lüge bezichtigt.“ Aber Obama soll darauf geantwortet haben: „Du bist ihn leid, aber ich habe jeden Tag mit ihm zu tun!“ Der wenig schmeichelhaften Einschätzung sei eine kritische Aussage Obamas vorausgegangen, so SPIEGEL Online.

Nachrichtenmagazin SPIEGEL eröffnet neue Zentrale in der HafenCity

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat die Entscheidung des „Spiegel“ begrüßt, seine Zentralredaktion weiterhin in Hamburg zu halten. „Der „Spiegel“ und Hamburg gehören zusammen. Für die Medienmetropole Hamburg, die ja vor allem auch eine Pressestadt ist, ist das eine großartige Nachricht: Der „Spiegel“ hat ein neues Zuhause in seiner Heimatstadt“, sagte Scholz am Montagabend bei der Eröffnung des neuen „Spiegel“-Gebäudes an der Ericus-Spitze. Scholz sieht die Medienmetropole Hamburg durch die „Spiegel“-Entscheidung gestärkt: „Das Herz des kritischen, unabhängigen und innovativen Journalismus schlägt weiterhin in Hamburg.“

Senatsprecher Christoph Holstein – Scholz nannte die Entscheidung für das neue Haus und damit für Hamburg eine kluge Standortentscheidung und eine ebenso kluge Entscheidung für ein bestimmtes Verständnis von Journalismus. „Für den Journalismus ist es gut, wenn er auf Distanz bleibt. Und das geht im hanseatisch-seriösen Hamburg eben doch ein bisschen besser als anderswo. Die Hauptredaktion jedenfalls wahrt von hier aus weiterhin den gebührenden Abstand von den Irrungen und Wirrungen des Regierungssitzes Berlin“, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister.

Wer sich orientieren wolle, brauche Überblick – „und den hat man nicht, wenn man mittendrin steckt. Dazu muss man auch mal einen Schritt zurücktreten können, um das Große und Ganze sehen zu können.

Genau diese Fähigkeit zum distanzierten, manchmal auch analytisch kühlen Blick auf die Dinge hat Hamburg ursprünglich zur führenden Pressemetropole in Deutschland gemacht. Es stimmt bis heute: Hier werden die Zeitläufte nicht bloß atemlos beschrieben, hier werden Sie in Ruhe analysiert und eingeordnet. Hier ist der Qualitätsjournalismus zuhause.“

Diesen Text erhielt Newsbattery vorab mit dem Vermerk „+++ bitte Sperrfrist 19.00 Uhr beachten +++“.


Der gestrige Nebel unterstütze noch das Konzept der Beleuchter das neue Bürogebäude, in dem das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL u.a. Redaktionen des Spiegel-Verlags gezogen sind, glänzen zu lassen. Heute blieb der Nebel aus. Dafür floß er aus Flaschen über Gläser in die Kehlen der geladenen Gäste der Einweihungfeier, die freudig strahlen durften.
© Foto: Newsbattery.eu




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