Mega-Tragödie für Polen

Heute gegen 10:56 Uhr Ortszeit (06:56 UTC) in Petschjorsk (in Nähe der russischen Stadt Smolensk) starb Polens politische Elite bei einem Flugzeugabsturz. Unter den Passagieren war auch der polnische Präsident Lech Kaczynski. Obwohl es genau genommen zum Zeitpunkt der ersten Meldungen noch keine offizielle Bestätigung für seinen Tod gab, wurde er schon von Nachrichtenagenturen für tot erklärt. Doch laut Polskaweb News gebe es unbestätigte Meldungen nach denen drei Passagiere den Absturz überlebt haben könnten. Wieder einmal scheint die (fromme polnische) Hoffnung zuletzt zu sterben.

Harald Haack – Die Nachrichten vom Flugzeugabsturz bei Smolensk wirken übervoreilt und teilweise seltsam und haben damit eigentlich alles, um neue Verschwörungstheorien entstehen zu lassen. Immerhin hat die Tragödie einen historischen Hintergrund.

Die polnischen Politiker wollten nämlich zu einer Gedenkfeier für die Ermordung polnischer Soldaten im russischen Katyn vor siebzig Jahren. Damals, im April und Mai 1940, hatte Josef W. Stalin, der aus Georgien stammende Bankräuber (25. Juni 1907 in Tiflis) und sowjetische Diktator, nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Polen (auf Grundlage des Hitler-Stalin-Paktes) in Katyn an die viertausend polnische Offiziere und Beamte, Priester und andere vermeintliche Gegner mit Genickschüssen hinrichten lassen, weitere in Tywer und anderswo. Insgesamt mehr als zwanzigtausend (20.000) Polen wurden Opfer dieser Verbrechen, die die Sowjets jahrzehntelang dem Nazi-Deutschland anlasteten. Nach dem Zerfall der Sowjetunion gab Russland die Täterschaft des stalinistischen Geheimdienstes zu.

Die Sowjetunion existiert offiziell nicht mehr. Doch Russland ist weiterhin von dem Personenkult um Stalin durchwachsen. Und Feindseligkeiten zwischen Russen und Polen existieren damit immer noch – wenn auch nicht auf oberster politischer Ebene, um so mehr aber unter den Bürgern. Und wenn nun, wie geschehen, gleich ein Flugzeug voller polnischer VIPs auf russischem Boden zerschellt und verbrennt, bleibt das Unbehagen, dass sich mehr als nur Nebel, schlechte Sicht, ein Pannenflieger und Pilotenfehler hinter der Tragödie verbergen könnten.


Video: Reuters / YouTube

Die Süddeutsche Zeitung (SZ) spekuliert offensichtlich damit, dass Kaczynski dem Piloten trotz des Fluglotsen-Rates wegen der schlechten Sichtverhältnisse nach Minsk in Weißrussland auszuweichen, die Landung befohlen haben könnte: „Ein Luftfahrtexperte von der Technischen Hochschule in Breslau, Tomasz Szulc, sagte, dem Piloten habe wahrscheinlich die „nötige Durchsetzungsfähigkeit“ gefehlt. Er erinnerte an einen Zwischenfall vom Sommer 2008. Damals hatte sich ein Pilot wegen akuter Gefahrenlage über die Order des Präsidenten, direkt nach Georgien zu fliegen, hinweggesetzt und war in einem Nachbarland gelandet. Lech Kaczynski musste mit einem Auto nach Tiflis chauffiert werden. Das Staatsoberhaupt warf dem Piloten damals Befehlsverweigerung vor.“

Die Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtete inzwischen unter Berufung auf Sicherheitskräfte am Unglücksort, Kaczynskis Leiche sei wenige Stunden nach dem Absturz geborgen worden sein. Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin, der die Untersuchung leiten soll, habe angeordnet Kaczynskis Leiche und die der anderen Absturzopfer zur Identifikation nach Moskau zu bringen.





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