Ein „Raumschiff“ in Hamburg

Es ist ein Koloss von Frachtschiff: Die „Rickmers New Orleans“, 2007 durch eine Raumfahrtmission „geadelt“, passierte gestern Nachmittag in Hamburg die Rethehubbrücke. Hein Hering war dabei.

Hein Hering
– Ein prachtvolles Wetterchen herrschte gestern Nachmittag im Hamburger Hafen, zwar mit einer etwas steifen, kalten Brise, aber doch eben schön sonnig, so dass man es aushalten konnte. Als ich von Süden kommend mit meinem Wagen die Brücke überquerte, wunderte ich mich wegen der Hobbyfotografen, die mit angespannter Miene und schußbereiter Kamera hektisch umher liefen. Ja, das schöne Wetter!

Aber ich kramte in aller Gemütsruhe meine Canon EOS 5D Mark II aus meiner grünen Anglertasche (die gab es für 12 Euro bei einem Discounter und so ohne Angelhaken und Würmer ist sie eine wunderbare Kameratasche) und stellte das Sachtler-Filmstativ auf. Dann spazierte ich auf die Brücke und machte ein paar Fotos mit totaler Schärfentiefe.


Teile der Rethehubbrücke im Hamburger Hafen. Links am Bildrand: Der Greenpeace-Bunker. Dieses Foto ist ein „Deep Focus Range“ (DFR)
© Foto: Hein Hering

Für jedes Sujet machte ich circa 25 bis 30 Fotos mit jeweils einer anderen Focussierung, von ganz vorne bis nach ganz hinten, damit mir dann zu Hause die Software Helicon Focus ein DFR-Foto (Deep Focus Range) berechnet, das von vorne bis hinten scharf ist – und dies bei nur mittlerer Blende. Ich hätte auch eine ganz kleine Blende wählen können – die klassische Methode, um eine hohe Schärfentiefe zu erzielen. Doch je kleiner die Blende, desto unschärfer wird als Folge der Lichtstreuung das Foto insgesamt. Die knackige Schärfe, die ein Objektiv bei mittlerer Blende liefert, ist damit nicht machbar, auch nicht bei Verwendung eines Weitwinkelobjektivs.

Helicon aber hat die Software genau genommen für Makro- und Mikrofotos (Mikroskopaufnahmen) konzipiert, für unbewegliche Objekte. Im Forum des Herstellers zeigt ein User ein Mikrofoto, für das er 99 (!) Fotos benötigt hatte. Da staunte sogar Helicon.


Von ganz nah bis zum fernen Hintergrund alles scharf dank 27 Fotos und der Software Helicon Focus, die bedingt auch für Landschaftsaufnahmen geeignet ist.
Fotos: © Hein Hering


Das gleiche Motiv dreidimensional, aber nur mit einer speziellen 3D-Brille in den Farben Rot (linkes Auge) und Cyan (rechts Auge). Die Kinofilmbrillen, die es gegenwärtig für DVD-Filme gibt, sind dafür leider nicht geeignet da sie Gläser bzw. Folien in den Farben Grün und Magenta haben.
Foto: © Hein Hering

Und weil ich schon mal auf der Rethehubbrücke bei einem solch herrlichen Licht war, machte ich gleich ein paar Stereo-Fotos: Das Motiv angepeilt, auf den Auslöser gedrückt, eine geringe Verlagerung der Kamera nach rechts, und noch einmal Klick. Aus den beiden freihand gemacht Aufnahmen zaubert die Software Zoner Photo Studio 11 3D-Fotos.

Als ich die Brücke überquert hatte und am südlichen Ufer stand, bemerkte ich einen Fotografen. Er stand abseits der Straße und hielt eine kleine digitale Fuji-Knipse in den Händen. Plötzlich rief er: „Jetzt geht’s los!“ Was geht hier los? „Die Rickmers kommt“" antworte er. Die Rickmers? Prompt sah ich vor meinem geistigen Auge die Dreimastbark „Rickmers Rickmers“, die auf Dauer an den Landbrücken in St. Pauli festgemacht hat. Die „SS Rickmers Rickmers“ hier an der Rethe? Nein, natürlich nicht. Bald schon sah ich was der Mann gemeint hatte: Die „MS Rickmers New Orleans“.

Als ich meine Kamera aufgestellt hatte, fragte ich ihn: „Bleibst Du da stehen?“
„Wieso?“ wollte er wissen.
„Och, Du bildest einen guten Vordergrund…“, antworte ich.
„Nö, ich gehe gleich auf die andere Seite der Straße. Da kriege ich das Schiff besser im Licht und wie es unter der Brücke ist“, sagte er und schwuppdiwupp, schon war er über die Straße geeilt.
Macht nix! Brücke und Schiff sind auch ohne Mensch im Vordergrund gut.

Majestetisch langsam näherte sich die Rickmers New Orlans der Rethehubbrücke und zwar rückwärts, gezogen von einem Schlepper und begleitet von Schwärmen aufgeregter Möwen. 2007 war dieses Schiff auf Raumfahrtmission. Warum? Nun, das erkläre ich in dem HD-Video. Wer eine schnelle DSL-Verbindung hat, sollte unbedingt auf „HD“ klicken, um in den Genuss der vollen Videoauflösung und Schärfe zu kommen.

Kaum hatte das große Schiff die Rehtehubbrücke passiert, war er auch wieder da, der Mann mit der Fuji-Fotokamera: Rolf F. Seine Fotos zeigt er unter seinem Nikname rfseevetal.

HD-Video von Hein Hering:


Wem das Video hier unter Newsbattery zu klein ist, der kriegt es größer direkt bei YouTube. Mit einem Doppelklick ins Video geht’s dort hin. Da gibt es dann auch zusätzlich den Vollbildmodus.





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