Schweizer Kulturskandal: Protest aus Deutschland

Henning Molfenter, Geschäftsführer der Studio Babelsberg Motion Pictures und Koproduzent der Roman-Polanski-Filme „Der Pianist“ und „The Ghost“, protestiert gegen die Verhaftung von Roman Polanski in Zürich. Er könne unmöglich als Jury Mitglied für das Zürich Film Festival begutachten, während der Starregisseur in der gleichen Stadt im Gefängnis sitze.

Harald Haack - Am Samstag war Polanski war in der Schweiz verhaftet und auf der Basis eines US-Haftbefehls in provisorische Auslieferungshaft genommen worden. Hintergrund ist ein seit den 70er Jahren anhängiges Verfahren wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen.

Der Vorstand der Studio Babelsberg AG, Christoph Fisser, fordert die sofortige Freilassung von Polanski. In Potsdam sei man entsetzt, dass eine öffentliche Kulturveranstaltung für eine Polizeiaktion dieser Art ausgenutzt werde, sagte er. Es müsse schnellstmöglich eine Lösung gefunden werden.

In der Schweiz äußerten sich Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf und Kulturminister Pascal Couchepin zur „Affäre Polanski“, es habe seitens der USA keinen Druck gegeben. Doch wie 20-Minuten-Online schreibt, sind der Festnahme von Roman Polanski in Zürich genaue Informationen der US-Justizbehörden vorausgegangen: „Die Polizei von Los Angeles und eine für Flüchtige zuständige Task Force der US-Bundespolizei U.S. Marshals hätten in der vergangenen Woche Informationen zusammengestellt, dass Polanski von Frankreich über Wien zum Filmfestival in die Schweiz reise, so U.S.-Marshals-Sprecher Jeff Carter. Der provisorische Haftbefehl wegen den Vergewaltigungsvorwürfen aus dem Jahre 1977 sei am vergangenen Donnerstag ausgestellt worden.“

In Bern versuchten Widmer-Schlumpf und Couchepin vor den Medien die Verhaftung von Polanski von der politischen Ebene herunter zu schieben. Sie erklärten, es ginge nicht um eine politische Frage. Und Couchepin fügte hinzu, es sei eine rechtliche Frage und keine Kulturfrage. Widmer-Schlumpf sagte nach der Pressekonferenz: „Wir finden in der Schweiz, dass das Recht durchgesetzt werden soll.“ Die Verhaftung Polanskis sei rechtsstaatlich der einzig mögliche Weg dazu gewesen. Es habe ein internationaler Haftbefehl vorgelegen, der nun umgesetzt wurde.

Ob die sture Schweizer Bürokratie sich weiterhin beste Schulnoten von US-Seite einhandelt und Polanski tatsächlich an die USA ausliefern kann, soll nach Angaben des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements funktionieren, wenn das Auslieferungsverfahren rechtskräftig abgeschlossen sei. Sowohl der Auslieferungshaftbefehl als auch ein allfälliger Auslieferungsentscheid könnten beim Bundesstrafgericht angefochten werden. Und da kämen dann wieder Politiker wie der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy und seine polnischer Kollege Lech Kaczynski ins Spiel. Werden sie sich abweisen lassen mit der Behauptung, Polanskis Verhaftung und drohende Auslieferung sei keine politische Frage?

Derweilen scheint die deutsche Regierung noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass sie bereit wäre, sich für eine Freilassung von Roman Polanski einzusetzen. Kanzlerin Merkel hat schließlich keine „Affäre Polanski“.





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