Archiv für August 2009

Club der alten Männer: Die mutmaßlichen Halunken der „Arctic Sea“

Eben noch die „Arctic Sea“ entführt, heute Abend schon vorm Moskauer Untersuchungsgericht. Die mutmaßlichen Entführer russischer Seeleute sind, wenn die Angaben von Life.ru stimmen, ein internationaler Haufen alter Männer im Alter zwischen 64 und 78 Jahren.

Gila Akkers – Am frühen Morgen brachte man sie aus dem Llefortovskoy-Gefängnis ins Gericht vom Basmannyj District vor dem Untersuchungsrichter. Vier Männer wurden festgenommen. Die Untersuchung über die Untersuchungshaft der restlichen vier Piraten, die den Frachter „Arctic Sea“ gekapert hatten, soll gegenwärtig noch nicht abgeschlossen sein. Ihnen werden Organisiertes Verbrechen und Piraterie zur Last gelegt. Offen scheint noch, da das Schiff unter maltesischer Flagge fuhr, ob die Verhafteten der maltesischen Gerichtsbarkeit überstellt werden. Jedenfalls fordern dies ihre Anwälte.


Einer der Verhafteten. Ihr relativ frisches Aussehen widerspricht den Angaben über ihr Alter.
© Foto: LIFE.ru

Der Entführung russischer Matrosen und der Piraterie verdächtig werden:

1. Dmitry Bartenev, 67 Jahre, geboren in der Stadt Tallinn, Russe, lebte in Tallinn (verhaftet);

2. Alexey B. Boulet, 76 Jahre, staatenlos (verhaftet);

3. Savins Dmitris, 74 Jahre, staatenlos;

4. Mironov Evgeny, 78 Jahre, Este (verhaftet);

5. Igor Borisov, 64 Jahre, Este (verhaftet);

6. Andrey Lunev, 65 Jahre, Bürger der Russischen Föderation;

7. Lepin Vitaly, 71 Jahre, Lette;

8. Andryushkin Alex, Alter und Staatsbürgerschaft noch unbekannt.

Die Altersangaben seitens Life.ru scheinen mir ziemlich obscur zu sein (wörtlich: „67 Jahre nach Geburt“ für Dmitry Bartenev). Reuters schreibt über den Angeklagten Dmitry Bartenev, er sei 41 Jahre alt und ein arbeitsloser Russe, der in Estland zu Hause sei. In Handschellen habe man ihn durch das Gericht zum Vernehmungszimmer gezogen und verhaftet. Mit gesenktem Kopf soll er gesagt haben, für die Lösung des maritimen Geheimnises sei nicht das Gericht in Russland zuständig. Ein russisches Gericht habe nicht das Recht für diesen Fall: „Die angebliche illegale Handlung passierte in schwedischen Gewässern auf einem Schiff unter maltesischer Flagge.“

Vorherige Artikel von Gila Akkers zum Thema:


Die „Juwelen“ der „Arctic Sea“

Waren die Entführer auf dem falschen „Dampfer“?
Mannschaft der „Arctic Sea“ an Bord eines russischen Kriegsschiffes
Ahoi! Das Schiff der vielen Dementis

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Die „Juwelen“ der „Arctic Sea“

Wie Waffenschieber sehen sie nicht gerade aus, sondern eher wie ein wild zusammengewürfelter Haufen russischer Kleinkrimineller, die stets gut gegessen und getrunken hatten. Das russische Fernsehen zeigte erste Bilder von der Festnahme und der Ankunft aller Beteiligten des medialen Action-Thrillers namens „Arctic Sea“ in Moskau.

Gila Akkers – Russlands NATO-Botschafter Dmitri Rogosin bezeichnete Spekulation angeblicher Militärexperten über Marschflugkörper für den Iran, die unter der Holzladung des maltesischen Frachters versteckt gewesen sein könnten, als „lächerlich“. Dies sei Fantasie.

Doch wer mag den russischen Dementis noch glauben, zumal bereits zugegeben wurde, dass das russische Militär die Medien mit Falschinformation absichtlich zu blenden versucht hatte? Aber vielleicht stimmt es: Der Einsatz der russischen Schwarzmeerflotte erfolgte nur wegen der russischen Mannschaft des gekaperten Schiffes. Für sie hatte Russland so viel Aufwand betrieben, wie Rogosin erklärte und einräumte, dass diese Aufbietung der Schwarzmeerflotte doch recht ungewöhnlich war. Wann, außer in kitschigen Propagandafilmen, hatte es eine solche Fürsorge der Russen für irgendwelche Seeleute gegeben?

Galt diesen Männern der Überfall? Waren sie die „Juwelen“, um die es den Piraten und letztendlich auch ihren Befreiern ging? Waren sie mit einer geheimen Mission seitens des Glawnoje Raswedywatelnoje Uprawlenije (GRU), der Hauptverwaltung für Aufklärung beim Generalstab der Streitkräfte der Russischen Föderation, beauftragt? Träfe dies zu, so wäre dies eine Erklärung für deren Abschottung zu Angehörigen und sonstigen Außenstehenden. Sämtliche angebliche Angehörige, die bisher in den Medien dargeboten wurden, könnten als Marionetten des (GRU), zum Vertuschen agiert haben. Ungewöhnlich ist zudem, dass über die Tätigkeit des „russischen Geheimdienstes“ berichtet werden kann. Der habe den Verdacht, so weiß angeblich das Internetportal Life.ru, Besatzungsmitglieder hätten sich an der Entführung des Schiffes beteiligt. In Lefortowo, dem früheren KBG-Gefängnis, sollen die Vernehmungen am Donnerstag bis tief in die Nacht gedauert haben und seien am Freitag fortgesetzt worden, wie es heißt.


Vorher: Wer ist wer? Gut oder Böse? Besatzungsmitglied oder Besetzer der „Arctic Sea“?

Nachher: Ankunft auf einem Moskauer Militärflugplatz.


Ohne Fesselung werden die Männer unsanft abgeführt.


Die Arme auf dem Rücken gebunden wurde er mittels Schlauchboot vom Frachter geholt.

Update vom 21. August 2009, 18.40 Uhr:


LIFE.ru zeigt Fotos und und ein Video „der Matrosen und der Piraten“ beim Eintreffen und beim Verhör in einem Büro „des militärischen Teils“ des FSB RF. Der Geheimdienst scheint entweder machtlos gegenüber den Paparazzis zu sein oder aber er arrangierte bzw. ermöglichte diese Show.

Vorherige Artikel von Gila Akkers zum Thema:

Waren die Entführer auf dem falschen „Dampfer“?
Mannschaft der „Arctic Sea“ an Bord eines russischen Kriegsschiffes
Ahoi! Das Schiff der vielen Dementis

Waren die Entführer auf dem falschen „Dampfer“?

War der Überfall auf den Frachter „Arctic Sea“ eine Verwechslung? Handelten die mutmaßlichen acht Angreifer im Auftrag und hatten das Schiff mit einem ähnlich aussehenden Frachter ähnlichen Namens verwechselt?

Gila Akkers - Wie die russische Nachrichtenagentur RIA Novesti meldet, haben die Entführer des unter maltesischer Flagge fahrenden 4000-Tonnen-Schiffs „Arctic Sea“ laut russischem Verteidigungsministerium tatsächlich Lösegeld gefordert und andernfalls mit einer Sprengung des Schiffes gedroht. Ein Ministeriumssprecher habe mitgeteilt, dass die Matrosen des russischen Küstenschutzschiffes „Ladny“ bei der Durchsuchung der „Arctic Sea“ mehrere Beweise fanden: Ein Schnellschlauchboot; Ausrüstung, um an Bord zu klettern; und Sprengstoff. Gegenwärtig verhöre man die Seeleute und die acht mutmaßlichen Angreifer weiter. Wann die Besatzung des Frachters nach Russland zurückkehrt, sagte der Sprecher nicht.

Erste Befragungen der Besatzung sollen ergeben haben, dass die Entführer bewaffnet waren. Nachdem das russische Küstenschutzschiff „Ladny“ befohlen hatte die „Arctic Sea“ zum Stehen zu bringen, hätten sie aber ihre Waffen über Bord geworfen. Wohin das Schiff mit seiner Ladung jetzt gebracht wird, darüber machte RIA Novesti keine Angaben. Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow hatte gestern gesagt, ein Schnellboot mit vier Esten, zwei Letten und zwei Russen habe am 24. Juli in schwedischen Hoheitsgewässern an der „Arctic Sea“ angelegt: „Unter dem Vorwand, dass ihr Boot kaputt sei, stiegen diese Personen an Bord der ‚Arctic Sea’ und zwangen die Besatzung unter Androhung von Waffengewalt die Navigationsanlagen abzuschalten und in Richtung Afrika zu fahren.“ Doch waren sie vermutlich auf dem falschen „Dampfer“?


Hatten die Entführer der „Arctic Sea“ den Auftrag gehabt den unter liberianischer Flagge fahrenden Frachter „Arctic Sky“ zu kapern? Liberia, ein Staat in Westafrika, exisiert südlich der Kapverdischen Inseln.
© Foto: Google-Earth / Newsbattery

Am Montag hatte der russische NATO-Botschafter Dmitri Rogosin laut der Nachrichtenagentur ITAR-Tass gesagt, die Medien hätten als Verschleierungstaktik absichtlich Falschinformationen erhalten. Hatten zuvor die Entführer von ihren mutmaßlichen Auftraggebern ebenfalls versehentlich oder absichtlich falsche bzw. unzureichende Information erhalten? Oder waren sie schlichtweg zu dumm gewesen das richtige Schiff zu finden?


Kam von Riga. Position der „Arctic Sky“

In dem Zeitraum, als die „Arctic Sea“ in der Ostsee gekapert wurde, war der unter liberianischer Flagge fahrender Frachter „Arctic Sky“ in der Nähe, befuhr von Riga kommend nach einem Stopp im Hafen von Bottenviken bei Kalajoki dieselbe Route am 15. 8. zwischen Gotland und Öland. An diesem Tag gab es eine Aufzeichnung des Automatischen Identifikationssystems (AIS) von der Position der „Arctic Sea“ in der Biskaya. Doch diese Sichtung des inzwischen gesuchten Schiffes wurde seitens des russischen Verteidigungsministeriums und der EU dementiert.


Position der „Arctic Sky“ am 15.8.

Leider reicht die Rückschau der Reisewege der „Arctic Sea“ bei marinetraffic.com jetzt nur noch bis zum 9.8. 2009 zurück. Da das Schiff gerade den Britischen Kanal auf seinem Weg nach Alexandria passiert hat, wo es voraussichtlich am 27.8. 2009 um 21.07 Uhr eintreffen soll, ist es denkbar, dass das Schiff am 24. 7. 2009 von dort oder jedenfalls von der Nordsee her kam und der „Arctic Sea“ begegnete. Von weitem, in einem schwankenden Schlauchboot, wird es für die Angreifer keinen Unterschied gemacht haben, ob sie nun „Arctic Sky“ oder „Arctic Sea“ am Heck oder am Bug des Schiffes lasen. Beide Schiffe haben eine ähnliche Bauweise und sind in etwa gleich groß. Und möglich ist auch, dass der Überfall auf die „Arctic Sea“ nur ein Ablenkungsmanöver war, um von der „Arctic Sky“ abzulenken. Aber dies, so muss ich betonen, könnte von sehr weit hergeholt sein. Kurios bleibt jedoch die Ähnlichkeit der Schiffsnamen beider Schiffe und der Umstand, dass sie sich mutmaßlich zum Zeitpunkt des Überfalls auf der Ostsee begegneten. Hinzu kommt, dass der Frachter „Arctic Sky“ seinen Heimathafen im westafrikanischen Staat Liberia hat. Die „Arctic Sea“, die unter maltesischer Flagge fährt, befand sich offensichtlich auf den Weg nach Afrika, kam aber nur bis kurz vor die Kapverdischen Inseln.


Heutige Position der „Arctic Sky“ im Britischen Kanal vor Cornwall.

Update vom 18. August 17.32 Uhr:

Wie soeben gemeldet wird, hat die Besatzung des Frachters „Arctic Sea“ an Bord des russischen Kriegsschiffes „Ladny“ die kapverdische Insel Sal erreicht. Lokalreporter der Insel berichten, das russische Schiff habe gegen 11 Uhr Ortszeit den Hafen erreicht. Der russische Botschafter auf den Kapverden, Alexander Karpuschin, sagte im kapverdischen Radio: „Wir haben bei den kapverdischen Behörden alle nötigen Schritte eingeleitet, um den Transport der Crew vom Schiff zum Flughafen zu ermöglichen“, sagte. Die 15-köpfige Besatzung könne nun „jederzeit“ ausgeflogen werden.

Karpuschin sagte, er habe mit mehreren Ermittlern des russischen Sicherheitsrats bereits eine erste Befragung der Besatzung an Bord des Kriegsschiffes unternommen, um zu „verstehen, was wirklich passiert ist“.

Die russische Nachrichtenagentur RIA Novesti erwähnt, die Nördliche Regionale Gewerkschaft für Seeleute habe zuvor unter Berufung auf das russische Außenministerium mitgeteilt, dass die „Arctic Sea“ von der „Ladny“ bugsiert werde. Angaben über den Verbleib des Schiff und seiner Ladung wurden (noch) nicht gemacht.

Update vom 18. August 19.50 Uhr:

Von einem britischen Informanten hörte ich, dass sich der MI6 inzwischen für die „Arctic Sky“ interessiert. Diese Information konnte ich leider noch nicht verifizieren.

Vorherige Artikel von Gila Akkers zum Thema:

Mannschaft der „Arctic Sea“ an Bord eines russischen Kriegsschiffes
Ahoi! Das Schiff der vielen Dementis

Mannschaft der „Arctic Sea“ an Bord eines russischen Kriegsschiffes

Heute um 17.41 Moskauer Zeit meldete die russische Nachrichtenagentur „Ria Novosti“, das Drama um den Frachter „Arctic Sea“ sei offenbar beendet: „Die russische Besatzung ist am Montag gerettet worden. Der Frachter sei rund um 11.00 MEZ am Montag 300 Seemeilen vor den Kapverden entdeckt worden, sagte Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow am Nachmittag bei einem Treffen mit Präsident Dmitri Medwedew.“ Weiter heisst es in der Meldung, die Mannschaft des Schiffes sei am Leben, das russische Kriegsschiff „Ladny“ habe sie an Bord genommen.

Wir dürfen also darauf gespannt sein, weshalb die Sichtung des Schiffes vor den Kapverden seitens Russland zunächst dementiert wurde.

Fortsetzung folgt

Ahoi! Das Schiff der vielen Dementis

Wir lagen vor Gibraltar
Und hatten die Pest an Bord
In den Kesseln, da faulte das Wasser
Und täglich ging einer über Bord
Ahoi, Kameraden, ahoi, ahoi!

Leb wohl, kleiner Frachter, leb wohl, leb wohl!
Ja, wenn das Schifferklavier an Bord ertönt
Dann sind die Matrosen so still, ja so still
Weil ein jeder nach seiner Heimat sich sehnt
Die er gerne einmal wiedersehen will

Wir lagen schon vierzehn Tage
Kein Wind durch die Segeln uns pfiff
Der Durst war die größte Plage
Da liefen wir auf ein Riff
Ahoi, Kameraden, ahoi, ahoi!…

Der lange Wladimir war der erste
Er soff von dem faulen Naß
Die Pest gab ihm das Letzte
Und wir ihm ein Seemannsgrab
Ahoi, Kameraden, ahoi, ahoi!…

Gila Akkers - Es ist Sommer und wohl auch wieder einmal Schweiss triefende Sauregurkenzeit. Jede Menge Menschen verschwinden auf geheimnisvolle Weise und ein Krokodil tauchte angeblich in einem deutschen Weiher ab.

Aber nicht nur das allein: Ein Schiff wurde auf der Ostsee überfallen.

Die Täter wirkten auf die russische Crew wie schwedische Polizisten, wird über die Presseindustrie verbreitet, eben weil sie maskiert waren (?). Da aber die Guten in Wildwestfilmen stets weiße Hemden trugen, müssen wir also annehmen, dass die Maskierten an Bord des Schiffes keineswegs schwarze Hemden am Leib hatten. Doch schwedische Polizisten sollten zumindest dunkelblaue Hemden tragen; einen Hauch dunkler als bei der Freien Deutschen Jugend (FDJ) der ehemaligen DDR, wenn sie im offiziellen Auftrag auftreten. Kanzlerin Merkel wird dies bestätigen können, schließlich war sie bei der FDJ aktiv.

Der Überfall soll am 24. Juli frühmorgens stattgefunden haben und zwar in der beschaulichen Meerenge zwischen Öland und Gotland. Eine gut ausgesuchte Lokation: Schnell hin und schnell wieder weg und entweder unter die sonnenhungrigen Touristen gemischt und dort untergetaucht oder über die 137, den Ölandsbron, zum Festland verduftet und eiligst heimwärts nach Solna bei Stockholm zum Quartier der Stand Behind, der rechtsradikalen Untergrundorganisation in Schweden – einst gegründet als paramilitärische Terrorgang mutmaßlich von den USA, um mögliche sowjetische Invasionen abzuwehren.

Wikipedia behauptet, die Stand Behind, auch „Gladio“ genannt, sei während des Kalten Krieges der NATO, dem CIA und MI6 unterstellt gewesen: „Die Organisation existierte von etwa 1950 bis mindestens 1990 und arbeitete im damaligen Westeuropa, Griechenland und der Türkei. Im Zuge der Aufdeckung von Gladio wurde 1990 bekannt, dass Teile der Organisation unter Mitwirkung von staatlichen Organen systematisch und zielgerichtet an Terrorakten und Morden in mehreren europäischen Ländern beteiligt waren. Es folgte ein europaweiter politischer Skandal, die Presse sprach von dem „bestgehüteten und zerstörerischsten politisch-militärischen Geheimnis seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Das Europäische Parlament forderte die EU-Mitgliedstaaten 1990 auf, entsprechende parlamentarische Untersuchungsausschüsse einzusetzen. Dies geschah jedoch nur in Belgien, Italien und dem Nicht-EU-Mitglied Schweiz. Eine lückenlose Aufklärung steht bis heute aus.“

Und nun überfielen sie den Frachter „Arctic Sea“ mit 15 unheimlich harmlosen russischen Seeleuten an Bord?

Bleiben wir doch noch bei Wikipedia im Artikel über die „Arctic Sea“: „Die aus 15 Personen bestehende russische Besatzung wurde gefangengenommen und das Schiff anschließend durchsucht. Nach gut zwölf Stunden verließen die Männer das Schiff wieder, das daraufhin seine Reise fortsetzte.“

Soll dies die offizielle Version sein? Zwölf Stunden für eine Untersuchung des Schiffes? Offensichtlich waren die Maschinen des Frachters zwischenzeitlich gestoppt worden, vielleicht deshalb, um in der Nähe von Öland zu bleiben von wo aus die Flucht für die Maskierten einfach war.

Zwölf lange Stunden!

Zeit für eine Einweisung in die Bedienung des Schiffes?

Genügend Zeit, um an Bord eine gefährliche Gerätschaft zu lokalisieren oder zu installieren?

Weshalb fuhr das Schiff anschließend, nachdem die Gangster, wie behauptet, das Schiff verlassen hatten, nicht die Abkürzung durch den Nord-Ostsee-Kanal, sondern fuhr den Umweg durch den Skagerag?

Der Hafenmeister einer kleinen dänischen Marina verriet mir – nach stundenlanger Suche hatte ich ihn gefunden – auf Anfrage, er habe den Funkverkehr der „Arctic Sea“ zufällig mitgehört als sie sich noch in schwedischen Hoheitsgewässern aufgehalten hatte. Als die Meldung von der vorgeblichen Freigabe des Schiffes gekommen sei, habe die Stimme des Kapitäns absolut keinen russischen Akzent gehabt. Er hätte wie ein Schwede geklungen, der einige Zeit in den USA gelebt habe.

Die Tour durch den Nord-Ostsee-Kanal wäre für die Schiffsbesetzer, neuerdings heissen sie fälschlicherweise „Piraten“, zu nervenaufreibend und zu gefährlich gewesen. Man hätte sie bei dem engen Kontakt mit der Kanalbehörde möglicherweise enttarnt und im Kanal wäre das Schiff in der Falle gewesen.

Und dann tuckerte der Frachter unbehelligt weiter zum Ärmelkanal, wo er – Piep Piep – seine Kennung abgab; also sporadisch und offensichtlich nicht nach Vorschrift, möglicherweise unterdrückt, um eine Art technische Störung vorzutäuschen. Aber längst hatte da der Frachter seine Verfolger, die russische Marine und die NATO am Achtersteven, wenn man versucht die Wahrheit zwischen den Zeilen der ständig negierenden, dementierenden Meldungen heraus zu lesen. Und während das Märchen in die Welt gesetzt wurde, er sei vor den Kapverdischen Inseln mit Kurs auf Afrika gesichtet worden, empfing ein Blogger, offensichtlich ein ehemaliger Soldat der Bundewehr-Marine (?) am 15. August 2009 um, wie er behauptet; 10:08 Uhr, ein Kennungssignal des inzwischen vermissten Schiffes. Doch er bleibt – außer seiner Entrüstung darüber, dass die ARD-Tagesschau seine Festellung nicht als Tatsache würdigte, mehr noch behauptete, die Sichtung sei von offizieller Seite dementiert worden, den Beweis schuldig. Was hilft es, wenn er über sich schreibt: „Mein Interesse gilt der Welt, Ihren Lebewesen und Kulturen. Und wenn ich Denkanstöße geben kann, hat sich der Zeitaufwand hier schon gelohnt. Als ehemaliger Marinesoldat bin ich dem Meer treu geblieben und unterstütze die Sea Shepherd Conservation Society in ihrer Arbeit zum Schutze der Meere und ihrer Bewohner.“ Die von ihm gezeigte Location-Graphik sieht auf dem ersten Blick wie ein Beweis aus, doch sie könnte problemlos mit etwas Sachverstand gefälscht worden sein.

An anderer Stelle seines Blogs offenbart er sich in seinem Denken als rechtslastig und dem Staat Israel nicht gerade wohl gesonnen. Auch Dr. Alexander Freiherr von Paleske, einst zu RAF-Zeiten Rechtsanwalt, dann Mediziner und nun Leiter einer Klinik in Botswana (Afrika), giftet in seinem Artikel unter dem Blog des Schweizer „staatsbediensteten Asylanten-Interviewers“ Stephan Fuchs gegen den Mossat, dem israelischen Geheimdienst, der seinen Spekulationen nach in dem Fall des Frachters verwickelt sei, um einen Krieg mit dem Iran zu provozieren. Schließlich hätten die Israelis gemeinerweise den Iranern mehrfach Waffen geliefert, um sich dann vom Iran bedroht zu fühlen und um einen Angriffskrieg zu rechtfertigen, wie er mehrfach in früheren Artikeln unter nachrichtenheute.ch nahe legte und die er bei gleichgesinnten rechten Blogs gleichermaßen hatte platzieren können.

Daran beteiligt gewesen sein soll einst auch ein jüdischer Schaumschläger namens Moshe Regev-Regenstreich, der in Wien verstorben sein soll (angeblicher plötzlicher Herztod), dessen Leichnam aber nicht wie religiös vorgeschrieben von Wien ins Heilige Land offiziell transportiert wurde. Der Wiener Rabbi fand ihn auf seiner Sterbeliste jedenfalls nicht. Außer Fotos eines verfetteten Lebemannes sowie ungedeckten Blanko-Schecks zeigte Dr. v. Paleske meinem deutschen Kollegen Harald Haack keine Urkunden, die eine Identität des Moshe Regev, wie er sich abgekürzt häufig genannt haben soll, belegen. Haack gelang es zwar vor ein paar Jahren von einem asiatischen Informanten, der dem MI6 nahe zu stehen scheint, die Bestätigung zu erhalten, Regev sei vor dem berühmten Kaufhaus in London, dem Harrods, gesehen worden – Monate nach seinem angeblichen Ableben in Wien – doch der MI6 ist für seine Märchen hinlänglich bekannt, die er in der Blogger-Szene streut, darunter viele obscure weltverschwörerische Nachrichten. „James Bond“ ist zu einem Spinner mutiert.

Jetzt schon ein Fazit?

Nun, wenn’s denn sein muss: Ein Frachter wird überfallen und angeblich wird nichts geraubt. Folglich ist anzunehmen, dass etwas an Bord gebracht wurde. Piepapo-Presse-und-Konsulats-Meldungen verschwand der Frachter, der wertvolles finnisches Holz für Algerien geladen haben soll, aus der Kontrolle der nautischen Aufpasser nach der Passage des Ärmelkanals. Und mit einem Mal ist eine ganze Armada von Schiffen und U-Booten der russischen Marine und der NATO hinter dem Schiff hinter her und ein Dementis löst das folgende Dementi ab. Entweder kam es hierbei zu einem hysterischen Aufschaukeln, vergleich mit einer stochastischen Resonanz (in der statistischen Mathematik), oder aber die Welt hat es mit einem nie zuvor da gewesenen Ernstfall zu tun.

Haben sie nun die Pest an Bord?

Die Pest trat zuletzt, vor kurzem erst, in China und in Nepal auf. Vielleicht hat sie jetzt auch einen anderen (militärischen) Namen. Jedenfalls muss derzeit eine Bombenstimmung bei NATO und Russischem Militär herrschen. Aber weshalb stecken die EU-Verantwortlichen ihre Köpfe in den Sand?

Wer hat die denn nun wieder geschmiert? Die Presse-Industrie im Sommerloch?

Oder ist da ein russischer Flüchtling wie in dem Movie „Roter Oktober“ auf Erfolgskurs?




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