Archiv für Juni 2009

AF447: Zeitungen wetteifern um des Rätsels Lösung

Weil die brasilianische Luftwaffe Leichen der Passagiere und mutmaßlich des Bordpersonals an Orten fand, die mehr als 80 Kilometer voneinander liegen, soll es laut „New York Times“ eine Theorie geben, demnach der A330 in der Luft auseinandergebrochen sei.

Harald Haack - Die „New York Times“ bietet diese Theorie aufgrund offenbar neuer Hinweise ihren Lesern an. In dem Bericht von Airbus an seinen Kunden Air France heisst es, eine erneute Auswertung der automatischen Meldungen des A330 belege zuerst den Ausfall des Geschwindigkeitsmessers. Dadurch habe der Pilot die Maschine zu schnell geflogen, was mutmaßlich zum Auseinanderbrechen in der Luft geführt haben könnte.

Es scheint, als regiere die Ungeduld bei den Zeitungen, die offensichtlich nicht das Ergebnis der Suche nach der Black Box abwarten wollen. Das Geschäft mit den Berichten soll jetzt gemacht werden. Die Redaktionen der Zeitungen wollen die Ersten sein, die das Absturzrätsel lösen und wetteifern darum. So werden Spekulationen durch die mehrfache Erwähnung zu Fakten suggeriert. Ein sonderbares Verhalten der Presse-Industrie. Diese Bezeichnung sollten sich die Kolleginnen und Kollegen, die an der Flug-Katastrophe gut verdienen, inzwischen gefallen lassen.

Zwar könnten auch die geborgenen Trümmer des A330 auf ein Auseinanderbrechen in der Luft hindeuten, doch das gefundene Kleingeheckselte können Ermittler erst durch eine Rekonstruktion des Flugzeugs, durch ein Zusammenfügen, sicher beurteilen. Der Umstand allein, dass die Leichen in einer Distanz von 80 Kilometern verteilt gefunden wurden, kann nicht als Maß für ein vermutetes Auseinanderbrechen in der Luft herhalten. Denn dort wo der Absturz erfolgte, kreuzen sich zwei mächtige Meeresströmungen, eine warme, die über die Bermuda-Region als Golfstrom weiter nach Europa fließt, und eine kalte, die ihren Beginn als Labrador-Strömung hat. Dieser kalte ozeanische Meeresstrom streicht über die unterseeischen Gebirge, der warme Strom ist oben an der Ozeanoberfläche zu finden, weshalb es dort in dem Bereich, wo die Leichen und die Trümmer geborgen wurden, Wassertemperaturen um die 29° Celsius gibt.

Das Suchgebiet befindet sich an der Kreuzung der beiden großen Ströme im Atlantik.

Sicher dürfte sein, dass der abgestürzte Airbus zerstückelt wurde. Große Teile, die in die Tiefsee sanken, könnten Opfer enthalten haben, die, bedingt durch die einsetzende Verwesung in den Körpern, erst Tage später nach und nach aus dem Wrack von der kalten Strömung gerissen wurden und langsam an die Wasseroberfläche trieben, wo sie weit entfernt von jenen Opfern, die nicht in die Tiefe gerissen wurden, lokalisiert wurden. Die Leichen wurden also mutmaßlich von den unterschiedlichen Strömungen auseinander getrieben.

Wie zielsicher alle Spekulationen auch sein mögen, eines ist sicher: Der Atlantik ist dort nicht zu vergleichen mit dem Ententeich im New Yorker Centralpark.

Politische Machtspiele schuld am Airbus-Absturz?

Die deutsch-französische Rivalität und daraus resultierende politische Machtspiele führten zur Krise des europäischen Flugzeugbauers Airbus und brachten ihn in den vergangenen Jahren mächtig ins Trudeln, weil die Regierungen mehr Einfluss wollten. Hinzu kamen der schwächelnde Dollar, die allgemeine weltweite Wirtschaftskrise und drohende und stattgefundene Schließungen von Airbus-Werken und Zulieferbetrieben. Airbus musste sparen, um bestehen zu bleiben. Sparen aber mit Sicherheitsabstrichen?

Harald Haack – Laut Medien-Spekulationen (Le Figaro) soll ein fehlerhafter Geschwindigkeitsmesser die Absturzursache des über dem Atlantik verunglückten Airbus 330 der Air France sein. Und nun gibt es gleich zwei Meldungen über defekte Windschutzscheiben in Cockpits von Airbus-Maschinen. Deren Piloten mussten notlanden.

Die russische Nachrichtenagentur Ria Novosti meldet, bei einem Airbus 320 hätten die Piloten gleich nach dem Start einen Riss in der Windschutzscheibe des Cockpits festgestellt. Sie seien mit 122 Passagieren an Bord von Irkutsk in Richtung Moskau unterwegs gewesen. Wegen des Risses entschieden sie sich zur Notlandung in Nowosibirsk. Die Passagiere blieben unverletzt.

Und einen Airbus 330, also eine Maschine des gleichen Typs wie bei dem Air-France-Flieger, der am Pfingstmontag mit 228 Menschen in den Atlantik stürzte, soll es jetzt über dem Pazifik getroffen haben. Der Airbus mit der Flugnummer JQ20 war am Mittwochabend (Ortszeit) auf Japans Flughafen Osaka mit Ziel Australien gestartet. Vier Stunden nach dem Start fiel den Piloten Rauch im Cockpit auf. Schon bald gab es Flammen am rechten Cockpit-Fenster. Die Piloten legten laut der Jetstar-Sprecherin Simone Pregellio Atemmasken an, setzten das Mayday-Notsignal ab, löschten das Feuer und drehten auf den nächstgelegenen Flughafen auf der Pazifikinsel Guam ab, wo sie notlandeten. Das Feuer soll sich nicht aufs Cockpit weiter ausgebreitet haben. Ursache sei angeblich ein Heiz-Element in der rechten Cockpit-Scheibe gewesen sein.

Jetstar ist die Billigfluglinie der Fluggesellschaft Qantas. Jetstar-Chef Bruce Buchanan versicherte, der notgelandete Airbus sei gerade mal eben zwei Jahre alt. Er bezeichnete den Zwischenfall als „außergewöhnlich“.

Über eine ungewöhnliche hohe Zahl von Zwischenfällen in Verbindung mit Geschwindigkeitsmessinstrumenten am Airbus A330 wusste kürzlich die französische Nachrichtenagentur AFP zu berichten. In einem internen Memo vom 6. November 2008 habe Air France vor Problemen mit den Geschwindigkeitsmessern im A330 gewarnt und Piloten zur Vorsicht geraten. Darin sei die Rede von einer „beträchtlichen Zahl von Zwischenfällen“. Zwei Air-France-Piloten, die namentlich nicht genannt werden wollten, sollen die Echtheit des Dokuments bestätigt haben.

Spart der Flugzeugbauer Airbus, indem er billige Teile von Zulieferbetrieben verwendet? Wenn dies tatsächlich zuträfe, so wäre dies ein enormer Image-Verlust für Airbus. Um sich davor zu schützen, macht dessen Rechtsabteilung schon mobil. Laut SPIEGEL-Online soll Airbus angekündigt haben, die Zeitung „Le Figaro“ wegen deren Behauptung zu verklagen, ein fehlerhafter Geschwindigkeitsmesser sei eindeutig die Ursache für den Absturz von AF447 in den Atlantik gewesen. Mehrere Nachrichtenagenturen, Zeitungen und Illustrierte übernahmen die Behauptung teils als Zitat, teils als Behauptung und teilweise als allgemeine Erkenntnis der Ermittler. Doch solange die Black Box der verunglückten Maschine nicht aus den Tiefen des Atlantiks geborgen ist, so lange wird es wohl weiterhin Spekulation über die Ursache geben.

Schwierig macht die Suche nach der Black Box nicht nur die Meerestiefe, die in der betreffenden Region bis zu 4.200 Meter tief ist, sondern auch zwei sich dort kreuzende Meeresströmungen. Während die warme Strömung alles, was sich in relativer Nähe zur Meeresoberfläche befindet, in nordwestlicher Richtung treibt, wird alles was dort in die Tiefsee gelangte, während des Absinkens in südwestliche Richtung getrieben. Hinzu kommt der Vulkanismus des mittelatlantischen Rückens. Es sollen in der Tiefe aktive Vulkane existieren und in den Spalten und Rissen der unterseeischen Gebirge am Grabenbruch tritt Lava aus.

Airbus wurde vor 39 Jahren als deutsch-französisches Projekt gegründet. Spanien und Großbritannien folgten später. Die europäischen Regierungen förderten den Zusammenschluss ihrer Flugzeughersteller. Aber weiterhin regierte der Nationalstolz der an Airbus beteiligten Staaten. „Jeder für sich, und dann irgendwie zusammen, so lautet eine Unternehmenskultur, die dem A380 massiv schadet“, urteilt der Autor der ZEIT, Götz Hamann, in seinem Artikel vom 6. Oktober 2006. Der Konzern käme nun nicht umhin, die gröbsten Ineffizienzen zu beseitigen: „Das wird Arbeitsplätze kosten, wohl auch am Standort Hamburg. Sonst wird Airbus, das den Konkurrenten Boeing zuletzt ausgestochen hatte, auf dem Markt für Passagierflugzeuge zurückfallen. Der Markt würde es richten, würde über Airbus richten“, schreibt er.

Richtet sich Airbus nun selbst mit einem mangelhaften Qualitätsmanagement zugrunde? Sparen vor Sicherheit? Es wäre nicht nur ein Image-Verlust, sondern auch ein unglaublicher Skandal. Airbus ist nun gefordert, zu sagen wie es sich tatsächlich verhält. Im Zusammenhang mit der angekündigten Verleumdungsklage gegen „Le Figaro“ soll Airbus zu seiner Verteidigung verbreitet haben, es gebe die Sonden für die Geschwindkeitsmessung in „drei verschiedenen Standards“ von „zwei Herstellern“. Den Bericht des „Figaro“ wies Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath in Paris als „Blödsinn“, „unverantwortliche Berichterstattung“ und „klare Rufschädigung“ zurück.

Jetzt im Director’s Cut: 21.843 Biker auf der A7

Unser Hamburger Autor Hein Hering drehte am vergangenen Sonntag von einer Autobahnbrücke bei Hasloh ein eindrucksvolles Video in High Definition (HD). Es zeigt den Konvoi der Motorradfahrer, die in Hamburg am Motorradgottesdienst teilgenommen hatten. Doch da in 5 Minuten nicht alle zu sehen sind, entschloß er sich zu einer vollständigen Version, die jedoch mit 19 Minuten Länge von YouTube abgelehnt wurde. So verteilte er sein Video auf zwei Teile.


Obwohl alle drei Video-Versionen sehenswert sind, finden wir, dass der zweite Teil seines „Director’s Cut“ aussergewöhnlich gut ist und sich von den Videos anderer Filmer, die ebenfalls ihre Cams auf die Biker richteten, deutlich unterscheidet.

Tausende Motorradfahrer verließen Hamburg

Motorradfahrer verliessen Hamburg auf der A7 in Richtung Kaltenkirchen. Nach Angaben des Veranstalters des traditionellen Motoradgottesdienst am Hamburger „Michel“ nahmen in diesem Jahr etwa 21 000 Biker daran teil. Hamburg erlebte an diesem Tag der Europawahl nicht nur fromme Motorradfahrer, sondern auch die geringste Wahlbeteiligung aller Zeiten.

Hein Hering - Am Sonntag, den 07. Juni 2009, veranstaltete die Nordelbische Kirche den 26. Motorradgottesdienst (MOGO) in Hamburg mit anschließender Konvoifahrt zum Parkplatz „Dodenhof“ nach Kaltenkirchen. Um 15.35 Uhr waren sämtliche Teilnehmer des traditionellen Motorradkonvois auf dem Veranstaltungsgelände ohne Zwischenfälle in Kaltenkirchen eingetroffen. Nach Angaben des Veranstalters nahmen in diesem Jahr etwa 21 000 Biker an der Veranstaltung teil.


Um dieses Video in HD-Videoqualität zu sehen, klicken Sie bitte ein Mal aufs Video und dann auf „HD“. Falls Sie unter den Motorradfahrern waren, werden Sie sich mit der höheren HDV-Auflösung sicherlich wieder finden. Oder vielleicht Ihre Bekannten oder Freunde. Oder Ihren Mann… Und noch ein Tipp: Zu YouTube gelangen Sie, wenn Sie ein weiteres Mal aufs Video klicken. Dort gibt es dann auch eine noch größere HD-Version zu sehen.

In Hamburg lockten am Sonntag offensichtlich zu viele Feste und Aktionen und ließen trotz Regenschauer die Europawahl vergessen. Viele Bürger wollten mutmaßlich aber auch nicht wählen, den Politikern ihre Politverdrossenheit mit der Wahrnehmung ihres demkratischen Rechts auf Enthaltung demonstrieren – was ihnen gelungen ist.

Ein Koffer im Atlantik

Während die brasilianische Luftwaffe die Leichen von zwei Männern aus dem Atlantik fischte, ebenso angeblich einen Flugzeugsitz und einen Koffer, der ein Ticket für AF 447 enthielt, mehren sich bei YouTube die kuriosesten Videos zu den Themen „Verschollen im Atlantik“ und „Absturz der Air-France-Maschine“. Newsbattery fand drei weitere Beispiele.

Harald Haack – Seltsam muss es bei der brasilianischen Luftwaffe während der Suche nach den Opfern zugehen. Diesen Eindruck vermittelt ein Video, das der YouTube-User „Zen369369″, mutmaßlich ein Angehöriger der Luftwaffe, an Bord einer Lockheed C-130 Hercules am 3. Juni 2009 aufgezeichnet hat. Als musikalische Untermalung verwendete er die brasilianische Nationalhymne und damit gerät sein Video mit dieser lustig klingenden Musik zur Schau einer munteren Aktion.

Auf die Musik verzichtet er aber in seinem Video vom 5. Juni 2009 gänzlich. Dafür hört man das „Bababa!“ eines Mannes an Bord des Militärfliegers, der ein im Wasser treibendes Teil entdeckt.

Wie Passagierflugzeuge von Blitzen getroffen werden und nicht abstürzen, zeigt das hier nachfolgend gelistete Video. Offenbar ist sich der Filmer nicht bewusst, dass er neben den Blitzeinschlägen eine weitere Besonderheit dokumentieren konnte: Einen Kugelblitz. Der bildete sich, kurz nachdem ein breiter Blitzstrahl eine Passagiermaschine trifft, gleich an der Austrittsstelle des Blitzes hinter dem Heck – zu Beginn des Videos zu sehen – und existierte länger als der Blitzstrahl.

Verharmlosung des Katastrophen-Faktors „Wetter“
Höchst anrüchig scheint mir die Mitteilung des französischen Wetterdienstes „Météo France“ zu sein: Obwohl bereits Bilder eines Wettersatelliten veröffentlicht wurden, die zum Zeitpunkt des Verschwindens von AF 447 entstanden, sogar in einer Animation zusammen gefaßt zeigen, dass die Flugroute durch ein mehrzelliges Gewittersystem führte, behauptet der Wetterdienst, es habe auch zum Absturzzeitpunkt kein außergewöhnlich schweres Unwetter über dem Atlantik gegeben. Nichts deute darauf hin, dass der Airbus in ein für den Juni extremes Gewitter geraten sei. Daran gemessen muss die Flugzeugkatastrophe gewöhnlich sein.

Zum Thema:

„Und Sie wissen, was das bedeutet“
Flug 447 über dem Atlantik vermisst




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