AF447: Zeitungen wetteifern um des Rätsels Lösung

Weil die brasilianische Luftwaffe Leichen der Passagiere und mutmaßlich des Bordpersonals an Orten fand, die mehr als 80 Kilometer voneinander liegen, soll es laut „New York Times“ eine Theorie geben, demnach der A330 in der Luft auseinandergebrochen sei.

Harald Haack - Die „New York Times“ bietet diese Theorie aufgrund offenbar neuer Hinweise ihren Lesern an. In dem Bericht von Airbus an seinen Kunden Air France heisst es, eine erneute Auswertung der automatischen Meldungen des A330 belege zuerst den Ausfall des Geschwindigkeitsmessers. Dadurch habe der Pilot die Maschine zu schnell geflogen, was mutmaßlich zum Auseinanderbrechen in der Luft geführt haben könnte.

Es scheint, als regiere die Ungeduld bei den Zeitungen, die offensichtlich nicht das Ergebnis der Suche nach der Black Box abwarten wollen. Das Geschäft mit den Berichten soll jetzt gemacht werden. Die Redaktionen der Zeitungen wollen die Ersten sein, die das Absturzrätsel lösen und wetteifern darum. So werden Spekulationen durch die mehrfache Erwähnung zu Fakten suggeriert. Ein sonderbares Verhalten der Presse-Industrie. Diese Bezeichnung sollten sich die Kolleginnen und Kollegen, die an der Flug-Katastrophe gut verdienen, inzwischen gefallen lassen.

Zwar könnten auch die geborgenen Trümmer des A330 auf ein Auseinanderbrechen in der Luft hindeuten, doch das gefundene Kleingeheckselte können Ermittler erst durch eine Rekonstruktion des Flugzeugs, durch ein Zusammenfügen, sicher beurteilen. Der Umstand allein, dass die Leichen in einer Distanz von 80 Kilometern verteilt gefunden wurden, kann nicht als Maß für ein vermutetes Auseinanderbrechen in der Luft herhalten. Denn dort wo der Absturz erfolgte, kreuzen sich zwei mächtige Meeresströmungen, eine warme, die über die Bermuda-Region als Golfstrom weiter nach Europa fließt, und eine kalte, die ihren Beginn als Labrador-Strömung hat. Dieser kalte ozeanische Meeresstrom streicht über die unterseeischen Gebirge, der warme Strom ist oben an der Ozeanoberfläche zu finden, weshalb es dort in dem Bereich, wo die Leichen und die Trümmer geborgen wurden, Wassertemperaturen um die 29° Celsius gibt.

Das Suchgebiet befindet sich an der Kreuzung der beiden großen Ströme im Atlantik.

Sicher dürfte sein, dass der abgestürzte Airbus zerstückelt wurde. Große Teile, die in die Tiefsee sanken, könnten Opfer enthalten haben, die, bedingt durch die einsetzende Verwesung in den Körpern, erst Tage später nach und nach aus dem Wrack von der kalten Strömung gerissen wurden und langsam an die Wasseroberfläche trieben, wo sie weit entfernt von jenen Opfern, die nicht in die Tiefe gerissen wurden, lokalisiert wurden. Die Leichen wurden also mutmaßlich von den unterschiedlichen Strömungen auseinander getrieben.

Wie zielsicher alle Spekulationen auch sein mögen, eines ist sicher: Der Atlantik ist dort nicht zu vergleichen mit dem Ententeich im New Yorker Centralpark.





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