Patrouille Suisse sorgte für aufgeregte Hanseaten

Die Schweizer Kunstflugstaffel „Patrouille Suisse“ sorgte in Hamburg für reichlich Ärger. Der Lärm der Militärflieger erschreckte und verärgerte nicht nur etliche Hamburger, die Piloten – angeblich die Besten der Welt – hielten bei ihren ersten Schau-Flügen anlässlich des Hafengeburtstags am Freitag die ihnen vorgeschriebene Mindestflughöhe nicht ein; angeblich bis zu zehn Mal nicht.

Harald Haack – Die Katastrophe von Ramstein, bei der am 28. August 1988 drei Militärjets der italienischen Kunstflugstaffel Frecce Tricoli in der Luft miteinander kollidierten und einer der Jets brennend in die Zuschauermenge stürzte, wobei 70 Menschen getötet wurde und weitere tausend zum Teil schwerste Verbrennungen erlitten, ist nicht vergessen. Nach Ramstein wurden Kunstflugvorführungen in Deutschland verboten, doch unter bestimmten Auflagen werden sie inzwischen wieder erlaubt. So auch nun in Hamburg zum 820. Hafengeburtstag.


Dieses Jahr war die Schweiz Partnerland des Hafenfestes und unter anderem mit der Flugstaffel „Patrouille Suisse“ der eidgenössischen Luftwaffe vertreten. Die Staffel zeigte an den Veranstaltungstagen Formationsflüge am Himmel über der Elbe. Ein Geschenk der Schweiz an Hamburg, denn die Kosten für diese militärische Kunstflugvorführung trägt die Schweiz und damit deren Steuerzahler.
© Foto: Harald Haack

Am Freitagmittag kurz nach 14 Uhr sollen die Schweizer mit ihren Jagdflugzeugen vom Typ F-5E Tiger II Northrop – „präzise wie ein Schweizer Uhrwerk“ – die ihnen vorgeschriebene Mindestflughöhe um bis zu 150 Meter unterschritten haben. Dies behauptete Harry Denz vom Hamburger Amt für Luftverkehr. Er kündigte an, Radarmessungen auszuwerten, um den Vorwurf zu überprüfen. Doch auf die Ergebnisse wird man noch etwas warten müssen, wie ein Sprecher der Behörde der Redaktion von Newsbattery mitteilte. Er bestätigte, dass die Patrouille Suisse nicht nur einmal, sondern an die zehn Mal unterhalb der ihr vorgeschriebenen Mindestflughöhe geflogen war.

Das Hamburger Abendblatt verbreitete die Meldung über die Mindestflughöhe von 500 Metern; ebenso wie SPIEGEL-Online. Doch dort waren es 600 Meter. Und die Schweizer Zeitung BLICK übernahm auch diese Angaben vom SPIEGEL. Doch tatsächlich waren es anfangs 1.500 Fuss, die als Mindestflughöhe festgelegt wurden. In der Fliegerei rechnet man mit Fuss und nicht mit Metern. Diese 1.500 Fuss entsprechen genau 457.19 Meter. Weil es gleich bei den ersten Flügen der Staffel über Hamburg Ärger wegen der nicht eingehaltenen Mindestflughöhe gegeben hatte, wurde diese Marke seitens der Behörde auf 1.800 Fuss gesetzt; entsprechend 548.63 Meter. Schließlich ging es nicht um eine preussisch anmutende Rechthaberei, sondern um die Sicherheit der Besucher des Hamburger Hafengeburtstags und ebenso aller sich gerade in Hamburg aufhaltenden Menschen.

In der Abendvorstellung zwischen 18.30 und 19 Uhr flogen die Piloten erneut sehr tief, und die vorgeschriebene Mindestflughöhe, wie mein Foto zeigt, unterschritten sie heftig. Ich stand am Holthusenkai als die Maschinen in 2,9 Kilometer Entfernung vor den Landungsbrücken kurvten, wobei der innerhalb der Formation links außen fliegende Düsenjet eine Höhe von nur noch ca. 165 Metern erreichte. Das im Dock liegende Kreuzfahrtschiff „Voyager of the Seas“ hat eine Länge von 311 Meter, und ich hatte es breitseits vor der Kamera. Aufgrund der großen Distanz erlaubt dies eine ziemlich sichere Einschätzung der tatsächlich geflogenen Höhe.


Schweizer Tiefstflug über der Elbe vor den Landungsbrücken mit Rauchfahnen und viel Lärm: 08.05.2009 – 18:31:31


Die Stafel im Anflug über der Versmannstraße/Überseeallee: 08.05.2009 – 18:42:53


Die Hamburger Behörden hatten die Schweizern Kunstflugdarbietungen untersagt. Lediglich reines Formationsfliegen war angeblich erlaubt. Doch was war dies? 08.05.2009 – 18:43:13
© Fotos: Harald Haack

Glück hatten die Piloten am Freitag gehabt. Ein heftiges Unwetter fegte circa eine halbe Stunde nach der Landung der Staffel über Hamburg hinweg und verursachte einige Schäden. Drei Fallschirmspringer wurden von der starken Luftströmung weit vom Hamburger Hafen abgetrieben: Einer landete bei Trittau, einer in Barsbüttel und einer in der Elbe.

Nach einer Umfrage des Hamburger Abendblatts antworteten ca. 68 Prozent auf die Frage: „Tiefflüge in der Innenstadt. Gehört das noch zum Hafengeburtstag?“ mit Nein. Waren es vor zwei Stunden noch 71 Prozent die mit Nein reagierten, so scheint die Zahl derjenigen, die meinen, auch das gehöre dazu, gegenwärtig zuzunehmen. Aber ca. 26 Prozent antworteten auf die Frage, ob sie zum Hafengeburtstag in den Hafen gehen, mit Ja. Unbekannt ist derzeit wie viele Hamburger auf den Beamten schimpfen, der die Flüge der „Patrouille Suisse“ über Hamburg lancierte und genehmigte.

Die für den 9. Mai 2009 um 13.30 Uhr vorgesehenen Formationsflüge der Schweizer Militärflieger wurden abgesagt. Seitens des Hamburger Amts für Luftverkehr hieß es, die Staffel dürfe nur noch einen Formationsflug pro Tag fliegen. So geschah es auch. Und am gestrigen Sonntag mussten sie dann weiter südlich der Elbe über dem industriellen Hafengebiet ihre Kunststücke zeigen.


Ganz manierlich flogen sie dann ab 17.30 Uhr am 9. Mai 2009 und hielten sich bis auf den Rückflug zum Flughafen südlich der Elbe in der Luft auf.
© Fotos: Harald Haack


Am Sonntag verlangte das Hamburger Amt für Luftverkehr von der Patrouille Suisse noch weiter südlich der Elbe zu fliegen. So kurvten sie dann über den Industriebereich des Hafens, in dem sich petrochemische Anlagen befinden.


Durch einen Helikopter der Bundeswehr rückte der 820. Hafengeburtstag noch mehr in die Nähe einer Militärflugschau.
© Foto: Harald Haack

Immer häufiger dominiert die Marine mit ihren seegrauen Schiffen bei den Feierlichkeiten im Hafen. Und wer weiss das jetzt schon so genau: Vielleicht gibt es im nächsten Jahr beim 821. Hafengeburtstag echte somalische Piraten zu bestaunen. Doch eines wurde jetzt schon klar: Die Mehrheit der Hamburger Bürgerinnen und Bürger wollen keinen Militarismus als Volksbelustigung in ihrer Stadt. Das läßt sich nicht klein reden mit der abgeleierten Ausrede, dass Hamburg eine Großstadt ist und ein bisschen Lärm doch nötig sei, um den Flair der Metropole zu wahren.

Aus der Schweiz erhielten wir heute von einem von Fluglärm geplagten Bürger diesen Kommentar zu den Flügen der Patrouille Suisse über Hamburg: „Wieso braucht es lärmende Flieger wenn es doch um Schiffe geht?“





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