Archiv für März 2009

Schäuble will Waffen

Deutschlands Innenminister unterstützt die Tradition. Waffen zu verbieten, sei nicht seriös. Überdies sei der Schützenverband „der zweitstärkste deutsche Sportbund“, sagte Schäuble auf den Amok von Winnenden angesprochen. „Und die Jagd ist alter Teil der menschlichen Zivilisation“, fügte er hinzu. Na, denn ein „Halali“, Herr Innenminister! Die „Jagd“ von Winnenden ist vorbei. Aber der gefährlichste Monat, der März, ist noch lang. Sie, Herr Schäuble, gieren doch sicherlich auch schon nach dem nächsten Ego-Shooter, der Amok läuft, so wie es der Pressemainstream jetzt schon macht und Trittbrettfahrer damit zum Wahnsinn ermutigt.

Marcel Franz-Paulé – Alles natürlich nur unter dem dünnen Deckmänntelchen der Betroffenheit. Das Springer-Blatt „Hamburger Abendblatt“ dichtete: „Tim K. tötete wahllos Menschen, am Ende beging er Selbstmord. Rache für Kränkungen – und meist in schwarzer Kleidung.“

Doch Tim K. trug nicht Schwarz, sondern eine graue Jacke und mutmaßlich, nach einem Video beurteilt das ihm in seinen letzten Lebenssekunden zeigt, eine dunkelblaue Hose. Wer einst in sein Gesicht blickte, hätte ihn für einen frommen Messdiener halten können.

Immerhin: Schwarz kleiden sich Geistliche, aber auch Punks, Nazis, Grufties und Künstler und viele andere Menschen. Zudem ist Schwarz die Symbolfarbe für die CDU, unter deren müllabfuhrfarbener Flagge das Hamburger Abendblatt meistens agiert. Was also soll diese Diskriminierung von Menschen, die sich Schwarz kleiden? Was soll dieser unverantwortliche Mist seitens der Springer-Presse? Ich befürchte, die Abendblatt-Autorin, die verantwortlich für jene Überschrift ist, hat zu viele B-Movies gesehen. Hat sie Angst vorm „Schwarzen Mann“. Wenn ja, sollte sie der Trauerfeier für die Opfer von Winnenden fern bleiben, denn dort wird Schwarz als Farbe der Trauer und nicht als „Farbe der Rache“ getragen werden.

In dem Video, das von YouTube inzwischen nur eingeschränkt gesehen werden kann – man muss bestätigen, dass man mindestens 18 Jahre alt ist und sich anmelden – hört man Schüsse, eine männliche Stimme sagt zugleich nah am Mikrophon des Kamera: „…euch beide umbringen.“ Offensichtlich wurde dieses Video schon während der Aufzeichnung manipuliert. Die Aufnahme erfolgte wohl im Tele-Modus. Tim K. war also weit von der Kamera, vermutlich ein Handy, entfernt. Nachdem die Schüsse verhallt sind, sagte eine andere männliche Stimme, die etwas entfernter klingt, entweder ein Gaffer oder ein Polizist:

„Tötens en. Der erschießt sich selber. Wirscht scho sehn.“

Der vom Video extrahierte Sound, von Newsbattery gefiltert, um das störende Rauschen zu entfernen. Im Mittelteil nach den Schüssen haben wir die Lautstärke zur besseren Verständlichkeit der zu hörenden Worte angehoben. Die Stelle, wo dies geschieht, ist durch einen Lautstärkesprung markiert.

Dann offensichtlich Tim K.: „Ich habe keine Angst davor“. Anschließend kniet er sich hin. Schnitt.

Er liegt nun flach auf dem Boden. Der Sound passt aber irgendwie nicht zu dem Video, scheint total asynchron. Als die Schüsse ertönen, gibt im Bild keine Entsprechung dazu. Als sich Tim K. hinkniet, ist kein Schuss zu hören. Und nach den Schüssen, zuerst zwei Schüsse, dann sieben in schneller Folge, erst die Mutmaßung des Augenzeugen oder eines Polizisten, demnach sich Tim K. selbst erschießen werde. Irgendwie scheint da der Murks drin zu sein in diesem Jagd-Video. Genauso wie in dem opulenten Statement von Schäuble.

Er pocht auf die Tradition und auf die Jagd als „Teil der menschlichen Zivilisation“.

Winnenden ist zweifellos Teil der menschlichen Zivilisation und in dieser Stadt in Baden-Würtemberg war gerade Jagd. Zunächst waren es Schüler, die von Tim K. erschossen wurden. Dann wurde er von der Polizei gejagd. Zunächst hieß es, die Polizei habe ihn erschossen. Dann kam die Meldung, demnach er sich selbst erschossen habe. Was soll man glauben, was will man glauben? Wurde Tim K. vom Verhalten der Polizei manipuliert, so dass er genau das tat, was ein Oberschlauer in dem Video sagt? Hat er sich tatsächlich selbst erschossen? Überhaupt werden wir Bürger der Polizei glauben müssen, dass er tot ist.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters soll Schäuble gesagt haben, er lehne eine Verschärfung des Waffenrechts ab oder die Aufstellung von Metalldetektoren an Schulen. Schäuble: „Man muss sich mal vorstellen, wenn Kinder unter solchen Verhältnissen aufwachsen würden, was das für Folgen hätte“.

Ja, was denn? Leider ging Schäuble darauf nicht ein, sondern beschimpfte die Medien, besonders Fernsehsender, die Boxkämpfe zeigen, als Quelle für solche Wahnsinnstaten wie Amoklauf.

Dass es passierte und zudem in Winnenden, sei für ihn „ein unvorstellbares Ereignis.“ Ach ja, wirklich? Dass er sich das nicht vorstellen kann, ist schier unvorstellbar. Gerade er müsste in der Lage dazu sein, spätestens nachdem ein Attentäter ihn in einer Oppenauer Kneipe niederschoss.

Schäuble aber heuchelt: „Ich denke gerade an die Eltern des Täters. Wenn man sich vorstellt: Dies ist ein junger Mensch, der nicht auffällig war. Und dann kommt er an die Waffe ran, hat eine Masse Munition dabei, geht in die Schule und schießt, schießt, schießt. Er hätte ja noch weit mehr Menschen erschießen können.“

Ach, wie gut dass der Innenminister weit ab vom Schuss war! Hätte es ihn wieder erwischt und ihn getroffen, hätte Deutschland vielleicht einen Komiker weniger. Gerade jetzt, wo auch dieses Land mitten in der Krise steckt und Komiker dringend gebrauchen könnte.

Aber vielleicht bräuchte Deutschland eines noch dringender: Keinen Schäuble als Innenminister.

Häufigkeit der schlimmsten Amokläufe

Von 1964 bis 2009 gab es in den USA die meisten Amokläufe – 10 insgesamt bis zum heutigen Tag. Deutschland folgt in der Statistik gleich mit 4 Fällen. Auffällig dabei ist jedoch auch die Verteilung der Fälle aufs Jahr. Der gefährlichste Monat ist hierbei der März, gefolgt vom April und in der zweiten Jahreshäfte vom September.

Quelle der Daten:

Liste von SPIEGEL-Online

Trümmerfeuerwerk über den Kanaren?

Trümmerstücke der am 10. Februar kollidierten Satelliten Cosmos 2251 und Iridium 33 könnten am 12. März für ein „Sternschnuppenfeuerwerk“ sorgen. Nach Berechnungen des US-Strategic Commands sollten vornehmlich Beobachter auf den Kanarischen Insel in den Genuss des Himmelsschauspiels kommen. Eine Gefahr für Menschen bestünde nicht, da die Trümmer, die größtenteils nur wenige Zentimeter groß seien, schon früh in der Atmosphäre verglühen werden, wie ein Sprecher der NASA versicherte.

J.J. Maryse - Der Satellit Cosmos 2251 hatte doppelt so viel Masse wie sein Kontrahent Iridium 33, folglich wird die Anzahl seiner Trümmer auch doppelt so sein wie jene von Iridium 33. „Am 7. März waren 355 Teile von Cosmos 2251 katalogisiert und 159 von Iridium 33″, sagte Daniel Deak, der zuständig ist für eine Karte der orbitalen Flugbahnen der Trümmerteile. Die Cosmos-Fragmente sind nicht nur zahlreich, sondern inzwischen auch weit verstreut in Höhen zwischen 198 bis 1.689 Kilometer. Dagegen bewegen sich die Bruchstücke von Iridium in Höhen zwischen 582 und 1.262 Kilometer.

Am 12. März sollen nach den Berechnungen erste Teile niedergehen und in der Atmosphöre verglühen. Dann noch mal am 28. März und am 30 März, aber wahrscheinlich in einer breiteren Streuung.

Kölner Symbolfoto

Heute Vormittag hatte ich Gelegenheit, um mit dem Fotografen Frank Domahs zu telefonieren. Er ist jener Fotograf, dessen Foto derzeit in Köln als Symbolfoto für den Einsturz des Stadtarchivs umjubelt wird. Auch ich lobte ihn wegen seines Fotos und schlug ihn vor, er sollte es beim diesjährigen World Press Award einreichen.

Harald Haack - Sein Foto zeigt einen jungen Mann als Bewohner einer ehemaligen Wohnung des südlich zum ehemaligen Stadtarchiv angrenzenden Gebäudes, wie dieser auf dem bereits zerbröckelten Fussboden stehend, hinter sich in der Wand heftige Risse, unter und neben sich die drohende Lebensgefahr. Das Foto von Frank Domahs zeigt ihn, wie er über sein Handy telefoniert. Der Fotograf teilte mir mit, dass er dem jungen Mann eine Warnung hatte zurufen wollen als er ihn dort in dieser bedrohlichen Situation sah, doch er hatte keinen Ton heraus gekriegt. Möglicherweise war das auch gut so, denn mit seinem Zuruf hätte er dem Mann mutmaßlich zu einer unbedachten Bewegung veranlasst und ihn dadurch möglicherweise abstürzen lassen.

Der WDR berichtete, der junge Mann habe mit den Rettern telefoniert. Die sollen ihm geraten haben, Strom und Gas abzustellen.

Frank Domahs möchte sich mit diesem jungen Mann in Verbindung setzen. Vielleicht kann dies auch umgekehrt geschehen, falls der Betreffende diese Zeilen liest.

Dänemark: Oberster Gerichtshof lässt deutschen Taxifahrer frei

Der Oberste Gerichtshof in Kopenhagen sprach einen deutschen Taxifahrer frei. Ein dänisches Gericht hatte ihn zuvor zu 50 Tagen Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Menschenschmuggel vor.

Gila Akkers – Wegen der strengen Strafe von 50 Tagen Haft hatte der Fall vor allem in Norddeutschland erhebliches Aufsehen erregt. Im Januar 2008 hatte der Taxifahrer drei afghanische Kunden über die deutsch-dänische Grenze bei Padborg und danach bis Kopenhagen gefahren. Dort nahm die Polizei die ohne Ausweispapiere eingereisten Fahrgäste ebenso fest wie ihren Fahrer.

Der Taxifahrer wurde 19 Tage in Untersuchungshaft festgehalten. Danach wurde er wegen Menschenschmuggels vor Gericht gestellt: Der Vorwurf: Er hatte sich vor dem Grenzübertritt nicht die Papiere seiner Fahrgäste zeigen lassen.

Doch weil die Staatsanwaltschaft sich bei ihrer Anklage wegen Menschenschmuggels irrtümlich auf einen falschen Paragrafen bezog, sprach der Oberste Gerichtshof in Kopenhagen den 41-jährigen Flensburger Taxifahrer am Freitag frei. Damit hob es das Urteil des Oberlandesgerichts vom Sommer 2008 auf, weil dieses den Formfehler der Anklage nicht erkannt hatte.

Im selben Zeitraum saß ein Hamburger Taxifahrer fünf Tage mehr als die vom selben Gericht beschlossenen 50 Tage Haft ab. Obwohl eigentlich per Urteil frei, sollte er bis zu der von ihm beangtragten Revision im dänischen Knast bleiben. Erst nachdem er seinen Revisionsantrag zurückzog, ließ ihn die dänische Justiz frei. Auch ihm war vorgeworfen worden, er habe drei afghanische Flüchtlinge ohne gültige Einreisepapiere von Deutschland nach Dänemark gefahren.




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