LICHT AUS! Earth Hour 2009 in Hamburg

Sie wirkte albern, die Verdunkelung des Hamburger Rathauses, weil kein Geschäft in der näheren Umgebung bei der „Earth Hour“ mitmachte. Einmal mehr rückte ins Bewusstsein, dass die Beleuchtung der Läden viel zu grell und verschwenderisch ist.

Hein Hering - Im Roten Rathaus in Berlin gingen am Samstagabend für eine Stunde die Lichter aus. Zwischen 20.30 und 21.30 blieb die Beleuchtung ausgeschaltet. Die Aktion war Teil der weltweiten «Earth Hour», an der sich zahlreiche Städte rund um den Globus beteiligten, um auf die mit der Energieerzeugung verbundene Umweltbelastung aufmerksam zu machen. Doch kaum einer wußte davon. Es stand zwar in den Zeitungen, doch es geschah an einem Samstagabend in der grell erleuchteten City Hamburgs. Und nicht nur dort.

Von den Berliner Partnerstädten beteiligten sich Paris, London, Buenos Aires, Mexiko-Stadt, Los Angeles, Istanbul, Warschau und Brüssel an der symbolischen Aktion. Weltweit hatten über dreitausend Städte in mehr als achtzig Ländern ihre Teilnahme angekündigt. An allen Orten gingen dann wohl jeweils um 20.30 Uhr Ortszeit für eine Stunde die Lichter aus. Neben Berlin beteiligte sich als einzige weitere deutsche Stadt Hamburg.

Aber Frau W. war nicht über die Aktion informiert. Frau W. ist Polizistin und als „Palastwache“ fürs Hamburger Rathaus eingeteilt. Frau W. hat lockige, blonde Haar und ist etwas mollig – eine typische Durchschnittshamburgerin. Nachdem das Rathaus „dunkel“ war, kam Frau W. auf uns zu und sprach uns mit den Worten „Darf ich Sie mal was fragen“ an. Sie wollte wissen, wieso so viele Fotografen gerade mit Stativen ums Rathaus aktiv waren. Ich fragte: „Ja, wissen Sie es denn nicht?“ Sie: „Nee, was denn?“ Ich: „Na, schauen Sie mal dort, das Rathaus.“ Sie dreht sich um um und blickte zum Rathaus: „Ja, das Rathaus. Und?“ Ich: „Es ist nicht mehr beleuchtet. Und das ist so, weil nicht etwa die Sicherung heraus geflogen ist, sondern weil dies eine weltweite Aktion ist…“

Nun ja, nachdem Frau W. das verstanden hatte und darauf hinwies, sie habe es nicht auf dem Dienstzettel als Hinweis gehabt, erzählte sie uns lang und breit ihre Anekdoten aus ihrem Leben als Rathauswächterin, wie sie einen früheren Bürgermeister maßregelte, weil der ihr unhöflich ins Wort fiel als sie sich gerade mit dessen Tante unterhielt. Und dann kriegte der deshalb auch noch von seiner Tante eine Standpauke zu hören. Merke: Wenn sich zwei Hamburgerinnen angeregt unterhalten, darf sie niemand unterbrechen, weder der Kaiser von China noch der Hamburger Bürgermeister. Und bei Frau W. zu Hause jodelt der Hamster aus der Steckdose, sagte sie. Oder meinte sie den Strom?

Bis auf das Rathaus und einige große Hotels, darunter jenes, in der Udo von Lindenberg Dauergast ist, blieb Hamburg hell beleuchtet. Und der nervige Nieselregen hörte allmählich auf. Und Frau W. wünschte mir noch ein angenehmes Wochenende. Ich habe sie in mein Herz geschlossen. Frau W. eine Palastwache mit Herz und Seele und irgendwie doch auf Draht.





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