Mysterium Wiedergeburt oder manipulierte Wirklichkeit?

Die Wiedergeburt ist eines der wichtigsten Themen vieler Religionen. Am massivsten hat sich der Glaube daran im Buddhismus manifestiert. So wird in Nepal der inzwischen 18-jährige Ram Bahadur Bomjan als Wiedergeburt Buddhas verehrt. Vor anderthalb Jahren verschwand er in einem unterirdischen Bunker zum Meditieren ohne Essen und Trinken und tauchte daraus nun wohlgenährt wieder auf. Doch während er vor zehntausend Anhängern gut 45 Minuten lang im Bezirk Bara predigte, finden sich Fans von Jim Morrison, dem Sänger der legendären US-Rockband „The Doors“, der am 3. Juli 1971 einer Legende nach von seiner Freundin tot in der Badewanne seiner Pariser gefunden wurde, in ihrem Verdacht bestätigt, er könne noch leben und der als „Buddha-Junge“ verehrte nepalesische Prediger könnte sein Sohn sein.

Harald Haack – Legenden werden gemacht, von Freund und Feind und besonders von fanatischen Anhängern. Über den „Rückkehrer“ Ram Bahadur Bomjan heißt es, er könne „monatelang ohne Wasser und Essen meditieren“. Wer aber genau seine Familie ist, darüber ist kaum etwas bekannt. Das hat seinen Grund: Wenn der Glaube an die Wiedergeburt eines Heiligen so hochgehalten wird, dann gilt dessen Familie bei den Gläubigen allgemein als nebensächlich und Informationen über sie werden vernachlässigt, wenn sie nicht dem Glauben zuträglich sind. Die Mystifizierung des Heiligen ist ein selbstlaufender Prozess, wenn er erst einmal gestartet wurde, in dem alltägliche Geschehnisse zu Wunder gemacht werden. Gläubige wollen glauben, aber dazu brauchen sie Nahrung.

Und die wird ihnen auf einer „offizielle“ Webseite des „Buddha-Boys“, wie er genannt wird, geliefert. Nur der Name der Mutter wird dort genannt, eine Frau „Maya Tamang“. Ram Bahadur Bomjan soll ihr dritter Sohn sein. Es gibt auch ein Foto seiner angeblichen Eltern auf dieser Webseite, die von Tapoban Samrakshan Tatha Sambardhan Samiti Ratanputri Bara unterhalten wird und von Copyright-Hinweisen nur so gespickt ist. Den Namen des Vaters des als Guru und Buddha-Wiedergeburt Gepriesenen sucht man allerdings vergebens. Ist er vielleicht gar nicht der Vater? Und ist Buddha tatsächlich zurück ins Leben? Oder ist er nur das Produkt gerissener Geschäftsleute?

Wiedergeburt oder nur heimlicher Sohn eines US-Rockstars?

Obwohl Ram Bahadur Bomjan als Mönch galt, weigerte er sich vehement sich den Schädel kahl schneiden zu lassen. Einige seiner Anhänger werten allein dies schon als Wunder, das ihn von den gewöhnlichen Mönchen unterscheidet.

Seine Haarpracht glich der Frisur, mit der der Sänger der Doors, Jim Morrison, berühmt wurde. Inzwischen sind seine Haare länger geworden. Auch die Akne-Pickel, die sein Gesicht beherrschten, scheinen verschwunden. Verblüffend: Er sieht seinen angeblichen Eltern nicht ähnlich, sondern Morrison, als wäre er dessen Sohn, gezeugt mit einer Asiatin. Grund genug sicherlich für Verfechter der Verschwörungstheorie, demnach Morrison seinen Tod nur vorgetäuscht habe, um unerkannt in einem fernen Paradies weiter zu leben und um seine vom Show-Geschäft und durch Drogenkonsum verkorkste Seele zu kurieren.

Und dazu passt wie bestellt, dass Morrison der Legende nach mit einem Lächeln auf den Lippen in seiner Badewanne gefunden wurde, angeblich tot und einem Herzinfarkt erlegen. Das lag angeblich wegen seines Drogenkonsums nahe. Er war bekannt dafür, dass er massiv mit LSD und andere harten Drogen einnahm. Doch wer kann bei einem Herzinfarkt, der ihm heftigste Schmerzen und Todesangst verursacht, noch lächeln?

Entweder ist der Sarg, in dem man Morrisons Leiche in seinem besten Anzug gekleidet legte, leer oder er enthält anstelle von ihm einen Doppelgänger, der ihn in der Öffentlichkeit vertrat und aus unbekannten Gründen starb. Das glauben Fans, die nicht wahr haben wollen, dass er starb.

Oder aber Morrison starb tatsächlich und die Leiche in dem Sarg ist seine, beigesetzt gleich neben den Literaten Oscar Wilde und Moliere auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise. Und die Verschwörungstheoretiker, die ihn ein Weiterleben auf den Seychellen andichteten, verdienen gut mit dem Untoten Jim Morrison.

Zu letzterem passt auch, dass nach nunmehr 36 Jahren der frühere Pariser Nachtclub-Manager Sam Bernett auspackte und behauptete, er sei es doch gewesen, der den damals 27-jährigen Rockstar einem Klo gefunden habe. Er will Schaum und Blut auf Morrisons Nase gesehen haben.

Obwohl es keine Obduktion gegeben haben soll, wurde der Leichnam zur Beerdigung freigegeben und Sam Bernett will von einem Organversagen durch eine Überdosis Heroin wissen, die den Sänger der Doors tötete. Es sei kein Herzinfarkt, sondern Herzversagen gewesen, was der Arzt auf dem Totenschein notiert hatte.

War Morrison nur scheintod, d.h. waren seine vitalen Lebensfunktionen auf ein Minimum reduziert, so dass der Arzt keinen wahrnehmbaren Puls mehr bei Morrison fand?

In der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 1071 will Sam Bernett den „hübschen Boy aus Kalifornien“ wie einen „bewegungslosen Brocken zusammengekrümmt“ auf der Toilette des Nachtclubs gefunden haben. Dies schreibt er in seinem Buch über Morrisons mysteriösen Abgang. Er will auch gesehen haben, wie zwei Dealer ihm Heroin verkauften, nachdem dieser gegen ein Uhr morgens in den Club gekommen war. Weshalb der Türsteher des Clubs die verschlossene Toilette aufbrach, in der tote Morrison gelegen haben soll, erklärt der Ex-Nachtclubmanager nicht. Denn es ist keineswegs plausibel, dass Türsteher die Türen von Toiletten aufbrechen, wenn dahinter ein Prominenter vermutet wird.

Und wie in einem billigen Krimi, soll unter den Gästen des Clubs ein Arzt gewesen sein, behauptet Bernett. Für den Arzt sollen der Schaum und das Blut um Morrisons Nase herum das Zeichen einer Überdosis gewesen sein. Für den Arzt schien Morrison tot, doch die beiden Dealer hielten ihn nur für bewusstlos und schleiften ihn weg. Sie wussten offenbar gut über Morrison Bescheid, kannten seine Adresse und schafften ihn in dessen Wohnung, wo sie ihn in die Badewanne legten, um ihn, wie Bernett behauptet, „wieder wach“ zu kriegen.

Ob nun Morrision tatsächlich in jener Nacht starb oder nicht, seine Freundin Pamela Courson, die ihn angeblich in der Badewanne fand, starb jedenfalls drei Jahre später an einer Überdosis Heroin laut eindeutigem Obduktionsbefund. Und wer Ram Bahadur Bomjan für die Wiedergeburt Buddhas halten will, darf dies gerne tun, sollte sich aber nicht ärgern, wenn er irgendwann feststellt, Opfer von Scharlatanerie geworden zu sein. Möglich auch, dass der „Buddha-Boy“ nur ein Fan von Morrison ist heimlich „The Doors“ hört.

“Well the clock says it’s time to close now
I know I have to go now
I really want to stay here
All night, all night, all night”

Songtext aus: “Soul Kitchen“, Lyrics by Jim Morrison





Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de