Wie mittels Retorten-Musik eine ZDF-Komödie zur Tragödie wurde

Ist es die Selbstgefälligkeit der Programmdirektoren und Unterhaltungsredakteure als Marcel Reich-Ranicki von der miesen Qualität des Fernsehens sprach? Wahrscheinlich ist es so. Die beteiligten Macher allerdings klagen über radikal gekürzte Produktionskosten. Da gerät dann schon mal die Musik aufs Abstellgleis.

Sean McMillan – Gestern Abend wurde beim ZDF wieder einmal offenbar wie mit verminderter Qualität Programm gemacht wird. In „Die Frau des Frisörs“ nützte es wenig, dass sich Dominique Horwitz bemühte seiner Rolle gerecht zu werden: Das Unvermögen der offensichtlich falsch besetzten Nadeshda Brennicke, die Regisseur Jan Ruzicka berlinern lässt, obwohl sie es nicht kann, wohl um ihr das ihr anhaftende mondäne Image zu nehmen, was nicht zu ihrer Rolle gepasst hätte, wird noch unterstrichen von einer Musik, für die Carsten Bohn als Komponist seitens der Produktion genannt wird, und machte den Film zu einer billigen Komödie. Einmal abgesehen von einigen abgenudelten Hits der Popmusikgeschichte, die immer noch beim Publikum ankommen, verwendete er längst abgedroschene Sample-Phrasen, wie sie die Firma pro samples auf ihrer CD „Orchestral Loops from Symphonic Adventures“, Vol 33, zu einem sehr niedrigen Preis verkauft, zur Dramatisierung wichtiger Szenen des Films. Eigentlich genau dort, wo Zuschauer eine spezielle, eigene Leistung des Filmkomponisten erwarten, kriegen sie Retortenklängen auf die Ohren.

Über den „Komponisten“, dessen Noten man in „Die Frau des Frisörs“ suchen muss, schreibt Wikipedia: „Carsten Bohn (* 18. August 1948 in Hamburg, Nickname CeBee) ist ein deutscher Musiker aus Hamburg und früherer Schlagzeuger der City Preachers sowie einer der Gründer der in den 1970er Jahren populären Band Frumpy. Bekannt ist er vor allem für seine Musik älterer Europa-Hörspiele.“ Wikipedia nennt auch einen Rechtsstreit von Carsten Bohn mit BMG-Miller, in dem es um die Verwendung von Miller International geschaffen „Sammelpseudonyme“ geht, die das Label auch für andere Musiklieferanten nutzte: „Seitdem dürfen die Hörspiel-Folgen mit der Musik von Carsten Bohn nicht mehr verkauft werden. Seit 1986 wurden die betroffenen Folgen, mit den alten Abmischungen der Hörspiele, durch Neuabmischungen mit Musikstücken anderer Musiker ersetzt. (Bei der „Drei ???“-Serie betrifft dies z. B. die Folgen 1 bis 39, bei der „TKKG“-Serie die Folgen 1 bis 33.)“

Ob in der Komödie „Die Frau des Frisörs“ ähnlich verfahren wurde, d.h. ob der Regisseur Jan Ruzicka sich gezwungen sah, die Phrasen einer billigen Sample-CD anstelle der Noten von Carsten Bohn zu verwenden, bleibt wohl Geheimnis der Produktion.





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