Archiv für September 2008

Wie ein Schleier, die Atmosphäre einer Tragödie

In den Bildern des Buches „Wir waren hier“ von Tadeusz Rolke trifft man auf einen Künstler und einen Meister seines Faches. Die Arbeiten von Tadeusz Rolke sind unter vielen anderen wieder zu erkennen, haben sie doch Besonderheiten, die nur seiner Art der Fotografie zueigen sind: Jeder Schatten und jede Form auf diesen Bildern zeigen uns eine geistige Dimension.

Feliks Tych – Diese Auswahl gibt nicht nur einen Eindruck von dem außergewöhnlichen Werk Tadeusz Rolkes. Sie zeigt uns vielmehr den Fotografen als moralisch sensiblen Zeugen der Geschichte – der Geschichte einer Gemeinschaft, die Mitte des 20. Jahrhunderts fast vollständig aus Polen verschwunden ist: des polnischen Judentums.

Auf den Fotografien von Tadeusz Rolke sieht man weder eine Mordszene, noch die Mörder, noch ihr Handwerkszeug. Sie zeigen nur die materiellen Spuren dieses Rückfalls in die Barbarei: Ruinen von Synagogen, von Gebetshäusern und Sitzen berühmter Zaddikim in Polen und in der Ukraine. Es sind keine romantischen Ruinen. Auf jedem dieser Bilder zeigt sich wie ein Schleier die Atmosphäre einer Tragödie, zeigt sich das historische Drama des Mordes an den Juden.

Tadeusz Rolkes Fotos berichten von den zivilisatorischen Folgen des Holocaust. Mit der Machtübergabe an Hitler zeigte sich, dass ein großer Teil der Bevölkerung in einem der kulturell und ökonomisch höchst entwickelten Länder sich Schritt für Schritt von einer rassistischen Obsession auf den Weg des Völkermords drängen ließ; eines Mordes, der im Namen des deutschen Staates an einer ganzen Bevölkerungsgruppe begangen werden sollte, die über ein irrationales Rassenkriterium zunächst aus dem eigenen Volk selektiert wurde. Der Novemberpogrom 1938 war der Vorbote. Nicht ganze drei Jahre später gab es bereits den Plan für eine industrielle Ermordung der gesamten jüdischen Bevölkerung in Europa – vom Greis bis zum Säugling. Dieser Plan wurde von 1941 bis 1945 fast perfekt verwirklicht, und damit hätte Adolf Hitler im Grunde genommen das einzige Ziel seines Krieges erreicht, der in allen anderen Bereichen verloren ging und der von der Mehrheit der deutschen Bevölkerung bis zuletzt unterstützt wurde. Als Mittäter oder Täter waren dabei nicht nur hunderttausende Deutsche und Österreicher hinzugezogen worden, sondern auch weite Teile anderer Völker in Europa: Ukrainer, Litauer, Letten, Ungarn, Rumänen, Slowaken, Kroaten und – allerdings in wesentlich geringerem Ausmaß – auch ein Teil meiner eigenen polnischen Landsleute.

Wenn man mit nur einem Wort beschreiben sollte, was die Bilder von Tadeusz Rolke – in einer fast philosophischen Dimension – zeigen, dann wäre das: Abwesenheit. Die Bilder zeigen nicht eine Gegenwart des Menschen, sie zeigen in der Abwesenheit einen Riss, eine Lücke.

Häuser sind der Verwitterung ausgesetzt; das gehört zum natürlichen Lauf der Dinge, wenn Sonne und Wind und Wandel ihr Werk tun. Dieser Verfall mag auch vom Menschen herrühren; aber besonders schnell verfallen Häuser, wenn die Menschen verschwunden sind, die in ihnen wohnten, wenn niemand mehr da ist, der sich um das Haus kümmert. Und in Polen und in der Ukraine gibt es nur wenige, die sich um die materiellen Spuren der Anwesenheit von Juden kümmern.

In Polen und der Ukraine lebten vor dem Holocaust mehr als fünf Millionen Juden. Allein die polnische Judenheit zählte vor dem deutschen Überfall im September 1939 etwa dreieinhalb Millionen Menschen. Nirgendwo sonst in Europa lebten so viele jüdische Menschen, nur in den USA gab es mehr. Heute zählen alle jüdischen Gemeinden in Polen zusammen genommen knapp sechstausend Mitglieder.

Im Vorkriegspolen macht die jüdische Bevölkerung zehn Prozent der Gesamtbevölkerung aus und rund 40 Prozent der Stadtbevölkerung. Das waren sehr oft orthodoxe Juden, die noch traditionelle Tracht trugen und in aller Regel jiddisch sprachen, und es waren auch vollständig assimilierte Juden, die sich im täglichen Leben untereinander wie auch mit anderen auf Polnisch verständigten. Unter ihnen gab es gläubige Juden und solche, die der jüdischen Religion ferner standen. Es waren Arme und Reiche, in ganz Polen bekannte Dichter, Schriftsteller und Künstler, aber auch einfache Lastenträger, Schuster, Schneider, Ladenbesitzer und Straßenhändler.

Tadeusz Rolke gehört zu einer Generation, die sich noch an eine polnische Landschaft mit Juden erinnern kann. Er kann sich noch erinnern, wie polnische Städte und Kleinstädte vor dem Krieg aussahen, als die Juden ein organischer Bestandteil des dortigen Lebens waren. Das ist vielleicht ein Grund, warum er in der Lage ist, seine Motive geradezu perfekt auszuwählen.

Der Holocaust kostete drei Millionen polnischer Juden und Jüdinnen das Leben. Etwa ein Drittel davon hatte in den Gebieten gelebt, die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst an die Sowjetunion gefallen waren und später zur Ukraine, zu Weißrussland und zu Litauen kamen.

Die weitaus meisten polnischen Juden wurden in den vier Vernichtungslagern Kulmhof, Sobibór, Bełżec und Treblinka vergast, die die SS im besetzten Polen hatte bauen lassen, ausschließlich um die Juden sofort zu ermorden – mitunter waren auch Sinti und Roma die Opfer. Daneben gab es noch zwei Lager, die die Funktionen von KZ und industrieller Mordeinrichtung miteinander verbanden: Auschwitz-Birkenau, die größte Todesfabrik im Dritten Reich und Majdanek bei Lublin.

Die wenigen polnischen Juden und Jüdinnen – es waren etwa neun Prozent –, die den Holocaust in einem Versteck, in Konzentrations- lagern, in Zwangsarbeitslagern oder bei den Partisanen überlebt hatten, verließen Polen in den ersten vier Jahren nach Kriegsende; größtenteils weil sie sich nicht sicher fühlten, insbesondere nach der mörderischen Pogromwelle und den Meuchelmorden in den Jahren 1945 und 1946.

So legen die Fotos von Tadeusz Rolke Zeugnis ab von der größten Tragödie, die Polen widerfahren ist: vom Verschwinden der polnischen Juden, vom Mord an einer ganzen Nation. Aber man sieht keine Menschen auf diesen Bildern, obwohl doch Menschen das Wichtigste ihrer Botschaft sind. Man sieht nur Häuser oder das, was von ihnen bleibt und manchmal den Schatten eines Menschen. Obwohl die Menschen auf den Bildern das wichtigste sind. Man sieht Gebäude oder das, was von ihnen geblieben ist. Und doch handeln sie von Menschen.

Diese Bilder haben eine dokumentarische Qualität – aber für mich ist etwas anderes noch wichtiger: Der fast poetische Zug dieser Fotos bringt uns dazu, eher über den Holocaust nachzudenken als der drastische Augenblick am Tatort zur Tatzeit, so wie er auf einem historischen Foto festgehalten wird. Möglicherweise ist das so, weil die Bilder nicht allein von der Shoa selbst sprechen, sondern auch von denen, die nach dem Krieg in der Gegend lebten, in der diese Bilder aufgenommen wurden, und davon, wie sie sich den Juden und der Shoa gegenüber verhielten. Kurz gesagt: sie sprechen auch vom Vergessen. Sie sprechen vom Nicht-Gedenken, vom Nicht-Erinnern. Davon, dass etwas nicht in Erinnerung bleibt, das um der ganzen Menschheit willen nicht vergessen werden dürfte.

Der Holocaust bedeutet nicht allein, dass Menschen vernichtet wurden – auch die materiellen und symbolischen Spuren ihrer Anwesenheit wurden vernichtet. Die weitaus meisten Synagogen wurden abgerissen oder anders zerstört. Die örtliche Bevölkerung eignete sich – schon bereits während des Krieges – nunmehr verwaiste jüdische Grabsteine an, um sie nach deutschem Vorbild als Baumaterial zu verwenden oder mit ihnen Höfe und Plätze zu pflastern. Auch die kommunistischen Behörden etwas später kümmerten sich selten um Synagogen und Friedhöfe. Einige Synagogen wurden noch nach 1970 abgetragen. Erst in letzter Zeit melden sich Bauern und manchmal auch Pfarrer und bringen Mazzewen, Grabsteine, mit denen zuvor der Hof des Pfarrhauses oder der Sakristei gepflastert war.

So ist Tadeusz Rolke – ohne selbst einen jüdischen Hintergrund zu haben – durch seine künstlerische Arbeit zum Wächter des Gedenkens an die ermordeten Juden geworden. Es ist ein Gedenken im Medium der Fotografie, der Kunst. Aber diese Fotografie hat gleichzeitig eben doch auch eine unerhört wichtige dokumentarische Dimension. Sie lehrt Geschichte und das auf einem höchst sensiblen Feld: es geht hier um die zivilisatorischen Folgen des Holocaust.

Diese Fotos gelten nicht Tagesereignissen, sie beziehen sich nicht so sehr auf einen konkreten Ort oder eine konkrete Zeit. Vielmehr zeigen sie langfristig wirkende, dauerhafte Folgeerscheinungen einer existentiellen und zivilisatorischen Katastrophe. Aber nicht die Natur bewirkte diese Katastrophe, sondern der Mensch und nicht nur an dem Ort, an dem das einzelne Foto entstand, sie betrifft vielmehr weite Teile Ost- und Mitteleuropas und dadurch die gesamte europäische Kultur und Zivilisation. Sie zeigen eine Katastrophe, die zur Ausrottung einer ganzen Kultur samt ihrer Sprache geführt hat.

Metaphorisch spiegelt sich die Dimension dieser Katastrophe im Schicksal des Jiddischen wider. Bis zum Holocaust sprachen zehn Millionen Menschen Jiddisch, und es wurde – abgesehen von einigen Enklaven – innerhalb von drei Jahren vor den Augen einer Generation zu einer toten Sprache, wie das Latein. Das Schicksal des Jiddischen, das nach der klassischen Tradition im Wesentlichen auf einen west-mitteldeutschen Dialekt zurückgeht, wurde also von Menschen aus dem Land besiegelt, aus dem es stammte. Gerade in den Gegenden, in denen diese Fotos entstanden, war die jiddische Sprache das Verständigungsmittel der meisten dort lebenden Juden.

Anders als beim Lateinischen war das Verschwinden des Jiddischen als Massenverständigungsmittel – vor 1939 erschienen in Polen etwa 420 Zeitschriften auf Jiddisch – nicht das Ergebnis eines langsamen und schrittweise sich vollziehenden zivilisatorischen Wandels. Latein ist bekanntlich nicht ganz verschwunden; es war bis vor kurzem die liturgische Sprache der römisch-katholischen Kirche, vor allem aber leiten sich mindestens fünf große europäische Sprachen vom Lateinischen her. Nein, das Jiddische verschwand nicht in einem evolutionären Prozess – es erlosch innerhalb von zwei Jahren in Folge eines Völkermordes.

Die Fotos Tadeusz Rolkes zeigen Spuren in der Architektur und in der Landschaft, die von etwas Unwiederbringlichem zeugen. Es sind Spuren der materiellen und geistigen Anwesenheit von Menschen, die binnen kurzer Zeit ermordet wurden, zwischen dem Sommer 1941 und dem Sommer 1943, und die Mehrheit von ihnen sogar in einem noch kürzeren Zeitraum, zwischen dem Sommer 1941 und dem Herbst 1942.

Die Fotos entstanden vor allem in Zentral- und Südpolen sowie in einem Teil der Ukraine. Vor den Teilungen Polen, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die jüdische Kultur die für diesen Teil Europas charakteristischen Züge annahm, lagen diese Gebiete innerhalb der Grenzen von Polen-Litauen. Dann, nach den Teilungen, wurde ein Teil davon dem sogenannten Ansiedlungsrayon einverleibt, mit anderen Worten dem größten Ghetto der Welt, das der Staat der russischen Zaren eingerichtet hatte und das erst durch die russische Februarrevolution von 1917 abgeschafft wurde.

In der polnischen Adelsrepublik lebten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts etwa 80 Prozent aller Juden auf der damaligen Welt. Sie waren aus anderen Ländern Europas, vor allem aus Deutschland – Ashkenas – vor den Morden zur Zeit der ersten Kreuzzüge hierher geflüchtet. Ende des 13. Jahrhunderts waren die Juden aus England und am Ende des 15. Jahrhunderts aus Spanien und Portugal vertrieben worden. Zur Zeit der Inquisition dehnten sich die Verfolgungen auf andere Länder Europas aus. In Polen genossen sie zwar keinen vollständigen Schutz vor Verfolgungen, aber sie wurden hier doch weniger belästigt als anderswo in Europa. Das änderte sich, als an der Ostgrenze des damaligen polnischen Staates 1648/49 der Aufstand des ukrainischen Hetmans Bohdan Chmielnicki ausbrach. Er hatte sich gegen die polnische Schlachta erhoben und ermordete bei dieser Gelegenheit Zehntausende der dort ansässigen Juden – sie hatten meist eine wirtschaftliche Mittlerrolle inne, deshalb sah er in ihnen „Verbündete“ des polnischen Adels, die entsprechend grausam behandelt wurden.

Vielleicht sind die ukrainischen und ostgalizischen Gebiete für den Fotografen Rolke aber vor allem deshalb von so großem Interesse, weil hier die großen jüdischen messianischen Bewegungen des 18. Jahrhunderts ihren Anfang und Ausgang nahmen. Sie führten zwar nicht zu einer Modernisierung des Judaismus im Sinne späterer Reformen in Westeuropa, für die der Name Moses Mendelssohn steht. Aber es entstanden in jedem Fall mehrere wichtige religiöse Strömungen im askenasischen Judentum.

In dieser Gegend formierten sich im 18. Jahrhundert die Bewegungen der jüdischen Häretiker, der Frankisten und der Sabbatisten. Und hier bildeten sich auch die meisten großen chassidischen Gemeinschaften, Gruppen frommer Juden um den Hof des einen oder anderen Zaddik. Ein Zaddik war eine Art Weiser, von dem man annahm, dass er engere Beziehungen zum Herrgott hatte als der Rest der Sterblichen. Die Bauten, die Tadeusz Rolke auf seinen Fotos – meist nur noch in Spuren – zeigt, waren oft Sitze solcher Zaddikim; mitunter auch die Synagogen der Städte, in denen sie Hof hielten – also Symbole einer jüdischen Präsenz, der der Holocaust ein Ende setzte.

Es ist also kein Zufall, dass Tadeusz Rolke diese Bauten zum Objekt seiner Fotografie machte. Denn sie symbolisieren das Ende einer Epoche in diesen Gebieten oder eigentlich das Ende einer Epoche überhaupt.

Sicherlich gibt es auch heute noch, besondere in Israel und in den USA Anhänger einzelner großer Zaddikim aus jenen polnischen und ukrainischen Gebieten. In den meisten Fällen entstanden diese Höfe der Zaddikim im 18. Jahrhundert oder der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Am bekanntesten sind vielleicht die Anhänger des Rabbi von Lubawiscze, genauer ihrer Dynastie, der Schneursons, die die chassidische Chabad-Bewegung schufen. Bis heute gibt es auch noch Anhänger des Zaddiks von Bobowa, des Rabbis aus Bełz und des Rabbis aus Czortków, des Zaddik Eli Melech aus Leżajsk und des Zaddik aus Góra Kalwaria, den die Juden Ger nennen. Am Todestag oder am Geburtstag des Gründers einer solchen Dynastie oder des letzten Zaddik versammeln sich ihre Anhänger an den Gräbern um zu beten, und sehr oft sind es junge Leute, in deren Familien das religiöse Zugehörigkeitsgefühl weitergegeben wird.

Vielleicht gibt es eine schlichte Beschreibung dessen, was die Bilder von Tadeusz Rolke heute zeigen: Sie sind der Versuch, ein Vakuum zu zeigen, das von einer Millionen Menschen zählenden Bevölkerung polnischer Juden hinterlassen wurde.

Ich sehe in den Fotografien Tadeusz Rolkes aber mehr als die für Historiker und Wächter der Erinnerung an die Verbrechen des 20. Jahrhunderts so notwendige Dokumentation dessen, was beständig einem weiteren Verfall unterliegt (auch wenn es Beispiele von Bauten gibt, die kürzlich renoviert wurden, wie die auf den Bilder ebenfalls gezeigte Ruine der Synagoge von Rymanów). Diese Bilder haben in sich ein Erkenntnis förderndes Potential: sie zwingen uns heute stärker zum Nachdenken darüber, was der Holocaust war und welche tiefen Spuren er hinterlassen hat als manches historische Bild – auch bei den Bewohner der Gegenden, in denen einst Juden als Nachbarn lebten, mit ihrem Verhältnis zum jüdischen Erbe, das eben das Erbe ihrer toten Nachbarn ist. Diese Fotos bergen nämlich ein eigenes, emotionales Potential für die Ausformung einer Erinnerungskultur. Ich meine hier nicht so sehr die Erinnerung an den Holocaust überhaupt. Auf ihn kommen wir so oder so in unserer historischen Arbeit und im moralischen Diskurs immer wieder zurück. Informationen aber können verschiedene Wege nehmen: solche, die man aus Gründen der psychischen Hygiene versperren will, wenngleich man das nicht sollte – und eben solche, die wegen ihres eigenen ästhetischen Codes die Information durchlassen. Diese Fotografien haben ein solches Erkenntnis förderndes ästhetisches Potential.

Primo Levi hat von der moralischen Pflicht gesprochen, Zeugnis davon abzulegen, was passiert ist. Ich denke, genau das tut Tadeusz Rolke in der Sprache seiner Kunst.

Die Publikation dieses Textes (als Einleitung zu dem Buch „Wir waren hier“ unter dem Titel „Das Vakuum“ publiziert) und der Fotos erfolgt mit freundlicher Erlaubnis der edition.fotoTAPETA Berlin sowie des Fotografen Tadeusz Rolke, Warszawa.
© Copyright by edition.fotoTAPETA Berlin /Tadeusz Rolke

WIR WAREN HIER

Verschwindende Spuren einer verschwundenen Kultur
Fotos von Tadeusz Rolke

Essays von Simon Schama
Mit einer Einleitung von Feliks Tych
und Texten von Abraham Joshua Heschel
Klappenbroschur, 192 Seiten, 75 s/w-Fotos
ISBN 978-3-940524-01-0
Preis: 19,80 EUR

Weltsensation: Falsche Euro-Münzen in Salzwedel aufgetaucht

Wer bisher glaubte, Geldfälscher würden sich nicht mit dem Prägen von Münzen abgeben, muss sich jetzt belehren lassen. In Salzwedel (Sachsen-Anhalt) versuchte ein „älterer Herr“ mit einer falschen Ein-Euro-Münze zu bezahlen. Der Coup flog sofort auf.

Wie die az-online heute schreibt, sei gestern in Salzwedel die erste bekannte Hartgeld-Fälschung aufgetaucht. Der Geschäftsführer eines Elektronikgeschäfts glaubt, dass der Kunde keine Ahnung von dem Falschgeld hatte, indes sei ihm selbst die falsche Münze gleich aufgefallen. Eine Weltsensation!

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Az-online – Falscher Euro: Erster bekannter Fall

„Türkischer“ Baby-Killer jetzt auch in China aktiv

Am vergangenen Dienstag berichtete Newsbattery-Autorin Gila Akkers, aus gut informierten Kreisen einer türkischen Klinik in Izmir, die als als “Haus des Todes” in der türkischen Öffentlichkeit bekannt sei, sei durchgesickert, dass die verwendeten Infusionsmaterialien aus der Volksrepublik China stammen und nicht steril waren. Und als müsse es dafür noch einen letzten Beweis geben, kam nun heraus, dass 8 Neugeborene im Zeitraum von 10 Tagen in einer Klinik in China gestorben sein. Als Ursachen werden – ähnlich wie zuvor in der Türkei – Infektionen angegeben.

Harald Haack – In der türkischen Klinik seien die Infusionssets weder steril verpackt gewesen, noch habe es Hinweise zur Sterilisation gegeben, schreibt Gila Akkers in Newsbattery. Als Hersteller, so fand sie über türkische Informanten heraus, wurde der chinesische Hersteller Medtrue Protective Products Co, Ltd., Nanjing, genannt. Unbekannt blieb, ob und wie die Infusionssets von der türkischen Klinik sterilisiert wurden.

Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtet jetzt, die chinesischen Neugeborenen seien zwischen dem 5. Und 15. September in der Universitätsklinik im Nordwesten des Landes gestorben. Die Klinikleitung soll versucht haben, die Todesfälle zu vertuschen. Und wie so oft in China sind den Behörden Maßregelungen und Bestrafungen der Verantwortlichen vorrangig; als handele es sich um kleine, ungezogene Kinder. Das eigentliche Problem aber wird verschwiegen und nicht beseitigt. Es natürlich um Kinder, aber sie sind keine Täter, sondern wurden Opfer mutmaßlicher Sparmaßnahmen, wenn nicht sogar von Gier und Bereicherung, und die Verantwortung dafür könnte über die Klinikleitung hinaus reichen. Die Behörden der Provinz Shaanxi hätten die Universität lediglich angewiesen, diejenigen zu bestrafen, die „versucht haben, den Vorfall zu verschleiern“, berichtete Xinhua.

Ersten Ermittlungen zufolge angeblich bestehe kein Zusammenhang mit dem Melanin-Milchpulver-Skandal. Die Säuglinge seien an einer Infektion gestorben. Das hatte die türkische Klinikleitung auch verbreiten lassen und verschweigt offensichtlich immer noch wie es dazu kam, dass Infusionslösungen mit Krankheitserregern kontaminiert wurden.

Zum Thema:

Türkischer Baby-Killer stammt mutmaßlich aus China
China vergiftet die Welt und alle helfen mit

China vergiftet die Welt und alle helfen mit

Die Chinesen haben ihr Gesicht längst verloren. Mit Olympia versuchten sie darüber hinweg zu täuschen. Doch es gab zu viele Skandale, nicht nur wegen Dopings, sondern auch auf politischer Ebene, als dass es hätte gelingen können das Abgleiten Chinas zu verhindern. Schon vor Olympia gab es ständig Meldungen über vergiftete Waren, Bergwerksunglücke, Bergrutsche, Flugzeugabstürze. China versprach Abhilfe, doch daraus wurde nichts. Es wurde alles nur noch schlimmer.

Harald Haack – Vor allem der Druck westlicher Unternehmen, Waren und Leistungen in China billigst zu kriegen, sorgten bei den Chinesen für eine Goldgräberstimmung. Und deutsche Politiker hofierten brav die Chinesen, warben u.a. für den Transrapit, verschifften die Technologie ins Land des Drachens und duckten sich mit einem Mal weg, als bekannt wurde, dass die Chinesen die Technik dann schamlos geklaut hatten, um ihre eigene Bahn zu bauen und die Deutschen im Regen stehen zu lassen.

Wenn es nicht so häufig in China zu Katastrophen käme, deren Ursachen mutmaßlich in Korruption und unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen liegen, so könnte man argwöhnen, China führe einen heimlichen Krieg gegen den Rest der Welt. Chinas Menschenvernichtung ist aber auch gegen das eigene Volk gerichtet. Seine Bergwerke sind die gefährlichsten der Welt. Seine Passagierflugzeuge stürzen häufig ab. Spielzeug aus China ist fast ausnahmslos vergiftet, was besonders im westlichen Ausland auffiel und zu aufsehenerregenden Rückrufen und Verlusten führte. Derweilen geht die Lebensmittelindustrie Chinas über Leichen, wie der Milchskandal jetzt zeigt.

Schuldzuweisung, Verharmlosung
Frankreichs Landwirtschaftsminister Michel Barnier sieht die Schuld dafür, dass immer noch Waren aus China trotz des vor sechs Jahren verhängten Importverbots in die EU gelangen, bei einigen Mitgliedstaaten, wie Deutschland, deren Einfuhrkontrollen unter aller Sau sein sollen. Laut EU-Kommission kämen die China-Produkte über Drittstaaten nach Europa. Die deutsche Regierung soll nämlich keinen Anlass für verschärfte Kontrollen innerhalb der EU sehen. China habe eine „Bringschuld“, seine Lebensmittelexporte nach Europa genau zu kontrollieren, soll Agrar-Staatssekretär Gert Lindemann verteidigend gesagt haben.

Und in Deutschland wird weiter verharmlost und es werden immer noch dieselben Sprüche geklopft, die der Bevölkerung stets bei Brandkatastrophen, wenn viel giftiges Rauchgas die Luft verpestet, um die Ohren gehauen werden: Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure Deutschlands, Martin Müller, verwies am Samstag vor einer Woche im RBB-Inforadio darauf, die Einfuhrmengen seien überaus gering. «Das, was wir reinbekommen, ist zu vernachlässigen.» Für den Verbraucher bestehe keine Gefahr.

Und Herr Seehofer? Der mahnte schon mal Kontrollen nach Milchskandal in China an.

Beide, Herr Seehofer und Herr Müller, aber haben wohl von dem Importverbot der EU gegen China noch nichts gehört. Und schlimm genug, dass es immer noch Einfuhren aus China hierzulande gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise die toxisch dünstenden China-Waren eines großen, deutschen Elektronik-Versandhauses schon vor sechs Jahren gehamstert wurden, um jetzt verhökert zu werden.

Melanin-Milch
In China erkrankten mehr als 6.000 Babys durch vergiftetes Milchpulver, vier Kinder sollen dadurch ums Leben gekommen sein. Als Ursache gilt der Kunststoff Melanin, der normalerweise für Möbel verwendet wird und im Gegensatz zu PVC wenig ausgast und die Innenraumluft kaum belastet.

Aber mit diesem Kunststoff lassen sich Lebensmitteltests manipulieren. So wurde 2006 bekannt, eine für die USA vorgesehene Lieferung von Weizengluten, habe Melanin enthalten.

Der Kunststoff Melanin täuscht nämlich einen höheren Eiweißgehalt vor. Da die toxischen Weizengluten als Haustierfutter verkauft wurden, starben die damit gefütterten Haustiere an Nierenversagen. Erst 2007 soll es einen landesweiten Rückruf des Futters gegeben haben, denn über die Verstoffwechslung des Melanins bei Hauskatzen lag mittlerweile eine umfassende wissenschaftliche Untersuchung vor.

Doch wie so oft – Tierfutter gilt heutzutage als reiner als die für Menschen vorgesehenen Lebensmittel – konzentrierte sich der Schutz nur auf den veterinärmedizinischen Bereich.

Grund also genug für skrupellose chinesische Lebensmittelhersteller, von nun an dem Milchpulver den Kunststoff Melanin zuzusetzen, um den Stickstoffgehalt bei Qualitätskontrollen als normal erscheinen zu lassen. Auch hier ergaben sich durchs Melanin beste Proteinwerte, was den Verkaufswert des Milchpulvers, das zu Babynahrung verarbeitet wurde, zu erhöhen. Melamin wurde außerdem auch in Milchfertigprodukten und gewöhnlicher Flüssigmilch nachgewiesen.

Die Babys, die noch nicht durch die „Melanin-Milch“ starben, leiden an Nierensteinbildung. Niemand kann sagen, wie lange sie daran leiden werden, ob es sie sogar ihr ganzes Leben über, selbst noch im Erwachsenenalter, belasten wird. Möglicherweise werden sie nicht alt werden.

Der Skandal weitet sich aus
Wie jetzt gemeldet wird, habe ein chinesischer Hersteller, die Firma Guanshengyuan, den Verkauf einer bekannten Bonbon-Marke gestoppt, weil die „White Rabbit“, so der Name dieser Bonbons, mit Melanin kontaminiert sei. Zu hoffen ist, dass nun die deutschen Verharmloser überall weiße Karnickel hoppeln sehen, also endlich Rückgrat beweisen und das Importverbot der EU für China-Waren befolgen.

Doch nicht nur mit Melanin gelingt es den Chinesen Lebensmittel zu strecken, um mehr Geld dafür zu erhalten. Aber da sie stets auf der falschen Seite des Astes sitzen, den sie vom Baum absägen wollen, bleibt ihnen letztenendes nur die Schande als Vergifter berühmt geworden zu sein. Von Strafverfahren gegen solche Unternehmen wurde aus China noch nichts bekannt.

Wie die AFP verbreitete, erkrankten zwei Angestellte einer japanischen Süßwarenfabrik, nachdem sie von chinesischer Bohnenpaste genascht hatten. Sie enthielt Petroleum und wurde für die Herstellung von asiatischen Süßwaren verwendet wird. Bereits kurz nachdem sie die Masse probiert hatten, sei ihnen übel geworden, teilte die Polizei am Freitag mit. Der betroffene Mann und die Frau seien in ein Krankenhaus gebracht worden, aber in einem stabilen Zustand. Wie viel von dem Zeugs bereits in Japan und anderswo abgesetzt wurde, darüber wurde bislang nichts bekannt.

Versprechen, die zu Versprechern werden könnten
Angesichts des Terrors um verseuchte Milchprodukte soll der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao der Bevölkerung bessere Lebensmittelkontrollen versprochen und im Fernsehen gesagt haben: „Wir wollen verhindern, dass so etwas wieder passiert, nicht nur bei Milchprodukten, sondern bei allen Lebensmitteln. … Wir wollen verhindern, dass derartige Zwischenfälle passieren, damit die Menschen in Frieden essen können.“

Wen stempelte die Milchproduzenten zu bösen Buben, warf ihnen in typisch chinesischer Art einen Mangel an „professioneller, sozialer und öffentlicher Moral“ vor. Publikumswirksam soll der Regierungschef zuvor durch Supermärkte gewandelt sein und die durch vergiftete Milch erkrankten Kinder in Krankenhäusern besucht haben. Und das war dann wohl alles an Maßnahmen, um so etwas wie ein Gesicht zu retten. Aber das haben Wen und seine Chinesen längst verloren.


Aktualisierung vom 26. September 2008, 18 Uhr

Nachdem schon der Konzern „Nestle“ von dem Melamin-Skandal in China betroffen war, traf es nun auch „Heinz“, wie AFP verbreitet. Nicht nur Milch, Keksen und Bonbons sind mit Melanin gestreckt, sondern auch Baby-Müsli und Reiswaffeln.

Aus der AFP-Meldung:
Die Behörden von Hongkong teilten am Freitag mit, die giftige Chemikalie sei in Baby-Müsli der Firma Heinz gefunden worden. Daraufhin sei ein Rückruf angeordnet worden, hieß es in einer Erklärung. „Wir haben auch Warnschreiben an Einzelhändler und Importeure gesandt“, hieß es weiter. In Hongkong sind mittlerweile fünf Kinder an Nierensteinen erkrankt, die mit Melamin verseuchte chinesische Milch getrunken hatten. In China starben bislang vier Säuglinge durch Melamin-verseuchtes Milchpulver, 53.000 weitere wurden durch das Pulver krank. Erstmals wurden auch in Taiwan Krankheitsfälle bestätigt. Drei Kleinkinder und eine Frau litten nach dem Trinken verseuchter chinesischer Milchprodukte an Nierensteinen, teilte die Universitätsklinik in Taipeh mit.

Pizza Hut in Taiwan nahm landesweit geriebenen Käse aus dem Vertrieb. Tests hatten nach Unternehmensangaben einen Melamingehalt nachgewiesen, der 30 Mal so hoch war wie der erlaubte Grenzwert. „Wir entschuldigen uns bei der Öffentlichkeit“, sagte eine Unternehmenssprecherin. Der Käse stammte demnach von der neuseeländischen Firma Fonterra. Diese arbeitet mit dem chinesischen Hersteller Sanlu zusammen, der als erster im Zusammenhang mit dem Lebensmittelskandal in die Schlagzeilen geraten war. Eine weitere Komponente der Käsemischung wurde aus Malaysia geliefert.

In Hongkong verbannten die Supermarkt-Ketten ParknShop und Wellcome in China hergestellte Kekse der Marke Lotte’s Koala aus ihren Regalen. Die Gesundheitsbehörden von Macau hatten bei den Keksen zuvor einen extrem hohen Melamin-Wert festgestellt.

30 französische Polizisten in Georgien

Am Mittwoch trafen in der georgischen Hauptstadt Tiflis 30 französische Polizisten der EU-Mission EUMM ein. Laut eines AFP-Reporters sollen sie mit einem Flugzeug der französischen Armee nach Tiflis geflogen sein.

An Bord waren angeblich auch zwei luxemburgische Kollegen. Auch 33 zivile Beobachter und Polizisten aus Italien und 15 Polizisten aus Schweden seien vorher eingetroffen. Ab dem 1. Oktober sollen insgesamt 300 Beobachter den Abzug der russischen Truppen aus dem georgischen Kernland überwachen.

Deutschland beteiligt sich mit maximal 40 Polizisten und Fachkräften an dem Einsatz. Das hatte das Kabinett am Mittwoch in Berlin beschlossen.




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