Nachruf auf Peter Hutmacher

Gibt es noch Stadtoriginale? Der laute, aber harmlose Sigi aus Wien vielleicht? Polternd geisterte der Hüne durch Berns Gassen und mag manche zarte Seele erschreckt haben. Oder der gehbehinderte Fritz, der täglich im „Fritzcar“ von der Berner Matte in den Tierpark rollte um die Enten zu füttern. Das ganze Quartier hatte gesammelt, um ihm ein Elektromobil zu kaufen. Verschwunden, verstorben, aus dem Augen aus dem Sinn.

Peter Maibach – Oder Peter Hutmacher, der zähe, hartnäckige „Hueti“, wie er gerufen wurde. Doch auch Hueti ist nicht mehr. Fading out, es war ein langsames Verblassen des charmanten, witzigen, lebensfrohen Malermeisters. Tapfer und hartnäckig, wie Marathonläufer sind, hat er gegen seine schwere Krankheit angekämpft, Schritt um Schritt. Tod war stärker. In diesem Schwebezustand zwischen Trauer und Weiterleben will ich mich an „meinen“ Hueti erinnern.


Peter Hutmacher 18.2.1942 – 29.8.2008

Denn einer so schillernden Persönlichkeit wie Hueti gerecht zu werden wird mir nicht gelingen. Klein an Wuchs, voller Energie, war er für mich der Mann der Tat schlechthin. „Ich wusste einfach„, so erzählte er mir am Tresen, „eines Tages werde ich im Haus an der Aarstrasse 76 wohnen.“ Später im Leben hat er das geschichtsträchtige ehemalige Freudenhaus Berns gekauft, mit dem letzten Fünfer, und liebevoll renoviert. Die schmucke Fassade ist ein beliebtes Fotosujet: ein lebensgroßes Graffiti zeigt einen Maler, der im Begriff ist, ein Fenster auf die Fassade zu malen, aus dem ihm eine junge Frau zuschaut.

Neben solcher Freude am Skurrilen pflegte er seine Liebe für schwere Motorräder. Das bedeutet in seinem Fall, dass er alte Maschinen vollständig aus einander schraubte, revidierte und wieder zusammensetzte. Die logische Folge solchen Tunings war, auch gleich Rennen zu fahren. In einer Lagerhalle in einem anderen Quartier hatten Hueti und ein Freund sich eine Werkstatt eingerichtet. Mit den Jahren füllte sich die Halle mit einer umfangreichen Ausstellung an historischen Maschinen. Nächtelang putzten, schraubten, malten und ölten die beiden an ihren Vehikeln. Da konnte es geschehen, dass er das Weihnachtsfest vergaß und seine Frau anrufen musste, um ihn daran zu erinnern, dass Familie und Gäste nur noch auf ihn warteten.

„Ich wusste schon als Lehrling, dass ich schreiben würde.“ Zwei Bücher hat Hueti geschrieben. „Vollgas und Gegenwind“ mit Kurzgeschichten und Reiseabenteuern rund um seine geliebten Töffs. Und in „Bern – Bosporus“ erzählt er von seiner Reise in einem Wrack von 2CV nach Griechenland im 1963. Die charmanten, witzigen Geschichten begeisterten einen großen Fankreis, ja mancher ältere Herr wurde motiviert, seinen „Bock“ im Keller abzustauben und den Erinnerungen auf der Landstraße nachzubrausen.

Ein wichtiger Anlass war der Grand Prix von Bern. Huetis Haus an der Aarstraße lag an der Laufstrecke, bei Kilometer fünf. Dort war Huetifest, bei Musik, Bier und Bratwurst feuerten die Gäste die Läufer an. Darunter auch der stolze Peter Hutmacher, der seinen letzten GP gemeinsam mit seinem Enkel lief.

Danach wurde es ruhig. Der Mann, der selbst Ölgötzen in eine rege Diskussion verwickeln konnte, verstummte. Der Mann, der kein Fest ausließ, ließ sich nur selten noch auf kurzen Spaziergängen blicken. Die Krankheit raubte ihm die Stimme, sog seine Energie ab. Am Schluss bleiben ein paar Buchseiten und eine Hausfassade, die trotzig ein verwirrendes Bild der Realität dem Betrachter entgegen wirft.





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