Kursbuch: Die Bahn macht es jetzt platt und zockt noch einmal fett ab

Die Deutsche Bahn will an die Börse gehen. Um dort einen guten Start hinzukriegen, zeigt sie sich jetzt, so lässt sich mühelos mutmaßen, in wirtschaftlicher Hinsicht als „avantgardistisch“; was treue Bahn-Kunden jedoch extrem nervt. Ob die Bahn allerdings mit ihrer Politik neue Kunden für ihre Börsen-Notierungen gewinnen und innerhalb ihrer grundlegenden Statistik vorweisen kann, ist fraglich. Zu plump schimmert derzeit eine aalglatte Konzeption durch, die auf eine der vielen 0815-Unternehmsberatungen basieren könnte.

Horst Walkendorfer - Unternehmensberater werden gerne eingespannt, wenn ein Unternehmen kränkelt. Doch ob die helfen können, ist, so kristallisierte sich in letzter Zeit leider immer öfter heraus, keineswegs eine Frage deren absoluten Durchblicks, sondern letztendlich eine Entscheidung der Unternehmensleitung schlechthin – gemessen an der rezessiven Stimmung innerhalb der Wirtschaft eines Landes oder Staatenbereichs, in welcher das betreffende Unternehmen agiert.

Die Deutsche Bahn hat sich inzwischen viele Feinde geschaffen. Nicht nur Terroristen und Erpressern diente sie dazu, um niedrige Gelüste zu befriedigen. Bundestagsabgeordnete, Bahnkunden wie Otto-Normal-Verbraucher auch, oftmals aber im Gegensatz zum deutschen „Michel“ in der 1. Klasse zu finden, fanden in den neuerlichen Ankündigungen über Veränderungen stets eine Möglichkeit sich zu profilieren und verbal zu geifern. Die Deutsche Bahn, so könnte man annehmen, ist ein exzellentes Spielfeld für Spökenkieker und Dröhnbüdel. Eine weite Spanne vom Durchschnittsbürger bis hinauf zum Autisten oder hinunter zu den geistig ewig Kind-gebliebenen Männern, die in der chaotischen Ordnung ihres Lebens die stupiden Daten des Kursbuchs der Bahn als Abenteuer empfinden. Wer Bahn-Fan ist, mag bitte selbst entscheiden, in welchen Bereich er sich eingeordnet sehen sollte.

Er sollte wissen, dass es das Kursbuch der Deutschen Bahn künftig nur noch als schnöde, sich im Grunde genommen selbst zerstörende CD-ROM geben wird. Bedrucktes Papier kostet der Bahn mehr als elektronische Datenträger. Lediglich eine gedruckte Spezialausgabe für Unverbesserliche, in einer limitierten Auflage von 2.000 Stück kann nur heute noch per Fax oder via E-Mail zum Preis von 99 Euro bestellt werden.

Diese Gesamtausgabe mit allen ab 14. Dezember 2008 bis 12. Dezember 2009 gültigen Reisezug-Fahrplänen erscheint in vier Bänden mit hochwertigem Einband, Silberschnitt und Lesezeichen im Schuber. Abschiedsedition bestellbar unter Fax (0721) 9383794 oder per E-Mail unter kursbuch@bahn.de (Bestellfrist endet an diesem Sonntag, 31. August 2008).

Offensichtlich spekuliert Herr Mehdorn auf den lukrativen Geschäftssinn der Besteller, die letzte Gesamtausgabe des Kursbuches gewinnbringend bei eBay oder anderswo zu verticken.

Ich schließe mich dieser „Mehdornierheit“ nicht an.





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