Archiv für August 2008

Nachruf auf Peter Hutmacher

Gibt es noch Stadtoriginale? Der laute, aber harmlose Sigi aus Wien vielleicht? Polternd geisterte der Hüne durch Berns Gassen und mag manche zarte Seele erschreckt haben. Oder der gehbehinderte Fritz, der täglich im „Fritzcar“ von der Berner Matte in den Tierpark rollte um die Enten zu füttern. Das ganze Quartier hatte gesammelt, um ihm ein Elektromobil zu kaufen. Verschwunden, verstorben, aus dem Augen aus dem Sinn.

Peter Maibach – Oder Peter Hutmacher, der zähe, hartnäckige „Hueti“, wie er gerufen wurde. Doch auch Hueti ist nicht mehr. Fading out, es war ein langsames Verblassen des charmanten, witzigen, lebensfrohen Malermeisters. Tapfer und hartnäckig, wie Marathonläufer sind, hat er gegen seine schwere Krankheit angekämpft, Schritt um Schritt. Tod war stärker. In diesem Schwebezustand zwischen Trauer und Weiterleben will ich mich an „meinen“ Hueti erinnern.


Peter Hutmacher 18.2.1942 – 29.8.2008

Denn einer so schillernden Persönlichkeit wie Hueti gerecht zu werden wird mir nicht gelingen. Klein an Wuchs, voller Energie, war er für mich der Mann der Tat schlechthin. „Ich wusste einfach„, so erzählte er mir am Tresen, „eines Tages werde ich im Haus an der Aarstrasse 76 wohnen.“ Später im Leben hat er das geschichtsträchtige ehemalige Freudenhaus Berns gekauft, mit dem letzten Fünfer, und liebevoll renoviert. Die schmucke Fassade ist ein beliebtes Fotosujet: ein lebensgroßes Graffiti zeigt einen Maler, der im Begriff ist, ein Fenster auf die Fassade zu malen, aus dem ihm eine junge Frau zuschaut.

Neben solcher Freude am Skurrilen pflegte er seine Liebe für schwere Motorräder. Das bedeutet in seinem Fall, dass er alte Maschinen vollständig aus einander schraubte, revidierte und wieder zusammensetzte. Die logische Folge solchen Tunings war, auch gleich Rennen zu fahren. In einer Lagerhalle in einem anderen Quartier hatten Hueti und ein Freund sich eine Werkstatt eingerichtet. Mit den Jahren füllte sich die Halle mit einer umfangreichen Ausstellung an historischen Maschinen. Nächtelang putzten, schraubten, malten und ölten die beiden an ihren Vehikeln. Da konnte es geschehen, dass er das Weihnachtsfest vergaß und seine Frau anrufen musste, um ihn daran zu erinnern, dass Familie und Gäste nur noch auf ihn warteten.

„Ich wusste schon als Lehrling, dass ich schreiben würde.“ Zwei Bücher hat Hueti geschrieben. „Vollgas und Gegenwind“ mit Kurzgeschichten und Reiseabenteuern rund um seine geliebten Töffs. Und in „Bern – Bosporus“ erzählt er von seiner Reise in einem Wrack von 2CV nach Griechenland im 1963. Die charmanten, witzigen Geschichten begeisterten einen großen Fankreis, ja mancher ältere Herr wurde motiviert, seinen „Bock“ im Keller abzustauben und den Erinnerungen auf der Landstraße nachzubrausen.

Ein wichtiger Anlass war der Grand Prix von Bern. Huetis Haus an der Aarstraße lag an der Laufstrecke, bei Kilometer fünf. Dort war Huetifest, bei Musik, Bier und Bratwurst feuerten die Gäste die Läufer an. Darunter auch der stolze Peter Hutmacher, der seinen letzten GP gemeinsam mit seinem Enkel lief.

Danach wurde es ruhig. Der Mann, der selbst Ölgötzen in eine rege Diskussion verwickeln konnte, verstummte. Der Mann, der kein Fest ausließ, ließ sich nur selten noch auf kurzen Spaziergängen blicken. Die Krankheit raubte ihm die Stimme, sog seine Energie ab. Am Schluss bleiben ein paar Buchseiten und eine Hausfassade, die trotzig ein verwirrendes Bild der Realität dem Betrachter entgegen wirft.

Kursbuch: Die Bahn macht es jetzt platt und zockt noch einmal fett ab

Die Deutsche Bahn will an die Börse gehen. Um dort einen guten Start hinzukriegen, zeigt sie sich jetzt, so lässt sich mühelos mutmaßen, in wirtschaftlicher Hinsicht als „avantgardistisch“; was treue Bahn-Kunden jedoch extrem nervt. Ob die Bahn allerdings mit ihrer Politik neue Kunden für ihre Börsen-Notierungen gewinnen und innerhalb ihrer grundlegenden Statistik vorweisen kann, ist fraglich. Zu plump schimmert derzeit eine aalglatte Konzeption durch, die auf eine der vielen 0815-Unternehmsberatungen basieren könnte.

Horst Walkendorfer - Unternehmensberater werden gerne eingespannt, wenn ein Unternehmen kränkelt. Doch ob die helfen können, ist, so kristallisierte sich in letzter Zeit leider immer öfter heraus, keineswegs eine Frage deren absoluten Durchblicks, sondern letztendlich eine Entscheidung der Unternehmensleitung schlechthin – gemessen an der rezessiven Stimmung innerhalb der Wirtschaft eines Landes oder Staatenbereichs, in welcher das betreffende Unternehmen agiert.

Die Deutsche Bahn hat sich inzwischen viele Feinde geschaffen. Nicht nur Terroristen und Erpressern diente sie dazu, um niedrige Gelüste zu befriedigen. Bundestagsabgeordnete, Bahnkunden wie Otto-Normal-Verbraucher auch, oftmals aber im Gegensatz zum deutschen „Michel“ in der 1. Klasse zu finden, fanden in den neuerlichen Ankündigungen über Veränderungen stets eine Möglichkeit sich zu profilieren und verbal zu geifern. Die Deutsche Bahn, so könnte man annehmen, ist ein exzellentes Spielfeld für Spökenkieker und Dröhnbüdel. Eine weite Spanne vom Durchschnittsbürger bis hinauf zum Autisten oder hinunter zu den geistig ewig Kind-gebliebenen Männern, die in der chaotischen Ordnung ihres Lebens die stupiden Daten des Kursbuchs der Bahn als Abenteuer empfinden. Wer Bahn-Fan ist, mag bitte selbst entscheiden, in welchen Bereich er sich eingeordnet sehen sollte.

Er sollte wissen, dass es das Kursbuch der Deutschen Bahn künftig nur noch als schnöde, sich im Grunde genommen selbst zerstörende CD-ROM geben wird. Bedrucktes Papier kostet der Bahn mehr als elektronische Datenträger. Lediglich eine gedruckte Spezialausgabe für Unverbesserliche, in einer limitierten Auflage von 2.000 Stück kann nur heute noch per Fax oder via E-Mail zum Preis von 99 Euro bestellt werden.

Diese Gesamtausgabe mit allen ab 14. Dezember 2008 bis 12. Dezember 2009 gültigen Reisezug-Fahrplänen erscheint in vier Bänden mit hochwertigem Einband, Silberschnitt und Lesezeichen im Schuber. Abschiedsedition bestellbar unter Fax (0721) 9383794 oder per E-Mail unter kursbuch@bahn.de (Bestellfrist endet an diesem Sonntag, 31. August 2008).

Offensichtlich spekuliert Herr Mehdorn auf den lukrativen Geschäftssinn der Besteller, die letzte Gesamtausgabe des Kursbuches gewinnbringend bei eBay oder anderswo zu verticken.

Ich schließe mich dieser „Mehdornierheit“ nicht an.

Das höchst seltsame, gruselige Monster von Montauk

Ein Monsterwesen füllt haufenweise YouTube-Videos. An diesem Wochenende erreichte die Diskussion auch die schwedische Boulevardzeitung Aftonbladet, ganz so, als wenn die spektakulären neue Morde und Skandale, über die die Zeitung berichten konnte, nicht mehr ausreichten. Aufgeregt erklärt der TV-Reporter Eric Larsson den kuriosen Fund vor einem Affengehege in einem weiteren Video.

Harald Haack – Östlich von New York City erstreckt sich eine lange Insel, Long Island genannt, an deren östlichstem Ende Montauk liegt. Jenna Hewitt, soll sie heißen, die Anfang August am Strand den Kadaver eines unheimlich aussehenden Tieres gefunden hatte. Das Rätselraten ist derzeit immer noch groß, ob es das Ergebnis geheimer militärischer Forschung, ein außerirdisches Wesen oder die Missgeburt eines Hundes, einer Schildkröte oder eines fetten Huhnes ist.

Mit dem Schnabel anstelle einer Hundeschnauze erinnert das tote Wesen tatsächlich an eine Schildkröte ohne Rückenpanzer. Hatte das Tier, eine Meeresschildkröte, seine Panzerschale verloren und war daraufhin verendet und von den Wellen an den Strand gespült worden? Wenn es an dem Kadaver nicht die Läufe eines Hundes gebe, wäre dies eine plausible Erklärung. So vermuten einige amerikanische Blogger nun, es mit dem Ergebnis von Tierversuchen zu tun haben; andere witterten dagegen einen fiesen Marketing-Hoax, um den Strand von Ditch Plains in die Weltöffentlichkeit zu bringen, alles mit Hilfe einer berühmten amerikanischen Fotobearbeitungssoftware am heimischen Computer gemacht.


Ein eigenartiges Objekt am rechten Vorderlauf des Kadavers sorgt für zusätzliches Stirnruntzeln: War dieser Stoffrest Teil einer Fessel? Oder ist es nur ein Stück Seetank aus dem Meer? Wahrscheinlich soll man diese Fragen stellen, denn offensichtlicher konnte das Teil kaum platziert werden; womit dies ein Beweis für eine Fälschung sein könnte.


Merkmale, die auf eine fototechnische Manipulation hinweisen: 1 = vom gesamten Foto abweichende Glätte der Stellen, an denen mutmaßlich ein Composit-Teil eingefügt wurde; 2 = ungenügend zum Eingefügten angepasste Bildteile eines Basis-Fotos. Hier möglicherweise das Fragment eines behaarten Hundeohres, mit einer Pseudokante, d.h. einem erfundenen Merkmal, verspielt eingearbeitet. Dem Bildbetrachter wurde es zudem überlassen, zu entscheiden, wo genau sich die Augen des toten Wesens befinden. Gearbeitet wurde hier zusätzlich mit der Eigenschaft des menschlichen Gehirns, fehlende Dinge des Gesehenen mit einem vermeintlichen Erkennen zu ersetzen: „Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Mondgesicht.“ Hat die „Bestie“ denn nun die Augen starr geöffnet oder die Lider geschlossen?


Montauk am östlichsten Zipfel von Long Island (NY).

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Sucht CDU-Wulff sucht die Nähe der Linken?

Henrik C. Sassen – Werden Lügen wahr, wenn man sie ständig wiederholt? Für den stellvertretenden CDU-Vorsitzenden Christian Wulff scheint dies keine Frage mehr zu sein, wenn es darum geht seine politischen „Freunde“ aufs Terror-Podest zu heben.

Aber er scheint noch zu wissen: Wer in Deutschland auf politischer Ebene Vergleiche macht, hat, wie es Henryk M. Broder einmal treffend sagte, „die Arschkarte gezogen“.

Deshalb vergleicht er mutmaßlich nicht, er schimpft gleich durchs Prolo-Sprachrohr, in der „Bild am Sonntag“: „Die Linke flirtet weltweit mit Extremisten der PKK, der ETA, der Hamas, der Hisbollah!“ Aber was wäre ein solcher Satz, wenn er nicht gleich mit einer dunklen Portion Patriotismus unterstrichen wird: Er fürchte um Deutschland, soll er gesagt haben, weil er wisse, „wohin die Reise mit der Linkspartei“ ginge. Der Linkspartei warf er vor einen Batzen „Straftaten“ vor: Sie arbeite mit der Organisation „Rote Hilfe“ zusammen, die Straftäter aus dem linksextremistischen Bereich unterstütze. Außerdem habe die „Linke“ während der Fußball-Europameisterschaft zur Zerstörung von Deutschlandfahnen aufgerufen. Und schließlich soll sie, so Wulff weiter, vor wenigen Tagen Gästen einer Bundeswehr-Veranstaltung in Hannover aus Pappe gefertigte „abgetrennte“ Hände und Füße unter dem Motto „Soldaten sind Mörder“ ausgehändigt haben. Sollte letzteres strafbar sein? Ja? Dann hätte die provokante Satire zumindest bei Wulff ihr Ziel nicht verfehlt.

Verbotenes Nazi-Netzwerk offengelegt

Carl Landow – Als ich kürzlich in einer Hauptstadt-Kneipe die Anekdote hörte, Berliner Hundebesitzer hätten ihre Schäferhunde auf die Namen und „Adolf“ und „Stalin“ gekauft, musste ich schmunzeln. „Kommt jetzt her, sonst gibt’s Krieg!“ sollen die Hunde angeblich angebrüllt werden, wenn sie ungehorsames Verhalten zeigen. Doch was den Hundebesitzern recht(s) war, dürfte etlichen Nazis Angst nun machen. Hackern soll es nämlich gelungen sein, in Ihr „Blood and Honour“-Netzwerk einzudringen und sich an den vorgefundenen Datensätzen (wohl genüßlich) zu bedienen. Wie die Zugangsdaten lauteten, blieb bislang unbekannt. Wahrscheinlich waren sie so aufschlußreich und einfach wie Namen von deutschen Schäferhunden. Mehr als 30.000 Datensätze, so schreibt heute die Frankfurter Rundschau, konnten kopiert werden. Darunter sollen sich etwa 500 befinden, die in Deutschland lebende Nazis betreffen. Seit September 2000 ist das Nazi-Netzwerk als verfassungsfeindliche Gruppierung verboten.




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