Duhner Pferderennen überschattet

Harald HaackEs war kein Freitag, aber ein Dreizehnter. Einigen Leuten mag diese Zahl beim Wetten auf ein Pferd oder ein Sulky vielleicht Glück gebracht haben, aber es gab auch Unfälle.

Es gilt als Saisonhöhepunkt: Das „Pferderennen auf dem Meeresgrund“ – seit über 100 Jahren, weltweit einmalig. Galopper und Traber kämpfen um Wattenmeer um Platz und Sieg. Ca. 35.000 Zuschauer sollen am gestrigen Sonntag gezählt worden sein, 30.000 wurden zuvor vom Veranstalter erwartet. die restlichen 5.000 mögen vielleicht eine gefällige Schönrechnung sein – skurril wie die Rennveranstaltung selbst.


„Scambambuly“ mit Reiterin Jennifer Korbus siegten im 3. Rennen.
© Foto-Copyright: Harald Haack


© Foto-Copyright: Harald Haack


© Foto-Copyright: Harald Haack

Impressionen und Unfälle

Zunächst war es ein prächtiges Wetter. Die Sonne schien, weiße Wölkchen am Himmel, eine frische Brise wehte vom Wattenmeer zum Deich vor dem Duhner Strandhotel. Den Deich hatten die Rennveranstalter zur Tribüne gemacht. Es wurde musiziert, Reiterinnen und Reiter in traditionellen Kostümen und auch welche als Piraten verkleidet, traten im Rahmenprogramm auf. Die Veranstalter hätten sich sicherlich noch mehr Publikum gewünscht, etliche gerne mit Wett-Ambitionen, aber die Menge der Gäste war angenehm ausreichend. Die Stimmung war prächtig, eine große Strandparty.


Abseits des Rennens: Ausritt durchs Wattenmeer vor Duhnen (Cuxhaven).
© Foto-Copyright: Björn Jacobs


Beim Einfahren schien noch die Sonne.
© Foto-Copyright: Björn Jacobs

Doch dann bezog sich der Himmel. Es wurde dunkel und kalt. Wer als Fotograf nahe der Rennstrecke stand, suchte sich bald tiefe Pfützen im schlickigen Wattenboden aus, um Füße und Unterschenkel im Wasser zu wärmen.

Kurz vor dem ersten Rennen, fuhr an der östlichen Kehre der Rennstrecke ein Pferdewagen umher. Ein Kameramann stand auf der Kutsche und nahm die Fahrt über dem Meeresgrund auf. Unser Newsbattery-Team suchte dort derweilen nach einem guten Kamerastandpunkt. Wir sahen, wie der Kutscher Mühe hatte, die Pferde an den Zügeln zu führen. Vom Deich her schallten unentwegt die Lautsprecherdurchsagen.

Ich hatte gerade einen Duisburger Hobbyfotografen abgelichtet und ihn um die Bildfreigabe gebeten, die er, Harald C., mir gerne gab. Er gesellte sich bald noch einmal zu mir und wollte wissen, ob ich gesehen hätte, wie das Pferdegespann umgekippt sei. Kaum hatte er mir von dem Unfall berichtet, hörten wir das Martinshorn eines inmitten des Rennplatzes stationierten Rettungswagen. Ein Kollege wollte sogleich wissen, wieso der da mit Blaulicht übers nasse Watt raste. Wir standen alle zu sehr abseits, um rasch zum Ort des Unfalls laufen zu können. Außerdem sollte gleich das erste Rennen starten.


Urlauber Harald C. aus Duisburg hatte ein Auge für das gewisse Etwas am Horizont.
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„Zaungäste“: Wattwänderer und Schiffe.
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Ein nasser Standpunkt: Ganz normal beim „Pferderennen auf dem Meeresgrund“.
© Foto-Copyright: Harald Haack


Die Pferde einer Kutsche äppelten vor Aufregung bei der offiziellen Eröffnung des Renntages reichlich.
© Foto-Copyright: Harald Haack

Wie wir später erfahren konnten, war das Pferdegespann mit neun Fahrgästen umgestürzt. Dabei wurden vier Menschen verletzt. Das Spektakel der Veranstaltung, die ständigen Lautsprecherdurchsagen, die Musik der Musikkorps, das war wohl für die Pferde des Gespanns zu viel gewesen. Sie gingen durch. Das waren sie offensichtlich nicht gewohnt. Es handelte sich angeblich um jenes Gespann, das bei Ebbe Fahrgäste zwischen Duhnen und Insel Neuwerk befördert.

Wir hörten aber auch, der Wagen sei mit den Rädern über einen Betonsockel der Deichüberfahrtsstelle gefahren und dann, als die Zugpferde in Panik gerieten, umgekippt. Für ein Sulky, ein Traber-Gespann, ist diese Furt schon sehr schmal, gerade ausreichend. Für das Pferdegespann ist es wohl auch ausreichend, aber nicht wenn die vom Lärm und vielen Menschen genervten Pferde durchgehen.

Und dann gleich noch ein Unfall: Eine Kollegin, eine Fotografin, wurde schwer verletzt, als sie von einem Pferd umgerannt wurde. Ein Polizeisprecher vermutet, das Tier sei von der Strecke abgekommen. Doch Untersuchungen werden zeigen müssen, wie es wirklich war. Die Frau wurde ins Krankenhaus transportiert.


© Foto-Copyright: Björn Jacobs


Nachteil der digitalen Fotografie: Die Verlockung ist groß nachzuschauen, ob die Fotos gut geworden sind. Da vergessen Fotografen leicht die Gefahr um sich herum.
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Das Rennen auf dem nassen, schlickigen Meeresgrund lockte viele Fotografen in die unmittelbare Nähe der Rennstrecke.
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Nachfolgend hier einige Ergebnisse.

2. Rennen: Preis der SEAT Deutschland GmbH und des Autohauses Gepp – Preis von Steinmarne


© Foto-Copyright: Harald Haack


„Julius“ mit Fahrer Jacobus Snoek, Startnummer 2, kam im 2. Rennen auf den 3. Platz. Und „Speed Car“ mit Fahrer Mario Krismann, Startnummer 9, auf den 2. Platz.
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„Jack Daniels“ mit Fahrer Jopie Rutting-Verhoeve, Startnummer 6, ging als 8. ins Ziel.
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„Julia de Sade“ mit Fahrererin Katie Beer, Startnummer 4, auf Platz 9.
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5. Rennen: Preis des Nordseeheilbades Cuxhaven; Ausstattung durch die Stadt Cuxhaven und EWE AG Oldenburg


„Mr. Bollow“ mit Fahrer A.Jahn, Startnummer 1 im 5. Rennen, schaffte den 3. Platz.
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Links im Bild: „Vendita“ mit Fahrer M.K.Klitzsch, Startnummer 8, gingen im 5. Rennen als 4. durchs Ziel.
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Nachtrag: Wegen des Unfalles mit der Fotografin, angeblich eine Amateurfotografin, die zu unachtsam gewesen sein soll, will sich die Rennleitung entschieden haben bei künftigen Rennen wahrscheinlich nur noch ausgewiesene Foto-Journalisten in die Nähe der Rennstrecke zu lassen.

Korrektur: Wir berichteten hier vom tragischen Tod des Katers unseres Mitarbeiters. Der Unfall geschah nicht an der Rennstrecke in Duhnen, sondern daheim bei Glückstadt. Wir bedauern das Mißverständnis, das unsere Erwähnung beim Fachpublikum erzeugt haben könnte.

Alle Rennergebnisse ohne Gewähr.





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