Kopfloser Hitler – was nun?

Harald Haack - Es ist geschehen. Die Frage ist nun, ob der Wachs-Hitler wieder ins Museum und damit in die Öffentlichkeit darf.

Wie kaputt der Kerl ist, darüber wurde nicht viel verraten. Aber SPIEGEL-Autor Henryk. M. Broder, der als einer der ersten Besucher des Museums zufällig neben dem Attentäter wartete, möchte ihn für einen Orden, verliehen von Bundespräsident Köhler, vorgeschlagen wissen. Endlich einmal sei ein Attentat auf „den Führer“ gelungen, so Broder in SPIEGEL TV vom Sonntag, und er fügte hinzu, der Täter müsse als einziger noch lebender Hitler-Attentäter ebenso seinen Platz als Wachsfigur im Museum Madame Tussauts finden.

Das klingt gerade so, als stelle jener Kreuzberger, ein mutmaßlicher Hartz-VI-Empfänger, der sich an der Wachsfigur verging, mit seiner gegenwärtig noch populären Tat die früheren Hitler-Attentäter um Graf Stauffenberg in den Schatten und ließe sie damit künftig dem Vergessen anheim fallen. Immerhin bezahlten sie ihr missglücktes Attentat auf den Hitler mit dem Leben. Der Berliner Wachsfiguren-Täter aber durfte nach seiner Vernehmung durch die Polizei nach Haus gehen, umschwirrt von einem SPIEGEL-TV-Team. Kein Vergleich, aber ein Unterschied.

Dies mag wohl der Grund dafür sein, weshalb die Polizisten die Tat nicht lustig fanden und weshalb Politiker, die sich zunächst spontan positiv dazu äußerten, der Kopf mit einem Mal schwer wird. Die nächsten Tage werden sicherlich zeigen, wer von ihnen ebenso kopflos wird oder wer noch Rückgrat hat.

Aber darf der Hitler denn überhaupt zurück ins Museum?

Eine Lösung wäre möglicherweise, die Attacke auf die Wachsfigur zur Kunst zu erklären, und nicht den Hitler bzw. dessen Wachsfigur. Damit könnten nicht nur Reparaturkosten gespart werden, das mit etwas Kreativität leicht umzugestaltende Diorama würde zum Besuchermagneten mutieren und müsste damit auf ungewohnte Art und Weise als Symbol für eine erlebte Auseinandersetzung mit der Geschichte dienen. Man müsste es nur wollen.

Wie kreativ und souverän also wird man in Berlin jetzt sein?


Computer-Simulation 1: Mit etwas Kreativität die erlebte Auseinandersetzung mit der Geschichte dezent zum Erfolg verhelfen? Hitler, ohne Körper noch lebensfähig! Nein, diese Darstellung entspräche zu sehr der gegenwärtigen Wiedergänger-Praxis deutscher TV-Sender, die ohne ihren täglich gesendten Hitler „kopflos“ wären.


Computer-Simulation 2: Eine Version mit Schockeffekt, um auch den braunsten Kleingeist zu zeigen, dass ein Kopfloser kein „Führer“ mehr sein kann.





Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de