Archiv für Mai 2008

Ist Bundespraesident Koehler feige?

Harald Haack - Der Bundespräsident ist in Deutschland die höchste Instanz. Wer es wagt ihm frech oder dummdreist zu widersprechen und ihn damit verunglimpft, könnte wegen „Majestätsbeleidigung“ abgestraft werden, denn noch immer gibt es einen Paragraphen im Strafgesetzbuch, der in seiner Substanz noch aus dem Kaiserzeit und sogar dem Mittelalter stammt, die Verunglimpfung des Bundespräsidenten nach § 90 StGB:

Verunglimpfung des Bundespräsidenten

(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) den Bundespräsidenten verunglimpft, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) In minder schweren Fällen kann das Gericht die Strafe nach seinem Ermessen mildern (§ 49 Abs. 2), wenn nicht die Voraussetzungen des § 188 erfüllt sind.

(3) Die Strafe ist Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, wenn die Tat eine Verleumdung (§ 187) ist oder wenn der Täter sich durch die Tat absichtlich für Bestrebungen gegen den Bestand der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze einsetzt.

Einst war dieses Gesetz so fabuliert:

§ 95 StGB „Majestätsbeleidigung“

„Wer den Kaiser, seinen Landesherrn oder während seines Aufenthalts in einem Bundesstaate dessen Landesherrn beleidigt, wird mit Gefängnis nicht unter zwei Monaten oder mit Festungshaft von zwei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Neben der Gefängnisstrafe kann auf Verlust der bekleideten öffentlichen Ämter (sowie der aus öffentlichen Wahlen hervorgegangenen Rechte) erkannt werden.“
(Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich. Berlin und Leipzig 1920.)

Wollte Bundespräsident Köhler gegenüber dem TV-Journalisten Franz Alt seine Macht ausspielen, so könnte er dies mutmaßlich nun tun, denn Franz Alt, der als „Vertrauter des Dalai Lama“ gilt, warf Köhler jetzt „Feigheit“ vor, der Bundespräsident ginge „vor den Chinesen in die Knie“.

Ein Fall von Majestätsbeleidigung? Das kommt wohl heutzutage darauf, wie souverän das Staatsoberhaupt sich verhält und ob es gegen einen solchen Angriff erhaben ist.

Köhlers Sprecher Martin Kothé hatte zuvor gegenüber „Bild am Sonntag“ gesagt, ein Treffen mit dem Dalai Lama käme aus „terminlichen Gründen“ bei dessen Deutschlandbesuch nächste Woche nicht zustande.

Franz Alt hatte dem Blatt der Springer-Presse gesagt, er habe kein Verständnis dafür, dass die chinesische Regierung mit Vertretern des Dalai Lama spreche, „aber unsere Obrigkeit ablehnt, dies zu tun“. Die Chinesen reagierten „nur auf Druck“, sagte Alt.

Dagegen gab die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth eine kritische Empfehlung ab: „Es stünde Bundespräsident Köhler gut zu Gesicht, wenn er sich nicht wegducken, sondern Gastfreundschaft gegenüber dem Dalai Lama zeigen würde“, soll Roth gesagt haben.

Majestätsbeleidung wurde in früheren Jahrhunderten häufig dazu genutzt, um Unrecht auszuüben. So weiß die Zeitschrift „PM“, dass es für Römer gefährlich war mit Geld eine öffentliche Latrine aufzusuchen, eben weil das Bildnis des Kaisers auf den Münzen geprägt war und es verboten war den Kaiser mit solch schmutzigen Orten wie eine Latrine in Verbindung zu bringen. Das Geld musste bei dem dringenden Bedürfnis also draußen bleiben. Doch zurück in die deutsche Gegenwart.

Kein deutscher Staatsanwalt aber wird von sich aus die Anklage wegen „Majestätsbeleidigung“ gegen Franz Alt erheben dürfen, denn das darf nur vom Bundespräsidenten selbst ausgehen:

§ 90 StGB (4) Die Tat wird nur mit Ermächtigung des Bundespräsidenten verfolgt.“

Vielleicht ein Gummiparagraph, denn sind Staatsanwälte nicht ohnehin vom Bundespräsidenten dazu ermächtigt, um als Anwalt des Staates zu dienen? Wem da wohl schon die Finger jucken einem solch couragierten Journalisten und Politologen wie Franz Alt den Prozess zu machen?

Und demnaechst: Die Mineraloelsteuer-Erhoehung?

Henrik C. Sassen – Die Regierenden Deutschlands mühen sich um die Sicherheit, spätestens seit Wolfgang Schäuble dieses Wort erstmals als Bundesinnenminister aussprach. Sie sagen „Sicherheit“ und meinen offensichtlich mehr ihre eigene Sicherheit und mutmaßlich weniger die Sicherheit der Bürger dieses Landes.

Schon in der ehemaligen DDR galten Bürger als Sicherheitsrisiko, die häufig unterwegs waren. Doch dieses Risiko wurde keineswegs mit möglichen Unfällen verbunden. Es war vielfach eine Sache der staatlichen Kontrolle: Wer Flöhe hüten muss, ist froh, wenn diese unbeweglich sind. Und so war es auch. Wer brav in der Wohnung blieb, konnte angeblich nichts ausfressen, galt als harmlos für die Staatsmacht. Und jene, die dann noch auf der Straße angetroffen wurden, standen folglich im Verdacht Staatsfeinde zu sein. Eine nicht ganz korrekte Rechnung, aber im Prinzip war es so. Und es somit kein Wunder, dass es wirtschaftlich mit der DDR immer weiter bergab ging. Da nützten zuletzt keine Überfüllung von Vorgaben der Planwirtschaft und Hausbesuche von ideologisch geschulten Parteimitgliedern bei unmotiviert geltenden Bürgern. Auch in kommunistischen Systemen ist Unbeweglichkeit ein tödlicher Stillstand.

Sie sagen „Sicherheit“ und terrorisieren, wie ich meine, das Leben und die Existenz in Deutschland: Unsere Politiker. Die Duldung der ständigen Spritpreiserhöhungen durch die Bundesregierung kann mutmaßlich nicht mehr anders gedeutet werden als Vorsatz, „Sicherheit“ durch Stillstand zu erreichen.

Das Vertrauen der Deutschen in diese Regierung ist gebrochen. Da mögen auch keine Propaganda-Aktionen mehr darüber hinweg täuschen, die Kanzlerin Merkel in angeblichen Umfragen als beliebteste Politikerin umjubelten. Fehler lassen sich nicht durch psychologische Kosmetik ausbügeln, sie wirken nachhaltig und staatsschädigend. Vorwürfe häufen sich.

Nun trat das Bundesfinanzministerium Vorwürfen entgegen, wonach der Staat kräftig an den hohen Spritpreisen mitverdient. 61,5 Prozent sind es inzwischen, die laut ZDF-Sendung WISO pro Liter Treibstoff vom Staat kassiert werden, wobei mir unklar ist, ob dies die Summe aus Mineralölsteuer und Mehrwertsteuer ist oder ob auf die 61,5 Prozent noch einmal 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen werden. Ich wollte es genau wissen und rief beim Bundesfinanzministerium an. Für Auskünfte dieser Art sei man nicht zuständig, erklärte mir hochnäsig eine Dame, ich möge mich doch bitte an das für mich zuständige Finanzamt wenden – unter Vorlage meiner Steuernummer natürlich.

Öffentlich versucht sich das Finanzministerium herauszureden: Die „Energiesteuer“ (ist damit die Mineralölsteuer gemeint?) bringe jährlich rund 40 Millionen Euro ein und sei damit die wichtigste Verbrauchssteuer des Bundes, heißt es da.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministerium soll erklärt haben: „Wenn weniger verbraucht wird, sinken auch die Einnahmen des Staates aus der Energiesteuer.“

Das ist richtig, aber sollte das nicht zu denken geben, denn je niedriger der Preis einer Ware, desto eher wird sie auch gekauft. Also müsste besonders das Ministerium mit gutem Beispiel vorangehen und die Steuer senken. Aber nein, die Schreibtischtäter dort sehen es anders. Diese Steuer sei ein fester Betrag, der seit 2003 nicht mehr erhöht wurde.

Oh, klingt das nicht nach einer bevorstehenden Anhebung der Steuer?

Wahrscheinlich hat sich jemand im Ministerium meine Frage „Was kassiert der Staat beim Tanken?“ zu Herzen genommen. In der Verlautbarung, die unter dem Mäntelchen „Bedauern“ den Presseagenturen übergeben wurde, heißt es weiter, auf den Spritpreis falle unabhängig von der Energiesteuer noch Umsatzsteuer an, und weil die Umsatzsteuer prozentual (?) berechnet werde, liege sie tatsächlich höher, je teurer der Sprit sei. Und als hätte ich es nicht schon längst wissen müssen: „Aber es ist falsch, daraus zu schließen, dass der Staat deshalb insgesamt mehr Umsatzsteuer einnehmen würde“, soll der Ministeriumssprecher gesagt haben und verwies angeblich darauf, dass jeder Euro nur einmal ausgegeben könne.

Ach so! Nun ist mir klar, weshalb wir die Inflation haben. Je mehr Geld wir ausgeben, desto mehr ist es verbraucht und muss neu produziert werden. Falsch?

Nun gut, der Ministeriumssprecher sagte, was die Verbraucher mehr an Umsatzsteuer an der Tankstelle bezahlten, gäben sie an anderer Stelle weniger für den Konsum aus. Im Endeffekt bleibe das Steueraufkommen aus der Umsatzsteuer für den Staat gleich: „Weder im Hinblick auf die Konjunktur, noch auf die Höhe der Steuereinnahmen hat der Staat ein Interesse an hohen Kraftstoffpreisen“, soll er gesagt haben. Aber das nehme ich ihm nicht ab.

Was fehlt, ist der Beweis für seine Behauptung. Mehr noch: Was hier als Bedauern vorgetragen wurde, klingt meines Erachtens nach einer weiteren Spritpreiserhöhung, dieses Mal durch den Staat. Ich rieche es förmlich. Es liegt in der Luft. Offenbar ist der von den Sicherheitsstategen des Innenministeriums eingetretene Stillstand der Mobilität noch nicht eingetreten. Man solle beim Tanken auch an die Rente denken, soll der Kerl vom Ministerium noch gesagt und suggeriert haben, der derzeit hohe Spritpreis käme der Rente und der Ökosteuer zugute und damit letzendlich der Wirtschaft.

Mir ist das zu verquirlt. Je höher der Spritpreis, desto weniger habe ich von meiner Rente. Das ist Realität.

Deutschland sucht den Politiker

Marcel-Franz Paulé – Deutsche Politiker gelten gemeinhin als egoistisch, selbstherrlich, Lobby-hörig, korrupt und gierig aufs Geld. Damit sind sie in Europa nicht allein. Aber das darf keine Entschuldigung sein.

Staatsgefährdend

Immer weniger Wahlvolk traut ihnen zu, sinnvoll und gerecht zu regieren. Die deutsche Regierung steht somit im Verdacht zu einem Selbstbedienungsladen eines Haufens von asozialen Lobbyisten verkommen zu sein, die eigentlich Ziel von Observationen des Verfassungsschutzes sein müssten, da sie wegen ihrer häufigen Verfehlungen, die öffentlich gerügt werden, eine Gefahr für den Staat darstellen könnten. Sie werden von Menschen ohne zu erwartendem Staatsbegräbnis, jene „Normalsterblichen“ also, die von bürokratischen Statistikern immer noch in faschistoider Weise als „Masse“ bezeichnet werden, leider oft und leichtfertig als „Staat“ verstanden, doch das sind sie nicht. Der Staat ist das Ganze, das sind alle Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft und ihre gewählten Vertreter und „Amtsschimmel“ und allem Drum und Dran.

Und sie alle sind Menschen. Doch unerfreulicherweise überwiegen deren Schwächen in Deutschland immer öfter und geraten in die Öffentlichkeit.

Aber nicht die Presse ist hier der Staatsfeind Nr. 1, wie uns neuerdings Richter des Hamburger Landgerichts durch ihre pressefeindlichen Urteile zu vermitteln versuchen. Es sind eben diese Politiker, die durch Dummheit, verbalem Unvermögen und Betonköpfigkeit böse auffallen und die Politikverdrossenheit beim Wahlvolk geradezu fördern. Ich meine, das dürfte aber auch alles sein was diese „falschen Hunde“ können, die sich mutmaßlich ihr Abgeordneten-Mandat auf kriminelle Weise bzw. ihrem großem Maul bei den Wahlen erschlichen haben und den deutschen Staat in Misskredit bringen. Denn anders könnte man es sich nicht erklären, wie jene Damen und Herren es geschafft haben in die Regierungsebenen des deutschen Staates zu gelangen, um dann bei einem verdientem oder unverdientem Ausscheiden aus dem Amt eine satte Altersversorgung errungen zu haben.

Peter Stuck (SPD), der demnächst in den Ruhestand gehen wird, bekannte sarkistisch angesichts der gegenwärtig massiven Kritik gegenüber der Diätenerhöhung: „Wenn wir bekannt geben, wir lassen uns drei Mal in der Woche auspeitschen, so würde die BILD-Zeitung schreiben, das ist nicht genug, es müssen sechs Mal sein.“

Ein guter Vorschlag, Herr Struck! Nur schade, dass Herr Schäuble den Begriff „Sicherheit“ in penetranter Weise ins Spiel brachte. So wird es nichts mit dem Auspeitschen der Regierungsvermurkser.

Puppenspieler

Besonders schlimm ist, dass jene Politiker glauben die Macht zu haben. Das fängt beim aus seiner Partei ausgetretenen Politiker X an, wovon es leider viele gibt, die ihrem Rausschmiss aus der Partei zuvor kamen und stolz darauf sind, besonders jetzt, da parteilos, die Fäden der „Macht“ ziehen zu können. Und das endet leider irgendwo ganz oben im Bundestag, wo sie dann sitzen sollte, aber leider nicht zu finden sind und durch Abwesenheit glänzen, weil sie „Wichtigeres“ zu tun haben.

Und eigentlich haben sie nichts. Das wissen sie auch und deshalb fordern sie schnell noch die Diätenerhöhung, die bislang keiner von ihnen begründet hat, bevor sie über Bord gehen, um noch intensiver als „Außenbordmotoren“ zu agieren.

Und gerade an den Wahlen hapert es immer mehr, weil nahezu jede deutsche Regierung der letzten zwölf Jahre überwiegend unpopuläre Entscheidungen getroffen hat. Und nicht nur das: Wahlversprechen wurden massiv gebrochen. Da helfen auch keine mehr oder weniger inszenierten Auszeichnungen, wie kürzlich die von Frau Merkel, die prompt, kaum an der Macht, die Mehrwertsteuer erhöhen ließ, obwohl sie während des Wahlkampfes angeblich dagegen war.

Die Kanzlerin wurde für ihre Verdienste um die Weiterentwicklung der Europäischen Union ausgezeichnet. Sie erhielt den renommierten Karlspreis der Stadt Aachen.

Aachen gilt als eine Stadt der Lobbyisten! In Aachen ist ein Verband der Psychologen und Psychiater ansässig, der sich vehement um Einflussnahme in die „Staatsgeschäfte“ bemüht und eine Rückkehr zu Reglements fordert wie es sie einst im Hitler-Deutschland gab, in dem es leicht war Menschen als „verrückt“ zu brandmarken und in Kliniken oder Konzentrationslagern verschwinden zu lassen. Seitens dieser ominösen Vereinigung gab es einen „Kabinettsentwurf“, der mutmaßlich dazu führte, dass es Kassenpatienten „verboten“ ist gleich einen Facharzt zu konsultieren. Sie müssen zuerst einen Allgemeinmediziner aufsuchen. In dem Kabinettsentwurf wurde gefordert, dass Allgemeinmediziner ihre Patienten vorrangig an Psychologen und Psychiater überweisen.

Das neue TV-Format des ZDF

Deutschland braucht Politiker. Das Land wurde schon zu lange von Lobbyisten, raffgieren Abgeordneten und Narren beherrscht. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Wie SPIEGEL-online schreibt, soll es Pläne beim ZDF geben aus Kanada die Lizenzen für die Casting-Show „The next great leader“ zu erwerben, um dann daraus ein deutsches TV-Spektakel zu machen. Kaum wurde dies bekannt, erregt man sich heftig in Deutschlands Parteien, weil nämlich in der in Kanada erfolgreichen Sendung Nachwuchspolitiker gecastet werden. Wozu noch Parteien, wenn Politiker auch ohne deren klappernde Mühlen nach oben chauffiert werden? Braucht man denn Parteien in einer Demokratie? Oder könnte die Demokratie auch ohne Parteien, die Steuergelder verbrauchen, gut existieren? Die Angst geht um bei den Raffkes.

Und während in Hamburg gerade die neue Regierung antritt, um vier Jahre lang ihr „Schützenfest“ zu feiern – schwarze Hosen und grüne Jacken – schoss schon mal Grietje Staffelt, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, den Vogel ab. Das ZDF kratze an seiner Glaubwürdigkeit, verbreitete sie einer offiziellen Mitteilung, „wenn Debatten aus den Parlamenten kaum Platz im Programm finden, auf der anderen Seite aber Politik-Castings präsentiert werden.“ Mit dieser Aussage vermittelt sie mir den Eindruck sich mit dem Medium Fernsehen in Deutschland nicht auszukennen. Gerade als Politikerin und Politiker sollte man wissen wo was läuft.

Die Debatten aus dem Bundestag wie auch Presse-Konferenzen der Parteien und der Bundesregierung werden seit langem schon von PHÖNIX übertragen. In Nachrichtensendungen von ZDF und ARD sowie den Privatsendern gibt es Zusammenfassungen dergleichen.

Wo sind die Profies?

Weshalb also sollte es eine Politiker-Suche nach dem Casting-Prinzip nicht geben?

Der ehemalige Leiter des Brüsseler ZDF-Büros, Reinhard Grindel, jetzt CDU-Medienexperte, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, Politiker müssten mehr sein als fernsehtaugliche Selbstdarsteller.

Hatten Politiker sich nicht auch im Wahlkampf bisher als fernsehtauglich beweisen müssen, wenn sie in so genannten „Fernsehduells“ gegeneinander antraten, um dann hinterher von Psychologen im Auftrag der Medien schändlich für ihr Versagen vor den Kameras abgestraft zu werden? Ein Politiker-Casting könnte sie nicht nur selbstsicherer machen und sie souveräner wirken lassen, ein solches Casting ließe nur die Besten zu. Dass damit möglicherweise auch die besten Lügner gekürt werden, wäre die Kehrseite der Möglichkeit, exzellente Politiker jenseits eines sich selbst aufreibenden Parteiensystem zu entdecken. Aber das ZDF will doch nur spielen, nicht beissen.

Die 13. Linde: Schildbuergerstreich in Salzwedel?

Carl Landow – Einst war die Hansestadt Salzwedel Teil der Mark Brandenburg, und dort gibt es die seit dem 16. Jahrhundert durch einen Schwankroman berühmt und berüchtigt gewordene Stadt Schilda, die Vorlage für die Schwänke über die Schildbürger sein soll.

Um nicht von Königen und Kaiser verpflichtet zu werden, so heißt es, hatten sich die Bürger von Schilda, die als klug galten, eine List ausgedacht. Sie stellten sich dumm und interpretierten jede Metatapher wörtlich. Damit hatten sie nicht nur Erfolg. Mit der Zeit sollen sie sich so sehr ans Dummstellen gewöhnt haben, dass sie fortan nur noch dumm waren und durch allerlei Torheiten dumm auffielen und man sie „Schildbürger“ nannte.

In den wohl bekanntesten Schwänken über die Schildbürger geht es um deren Rathaus: Als sie sich ein neues Rathaus bauten, vergaßen sie die Fenster, und als sie merkten, dass es stockfinster darin war, versuchten sie mit Eimern das Sonnenlicht einzufangen und ins Innere des Gebäudes zu tragen, was misslingt. Und wahrscheinlich ist dann einer auf die Idee zu kommen, das Rathaus an einen lichteren Platz zu schieben. Aber wie verschiebt man ein Rathaus? Vor allem: Woran stellt man fest, dass man es verschoben hat? Einer der an der Rathausverschiebung beteiligten Schildbürger breitete, da ihm vom Schieben warm geworden war, seine Jacke neben dem Rathaus aus und erklärte den anderen Schildbürgern, seine Jacke diene nun als Markierung der Rathausverschiebung. Und so schoben und drückten sie am Rathaus und kriegten nicht mit, dass ein Landstreicher die Jacke mitnahm. Erschrocken stellten die Schildbürger fest, dass die Jacke fehlte und glaubten, das Rathaus zu weit verschoben zu haben.

Ein anderer Schwank handelt davon, wie die Schildbürger vor der Stadtmauer Bäume fällten und diese nicht durchs Stadttor kriegten. Sie hatten die Stämme nämlich quer vor sich her getragen. Deshalb schlugen sie in ihre Stadtmauer ein Loch, das ausreichend breit war, um die Stämme quer hindurch zu tragen. Nachdem sie die Stämme hindurch getragen hatten, stellten sie fest, es wäre einfacher gewesen die Stämme der Länge nach durchs Stadttor zu schleppen. Also schafften sie die Baumstämme wieder aus der Stadt, mauerten das Loch in der Stadtmauer wieder zu und trugen die Stämme der Länge nach durchs Stadttor.

Linden flachgelegt

Zwischen Schilda und Salzwedel liegen zwar ca. 300 Kilometer Wegstrecke, aber dennoch scheint die Nähe zu den Schildbürgern vorhanden zu sein.

Der Ex-Bürgermeister Norbert Hundt (SPD) hatte einen Antrag zur „Erneuerung der Bäume“ des Salzwedeler Heine-Platz gestellt. Dort standen etliche hochgewachsene Linden. Nach einem Ortstermin des Bauausschusses am 16. April 2007 hatte das Gremium Hundts Antrag zum Fällen von 12 Linden zugestimmt: Im „Sinne einer einheitlichen Gestaltung“ sollten beide Reihen Linden „komplett weggenommen“ werden. Die Bäume wurden abgesägt, und mit ihnen auch eine 13. Linde. Doch für diesen Baum habe es nie einen Stadtratsbeschluss gegeben, hatte Stadtratsvorsitzender Dr. Frank Heck der Salzwedeler Lokalpresse mitgeteilt, und die Rathausverwaltung verstrickte sich in Widersprüche.

Die Linde sei nicht mehr standsicher gewesen, der Stamm hohl, die Krone marode und das Wurzelwerk sei auch schadhaft gewesen, versuchte man die illegale Aktion zu verteidigen. Doch Lokalreporter, die am 8. Oktober 2007 das Fällen aller Bäume verfolgt hatten, wollen nichts nichts von den behaupteten Gründen gesehen haben, und keiner der an der im „Sinne einer einheitlichen Gestaltung“ beteiligten „Baumerneurer“ hatte sie dokumentiert. Dumm gelaufen.

Es kam, was kommen musste: Grünen/Pro Baum-Stadträtin Erika Schröder forderte Konsequenzen und Aufklärung. Aus dem Rathaus hatte man ihr die mutmaßlich fadenscheinigen Gründe, wie Beschädigungen an der Wurzel der 13. Linde durch Bauarbeiten, mitgeteilt. Doch das erboste Roman Galeiwa, dessen Unternehmen mit der Umgestaltung des Platzes beauftragt ist. Er soll es als „Unsinn“ bezeichnet haben: „Es gab keine Schäden.“ Natürlich nicht. Oder doch? Vielleicht auch nicht.

Und so bleibt nun alles (wieder einmal) an SPD-Mann Norbert Hundt hängen, der auf die nach einem Schildbürgerstreich anmutende Idee der „Baumerneuerung“ durch Absägen gekommen war. Er soll sich, wie in Salzwedel herum erzählt wird, damit verteidigt haben, immerhin sollten nun junge Linden gepflanzt werden und die hätten in zehn bis fünfzehn Jahren ein „einheitliches Aussehen“. Alteingesessene Anwohner indes befürchten schon, man werde sie demnächst aus ihren Wohnungen werfen und durch junge Mieter ersetzen…

Newsreader: Und gleich noch einer!

Unser zweiter animierter Newsreader

Im Juli feiert die Hansestadt Salzwedel sich selbst mit den Hansetagen. Wir zeigen ein weniger bekanntes Panorama der alten Stadt in der Altmark, Häuser am Jeetze-Umfluter, gesehen vom Parkplatz an der Brückenstraße und fotografiert an einem wunderschönen Maitag.

Eine imaginäre Kamera schwenkt einen Bereich von annähernd 180 Grad ab. Vögel und Insekten flattern durch die Luft. Und unten rechts am Bildrand erfahren Sie, was es Neues bei Newsbattery zu lesen, zu sehen und auch zu hören gibt. Den Sound können Sie auch hier ausschalten, wenn das Vogelgezwitscher nerven sollte.

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