Ziehung der Terrorverdaechtigen

ICCA NOOR – Es soll Menschen, nein: Terroristen geben, die keinen Computer in ihrer Wohnung herumstehen haben. Folglich werden sie von zu Hause aus auch keine Online-Kommunikation pflegen. Diejenigen „Armleuchter“ aber, die den Fahndern des BKA bisher in die Hände fielen, weil sie übers Internet und Telefon Terroranschläge vereinbarten und dilettantisch konstruierte Bomben einsetzten, scheinen nur vorgeschobene Opfer der Terrororganisationen gewesen zu sein, billigst angeworbene leichtgläubige Fanatiker, um von den eigentlichen, geheimen Terroraktionen abzulenken.

Das ist naheliegend und plausibel, doch Sicherheitsfanatiker unter dem Diktat von Schäuble und Beckstein jubelten unlängst über die eigenartigen Erfolge des BKA und plauderten in ihrem Jubel den Terror-Strategen geradezu wie blöd ins Nähkästchen. Um Terror zu bekämpfen, ein ausgesprochen unprofessionelles Verhalten!

Genau diese Unprofessionalität, die eine Terrorbekämpfung schon im Ansatz negiert, wurde nun wieder beim so genannten „BKA-Gesetz“ offenbar, Kritiker nennen es „öffentliche Peepshow“. Aber diese Unprofessionalität, fern jeder seriösen Forensik, ist es, welche die Sicherheit und die Rechte aller in Deutschland lebender Menschen – nicht nur von Terroristen, sondern auch von unbescholtenen Bürgern – erheblich einschränkt. Alle müssen jetzt damit rechnen, dass BKA-Fahnder in ihre Wohnung einbrechen, um Mini-Kameras zu installieren. Laut der dpa heißt es in Paragraf 20h des neuen Gesetzes:

„In Wohnungen anderer Personen ist die Maßnahme nur zulässig, wenn aufgrund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass 1. sich eine … (verdächtige) Person dort aufhält und 2. die Maßnahmen in der Wohnung einer … (verdächtigen) Person allein nicht zur Abwehr der Gefahr … führen wird.“

Mit welchen Konsequenzen jemand zu rechnen hat, der in seiner Wohnung solche heimlich installierten Kameras entdeckt und diese von Steuergeldern gekauften Geräte vernichtet, darüber wurde noch nichts öffentlich bekannt.

Aktueller Abzählreim:
„Beckstein, Beckstein, alle müssen versteckt sein!“

Vier Wochen lang sollen Bespitzelungen nach Stasi-Manier künftig dauern. Vier Wochen lang als unfreiwillige und unbezahlte Darsteller für mutmaßlich unbefriedigte BKA- Maraton-Glotzer. Vier Wochen Schlafen und Sex der Observierten nur unter dem Bett. Und niemand weiß genau, wer der nächste „Star“ sein wird. Ob man sich künftig bewerben darf, um auch einmal ins „Fernsehen“ zu kommen, darüber hat wahrscheinlich keiner der Politiker nachgedacht, die so straff hinter dem BKA-Gesetz stehen. Jedenfalls lässt die Masse der Casting-Shows im TV, die argwöhnen lassen, es könnte sich um staatlich gelenkte Umerziehungsmaßnahmen handeln, darauf schließen, dass bald auch jenes möglich sein wird: „Werde Observierungsstar!“

Am besten wird sein, man schottet sich ab, lässt niemanden mehr in die Wohnung; keine Besuche von Freunden, Verwandten und Bekannten, keine Besuche auch bei denen, um nicht zum Ziel von Schäubles und Becksteins Terroridiotie zu werden. Möglicherweise werden wir uns darauf einstellen müssen, dass Terroristen sich in aller Öffentlichkeit austauschen, wahrscheinlich mit Megaphone und auf Bierkisten vor Discounter-Filialen stehend. Die größte Gefahr dabei: Terrorbekämpfer werden es nicht mitkriegen, weil sie auf die Überwachungsmonitore der Kameras überwachter Wohnungen starren, wo vielleicht nur motorisch betriebene, aufblasbare Puppen prall werden, um sogleich wieder in sich zusammen zu sacken.

Möglicherweise geht es den Bundes- und Landes-“Sicherheitsstategen“ gar nicht mehr um Terrorbekämpfung. Das war vielleicht nur ein Vorwand, um den Stasi-Staat neu zu installieren.

Was uns, wenn auch wieder über Computer geschnüffelt werden soll, im deutschen Fernsehen demnächst erwarten könnte, zeigt die Video-Satire von Icca Noor.



Vollmeises Klopfer – Ziehung der Terrorverdächtigen

© 2008 Icca Noor, Stockholm





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